Jeden Tag werden DJ-Mixe ins Netz geladen. Manche sind besser, manche sind schlechter und nur wenige werden uns jahrelang begleiten. Jeden Monat sucht die GROOVE-Redaktion die fünf besten Mixe des vorangegangenen Monats aus, präsentiert in alphabetischer Reihenfolge. Diesen Monat mit CeekayIn2u, Danny L Harle, Finn Johannsen, Patrick Holland und Red Greg. Und wer danach noch nicht genug hat, schaut einfach mal beim GROOVE-Podcast vorbei.

CeekayIn2u – United We Stream #65 – Groove (ARTE Concert)

Man soll sich ja nicht selber loben, aber das Line-up, das wir für unseren GROOVE-Take-Over von United We Stream am 17. Juni zusammengestellt haben, konnte sich durchaus sehen lassen: Dasha Rush, Shed, Nick Höppner, Maayan Nidam aka Laverne Radix und nicht zuletzt CeekayIn2u brachten unsere Redaktionsräume ordentlich zum grooven und für fünf kurze Stunde zumindest ein bisschen Clubatmosphäre zurück. Auch wenn es jede*r andere DJ mehr als verdient hätte, sei an dieser Stelle besonders der Closing-Mix von CeekayIn2u herausgegriffen, da dieser zeitgeistiger nicht sein könnte. Die aus Tallinn stammende Künstlerin ist eines der Gründungsmitglieder des feministischen Berliner Kollektivs No Shade, die sich mit DJ-Workshops und eigenen Partyreihen für mehr Diversität in der Clubszene engagieren. CeekayIn2u ist zudem aktives Mitglied der European Ballroom Community und gibt selbst Voguing-Kurse. Logisch also, dass sie ihren Mix eindeutig dem Dancefloor widmet. Doch zunächst lässt sie Tupac Shakur zu Wort kommen und schenkt der 1996 erschossenen Rap-Ikone von ihrem einstündigen Mix immerhin über vier Minuten. Ein Statement – prangert 2Pac in den Interviewsamples doch Rassismus, die Ausbeutung der Menschen im Ghetto, die ungerechte Verteilung von Wohlstand an und erwähnt sogar die „Gimme Gimme Gimme”-Mentalität Donald Trumps. Von Moor Mothers „After Images” geht die Reise von dort über einen Ballroom-Mash-Up von Soul II Souls „Back To Live” hin zu Ghetto-Rap von Boosie Badazz und der Rave-Hymne „It’s A Fine Day” von Opus III – natürlich auch in einem basslastigen Voguing-Mix. Zum krönenden Abschluss bringt CeekayIn2u ihr hochenergetisches Set mit Kendrick Lamars „Money Trees”, in das sie die Rede der Aktivistin Tamika Mallory zum Mord an George Floyd hineinmischt – besser kann man es nicht machen! Laura Aha

Danny L Harle – DLH @ Garden Square (Danny L Harle)

Wer lange dasselbe hörte und vielleicht mal was anderes braucht, findet hier neuen Input. Der britische Komponist und junge Vater Daniel Eisner Harle alias Danny L Harle stellt die Alltagswelt mit seinem Euphoric-Chant-Mini-Mix auf den Kopf. „Can you say this is Danny L Harle?” fragt eine verzerrte Stimme. Die Antwort kommt prompt: „Yes My Lord!” Ab dann überschlagen sich die kitschigsten Trance-Breaks und Speedcore-Kickdrums. Dieser Mix ist vermutlich für Hartgesottene und Liebhaber*innen von bewusster musikalischer Übertreibung. Bei den Übergängen entscheidet sich der 30-jährige Danny L Harle entweder zum Einschub des Vocal-Clips „Hi, this is Danny L Harle. I’m sorry I have to stop that song”, oder er lässt die Tracks Mash-up-artig ineinander übergehen. Eine Slow-Version von O-Zones Hit „Dragostea Din Tei” darf natürlich auch nicht fehlen. Nach den elf Minuten kann man sich dann getrost auch mal wieder anderem zuwenden. Julian Eichelberger 

Finn Johannsen – On Board 5 Ans Takeover (Rinse FM)

