Clubcommission Berlin (Foto: Clubcommission)

Deutschlandweit haben viele Clubs ihre Türen fast schon ein ganzes Jahr lang geschlossen. Die Hilfen vom Staat halten mehr oder weniger die leerstehenden Clubs und die an sie gebundenen Personen am Leben. Clubbetreiber*innen, Booker*innen, Künstler*innen und viele weitere Akteur*innen der Clubkultur wissen nicht, wann sie wieder ihren gewohnten Tätigkeiten nachgehen können, wechseln ihre Jobs und sind verzweifelt.

Gegenüber der Deutschen Presseagentur erklärte die Vorsitzende der Berliner Clubcommission, Pamela Schobeß, dass Clubs wohl erst wieder Ende 2022 in den Normalbetrieb gehen können. Diese Aussage sorgte in den Medien für viel Wirbel. Wir haben mit dem Pressesprecher der Clubcommission, Lutz Leichsenring, gesprochen und uns nochmal genau nach der Zukunft der Clubkultur erkundigt.


Ist das Statement von Pamela Schobeß die offizielle Haltung der Clubcommission? Wenn ja, warum genau Ende 2022? Falls nein, wie seht ihr das?

Wir sehen das ähnlich. Es ist für alle Clubbetreiber*innen, internationale Booker*innen und weitere Personen, die abhängig vom internationalen Tourismus sind, total nachvollziehbar, dass es noch lange dauern wird. Dabei geht es nicht darum, wann die Corona-Maßnahmen fallen, das wird wohl voraussichtlich noch dieses Jahr stattfinden, sondern wie lange man noch braucht, bis man auf dem Level ist, dass man ohne fremde Hilfe und Zuschüsse agieren kann. Wir wissen, dass ca. ein Drittel der Clubbesucher*innen nicht aus Berlin kommt, und es sind momentan kaum bis gar keine Tourist*innen in der Stadt. Alle Clubs, die mit international reisenden Künstler*innen auf Tour arbeiten, können nicht wirklich planen. So eine Tour ist nicht in nur zwei Tagen erledigt, da steckt monatelange Vorarbeit drin. Dann muss man, wenn es bei uns langsam wieder losgeht, auch schauen, wie es in anderen Ländern in Europa aussieht. Was ist, wenn der*die Künstler*in aus Asien kommt und so weiter. Da kommen viele neue Fragestellungen auf.

Wie viele Clubs werden diese Krise eurer Meinung überhaupt bis 2022 überstehen? Reichen die staatlichen Hilfen bis dahin aus?

Das hängt alles miteinander zusammen. Wie kann man die Übergangsphasen gestalten? Wie lange gibt es noch Hilfsprogramme vom Staat und wer profitiert von diesen Hilfsprogrammen? In welcher Höhe sind die Mittel verfügbar? Dann geht es auch darum, ob die Clubs ihre Mietverträge halten können. Wenn diese zwischendurch aus Liquiditätsengpässen heraus zwei Monate lang keine Mieten bezahlen, dann kann man jederzeit gekündigt werden. Der aktuelle Stand ist, dass wir keinen bekannten oder unbekannteren Club haben, der schließen musste. Es gibt Gerüchte, dass manchem Club gekündigt wurde, aber dazu gibt es noch keine offiziellen Informationen. Das ist genau wie im letzten Jahr. Wir schauen immer im Rhythmus von zwei bis drei Monaten voraus. Welche Hilfsprogramme gibt es aktuell? Haben wir alle Clubs an Bord? 

Was genau fordert die Clubcommission von der Politik, aber auch von der Gesellschaft, um die Clubkultur in dieser Krise noch besser zu unterstützen?

Eine unserer Kernforderungen ist, dass wir anfangen sollten, flächendeckend Schnelltests anzubieten, die überall und günstig verfügbar sind. Denn nur wenn ich weiß, ob ich infektiös bin oder nicht, kann ich selbstbestimmte Entscheidungen treffen. Momentan ist es so, dass man das einfach nicht weiß und damit andere Leute in Gefahr bringt, sobald man sich in größeren Gruppen trifft. Wir wissen auch, dass viele Infektionen Zuhause im privaten Umfeld, auf der Arbeit oder in Pflegeheimen stattfinden, jetzt, wo alle Clubs und der Gastronomiebereich zu sind. Je mehr man überall testet, desto mehr kann man eine weitere Ausbreitung verhindern. Das ist eine ganz klare Forderung, das Testing auch in Clubs anzubieten, so wie es im KitKat Club schon durchgeführt worden ist, damit das im Sicherheitskonzept einer Veranstaltung mit eingeplant werden kann.

Was erwartet ihr euch im Frühjahr und im Sommer? Was sollte anders gemacht werden?

Wir müssen es hinbekommen, dass Außen-Veranstaltungen in den nächsten Monaten unkompliziert genehmigt werden. Dazu muss die Verwaltung ihren Ermessensspielraum voll nutzen und die verantwortlichen Politiker*innen ihr dabei den Rücken stärken. Da müssen wir das Maximum rausholen, weil das jetzt eine Übergangsphase wird, und da muss es auch von Seiten der Anwohner*innen und anderen Beteiligten ein gewisses Verständnis geben.

Jetzt, nachdem die Stadt ein halbes Jahr lang oder länger in totaler Stille verbracht hat, muss man eher entsprechende Einschränkungen in Kauf nehmen. Das hat sich im Sommer auch schon gezeigt, als es kaum zu Infektionen gekommen ist. Wir haben die große Hoffnung, dass wir das in diesem Jahr noch besser machen können.

Gibt es Ideen und Vorschläge, wie in Verbindung mit Impfungen der Übergang zum normalen Clubbetrieb wieder aufgenommen werden kann?

Das ist so eine Sache, die wieder länger als in unserem Fenster von zwei bis drei Monaten liegt. Es gibt natürlich viele Studien und Ideen, wie man auch Innenräume sicher gestalten kann. Das Wichtigste aber ist, dass bis dahin das Testing überall verfügbar ist und die Impfungen zunehmen, sodass man wieder sichere Veranstaltungen durchführen kann.