Finn Johannsen & DJ Pete – Live at Power House (Paloma Bar)

Finn Johannsen und DJ Pete Mix Paloma Bar

2020, what a year. Wir hoffen alle, dass mit dem Jahreswechsel der Spuk endlich ein Ende hat, doch wir wissen ziemlich genau, dass wir noch lange nicht über den Berg sind. Niemand vermag zu sagen, wann wir die Pandemie im Griff haben werden um ein neues Normal zu kreieren. Aber was ist schon Normal?

Eine gefühlte Ewigkeit ist es her, dass man sich eher um den Kater am Dienstag sorgen gemacht hat als darüber, sich bei seinem tanzenden Nachbarn mit Covid-19 anzustecken. Und selbst diese Sorge bleibt uns aktuell verwehrt. Finn Johannsen und DJ Pete halten in ihrer kürzlich veröffentlichten Live-Aufnahme von 2018 dieses akustische Andenken hoch. Die beiden Routiniers und Vollblut-Selectoren zeichnen sich durch ihre grenzenlose Plattensammlung aus – und die daraus resultierenden, vielseitigen Sets. Von House über Techno, von Dub bis Soul. Seit weit über 20 Jahren beschäftigen sich beide Künstler mit allem, was tanzbar ist oder auch nur eine angenehme Atmosphäre kreiert. Ob bei ihrer Tätigkeit im Hard Wax, als Booker in der Paloma Bar oder Mitglied der Wax-Treatment-Crew.

Dieses in drei Stücke aufgeteilte, sechsstündige Souvenir entstand im Sommer 2018 bei der zweimonatlich stattfindenden Powerhouse-Nacht der Paloma Bar. Johannsen und Pete bespielten diese mit wechselnden Gast-DJs und musikalischen Themenabenden. Philipp Thull

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Il Quadro di Troisi (Eva Geist + Donato Dozzy) – Beats in Space #1072

Il Quadro di Troisi – Beats in Space

Wohl keine andere Sprache klingt so inbrünstig als auch leidenschaftlich wie das Italienische. Und paart sich ungeheuerlich gut mit 80s-Synth-Pop und Disco. Das stellen Il Quadro di Troisi mit ihrem Beats-In-Space-Mix unter Beweis. Für diesen haben Andrea Noce alias Eva Geist und Donato Scaramuzzi alias Donato Dozzy eine Auswahl ihrer liebsten italienischen Songs aus den 80ern kuratiert. Sei diesem Jahr kollaborieren sie zusammen als Il Quadro di Troisi und veröffentlichten im November diesen Jahres ihr gleichnamiges Debütalbum.

Ein bisschen Dream Pop, ein bisschen Space Disco und ordentlich 80s-Groove vermischen sich in ihrem Mix mit italienischem Säuseln. Funkige Beats und wabernde Synths sind der Kleber, der den Mix zusammenhält. Doch die unterschiedlichen Gesangseinlagen sind der eigentliche Genuss. Cantautori wie Lucio Battisti reihen sich an Marcella Bella oder Mike Francis. Stets mit ausladenden Stimmen und etwas Vibrato kann man nicht anders, als sich die Stimmung von Il Quadro di Triosi aufhellen zu lassen. In diesem Winter, in dem der graue Himmel und Social Distancing wenig Trost oder gar Wärme spenden, bringt der Mix sonnengetränkte Urlaubsstimmung ins Wohnzimmer. Oder in die Küche, da schmeckt die hundertste Fertigpizza im Lockdown gleich viel besser. Louisa Neitz

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livwutang – Truancy Volume 271

livwutang – Truancy

livwutang benutzt das Prädikat overarchingly gerne. Dementsprechend umspannen ihre Mixe diverse Genres. Ihre 70 Minuten für den mustergültig kuratierten Blog Truants, der jede Ausgabe mit ausführlichen Interviews unterfüttert, teilen sich grob in drei Segmente auf. Anfangs erklingt sphärischer House der Olivia Klutses, so livwutangs bürgerlicher Name, Spaziergänge im winterlich-unbeständigen Seattle komplementiert. Teil zwei besteht aus Vocal-lastigem, phasenweise gebrochenem Dance-Pop und betulichem Vocoder-Electro. Nach etwa 50 Minuten setzen Trillerpfeifen zartestmögliche Rave-Signale und leiten den Part ein, der die beiden vorangegangenen mischt und eine Spur intensiviert.