Am 12. Juni sendete Rinse FM ein On-Board-Takeover zur Feier des fünfjährigen Geburtstags der Agentur live aus der Paloma. Und wenn das Ganze schon in dem kleinen Club am Kottbusser Tor stattfindet, darf der Impressario des Hauses natürlich nicht fehlen. Ebenjener Finn Johannsen ist immer für eine Überraschung gut. Seine Vinyl-Only-Sets sprechen für sich. Paloma-Booker Tom mutmaßte einmal sogar, Finn besäße überhaupt keinen USB-Stick. Manch anderer DJ mag trotz abertausend Tracks auf seiner Rekordbox auf ein oder zwei Genres festgefahren sein. Bei Finns Plattenselektion ist das nicht der Fall. Zu jedem Anlass hat er die richtige Auswahl am Start. Für seine Veranstaltungsreihe Power House in seiner Homebase legt er den Fokus jeder einzelnen Party auf ein spezifisches Subgenre innerhalb der (meist) elektronischen Tanzmusik. In diesem On-Board-Takeover-Mix serviert er Afterhour-Vibes vom Allerfeinsten – ganz nach dem Motto „Fenster auf – Sonne rein”. Hier treffen House und Disco auf R’n’B-Grooves mit einer gehörigen Prise Funk. Das alles hat so viel Soul, dass dieser Mix an Lässigkeit wohl kaum zu überbieten ist. Wer Bock hat auf Sommerstimmung mit offenen Hawaii-Hemden und schiefer Sonnenbrille, sollte diese Stunde keinesfalls überhören. Jonas Hellberg

Patrick Holland – 09 June 2020 (RinseFM)

Patrick Holland, ehedem als Project Pablo bekannt, hat eine monatliche Radioshow auf RinseFM, in die sich stets reinzuhören lohnt. In der Regel folgt sie einem weitestgehend klassischen Muster. Das heißt: Am Anfang war der Ambient, dem englische Musikjournalist*innen in dieser Folge zwangsläufig mit dem Prädikat soothing zu Leibe rücken würden. Sanfte Naturgeräusche, vereinzelte Drones und pure Piano-Stücke bilden die Brücke für pop- und songstrukturaffine Teile, die teils in relativ klassischen Indie münden. Passt zu Holland, der sich musikalisch nicht nur dem entspannten House seines Vorgänger-Alias verschreibt, sondern sich im Zuge des Wechsels zum Klarnamen stilistisch breiter aufstellt. Remixe für Indiebands wie TOPS stehen fortan wohl öfter an der Tagesordnung, der Kanadier taucht seinen zweistündigen Slot gekonnt in betuliche Pastellfarben. Stellenweise erinnert das an vereinzelte Ausgaben der Reihe Cooking With Palms Trax auf dem Anfang 2019 eingestellten Berlin Community Radio. Perfekt für die Liegewiese oder das Freibad, meist am Zahn der Zeit und schlussendlich doch nie ganz ohne elektronische Klänge auskommend. Als DJ-Mix im tanzbaren Sinne funktioniert das keineswegs, als Radioshow im Listening-Sinne dafür umso besser. Insbesondere, wenn im letzten Drittel noch Reggae und Soul ihren Weg in die Tracklist finden. Maximilian Fritz

Force Majeure 04 – Red Greg (JAW Family)

Eine Stunde und 18 Sekunden zum Durch- und Aufatmen beschert Red Greg mit seinem Disco-Soul-Mix für die Force Majeur-Serie der J.A.W Family. Diese Reihe wurde ins Leben gerufen, um tanzbare Musik über die Grenzen der Quarantäne hinweg zu tragen. Als Veteran der Londoner Szene ist Red Greg seit 1985 als DJ aktiv. Aktuell ist der Ost-Londoner Teil der J.A.W Family, einem Berliner Kollektiv, das House mit all seinen Variationen wie Jazz, Gospel, Soul oder Hip Hop repräsentieren will. Mit geschmeidiger Sorglosigkeit führt Red Greg durch seinen Mix von jazzigem Disco-Boogie bis hin zu Electro Soul. Zwischen leichten, tänzelnden Sonnenschein-Melodien blitzen kraftvolle Saxophon-Soli, soulige Gesangsparts und hier und da eine Querflöte auf. Zu Beginn noch spielerisch funky gewinnt der Mix bis zum Ende hin an Kraft, Geschwindigkeit und Bass. Wie ein grooviger Spaziergang durch Red Gregs extensive Plattensammlung klingt die vierte Ausgabe der Force-Majeure-Serie, die bereits seit Mai mit Disco besticht. Louisa Neitz