Stets bleibt livwutangs Mix aber auf kunstvolle Art introvertiert, dass er als „friendly, but non-linear companion for the listener in these lonely times” konzipiert ist, verdeutlicht jeder Track. So bleibt ein gewinnbringender sonischer Rundumschlag, der nicht nur in Seattle funktioniert, sondern rund um den Globus von den Wirren der Pandemie ablenkt. Maximilian Fritz

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Luigi Di Venere – Rawmantique004

Luigi di Venere – Rawmantique

Der gebürtige Italiener Luigi Di Venere ist seit langem ein fester Bestandteil der Berliner Queer-Party-Szene. Ob als Resident der legendären CockTail d’Amore, regelmäßiger Selector im Lab.Oratory oder Initiator von Maximum Joy im Sameheads: Venere mischt überall ein bisschen mit.

Während in Berlin Queers große Freiräume genießen und unzählige blühende Veranstaltungen aus dem Boden stampfen, muss man in anderen Städten ein wenig genauer hinschauen, um fündig zu werden. Ein Beispiel ist Rawmantique, eine neue sexpositive Party mit Kollektiv aus Dresden, die für ihre Events auch gerne Künstler*innen bekannter Queer-Institutionen wie Pornceptual oder Trash Era einladen. Di Venere liefert den vierten Beitrag ihrer gleichnamigen Podcast-Serie.

Der Mix ist 62 Minuten Hi-NRG pur. Von Disco Cuts über trippigen Techno bis zu Ghetto-artigen Breakbeat-Tracks nimmt Venere alles mit, was gute Laune und Extase verheißen mag. Obwohl der Mix sich auf kein bestimmtes Genre festlegt, klingt es, als wäre jeder Track genau dort platziert, wo er hingehört. Wohl überlegt und aufeinander abgestimmt navigiert Venere die Hörer*innen durch ein Spektrum von Musik, das als roten Faden sich immer an einem Touch 80er Jahre orientiert: Kantige Snare-Drums, knackige Claps und cheesy Electro-Synth-Melodien. Zusammengefügt zu einem Ganze durch sein extrem weiches Mixing mit kaum spürbaren Übergangen, macht der Mix einfach Spaß. Und neben Überbleibseln von Italo-Disco-Fragmenten im Ohr lässt der Mix mit der sagenumwobenen Frage „When is the next CockTail?” zurück. Jan Goldmann

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Mary Lake – Dekmantel Podcast 310

Mary Lake – Dekmantel Podcast 310

Mary Lake ist in Frankreich, Algerien sowie den Niederlanden aufgewachsen, hat also eine breite Mischung an Musik erlebt und kennengelernt. In den letzten Jahren hat sie diese Erfahrung zu ihren eigenen oft frenetischen Rhythmen geformt, immer mit einem Faible fürs Experiment, dabei aber nie die Aufmerksamkeit der Tanzfläche verlierend.

Sie begann ihre DJ-Karriere in der Londoner Underground-Szene und wurde schnell zu einem bekannten Gesicht in Amsterdam, als sie 2017 bei Events wie Dekmantel und dem Lowlands auflegte. Seit ihrer ersten NTS-Show Worshipping Discordia, in der sie zum ersten Mal ihre unverwechselbaren Kollisionen von Electronica, Folk und global beeinflussten Klängen präsentierte, ist sie zu einem festen Bestandteil in Clubs in ganz Europa, Australien und darüber hinaus geworden.

Lakes ausgeprägter Sinn für Rhythmus ist das Herzstück des Mixes für die Dekmantel-Podcast-Reihe . Die oft zurückgenommenen Tracks, die sie nahtlos zusammenfügt, besitzen ein so elektrisierendes Drum-Programming, dass nur wenig anderes nötig ist. Abwechslungsreiche Electro-Beats und kalte, zackige Hi-Hats bauen das Gerüst für außerordentliche Bässe, bleepy Synth-Shots und hypnotische Melodien. Alles baut sauber aufeinander auf, am liebsten möchte man nach jedem Track die Lautstärke erhöhen. Absoluter Höhepunkt ist das Closing mit Image Mans „Else”, das „Maybe Tomorrow” der Jackson Five samplet.

Ob sie auf gummiartigen Loops auf- und abreitet, über geschäftige Polyrhythmen skatet oder tief in geradlinige und minimale Cuts eintaucht – das ist pure, verführerische Body Music, die zu jeder Zeit die Kontrolle behält. Simon Geiger

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