Rrose (Foto: Presse) Click here for the english version of the interview Rrose gilt als einer der einflussreichsten elektronischen Musiker der USA – innerhalb wie außerhalb der Clubmusik. Bevor er sich in den 2010ern als Rrose einen neuen Alias zulegte, veröffentlichte Seth Horvitz als Sutekh. Wie Kit Clayton oder Silent Servant ist er ein Kind der überbordend kreativen San Francisco-Bay Area-Szene der 1990er.  Im Vergleich zu früheren Techno-Generationen näherten sich Horvitz und sein Umfeld der elektronischen Tanzmusik vergleichsweise reflektiert und intellektuell. Man wollte den neonfarbenen Ballast der Raves der Neunziger abwerfen und mit den neuen technischen Möglichkeit Techno nochmal strenger denken, um die Lebendigkeit der Musik neu zu entfesseln.  Mit der neuartigen Software Max/MSP erschuf Horwitz als Sutekh einen taumelnden, vielschichtigen Clubsound, dynamischer und flüchtiger als alles Bisherige. In den frühen Nullerjahren kehrte Horvitz der Tanzmusik für ein paar Jahre den Rücken, um mit Werken klassischer und moderner Komponisten wie György Ligeti, Conlon Nancarrow oder Johann Sebastian Bach akademische Wege zu beschreiten. Mit der Rückkehr in die Clubszene unter dem neuen Pseudonym Rrose verschmolz er seine Musik mit einem Geschlechtergrenzen auflösenden Performance-Akt, inspiriert von Marcel Duchamp. Im E-Mail-Interview erkundigt Chefredakteur Alexis Waltz sich nach seinem gleichzeitigem Interesse an klassischer Musik und Techno, den Ideen hinter der Rrose-Persona und seiner Techno-Sozialisation im San Francisco der 90er-Jahre, in dem er als Künstler Fuß fasste. Im November 2019 hast du dein erstes Rrose-Album veröffentlicht, das keine Kollaboration ist. Warum gerade jetzt? Was konntest du auf dem Album machen, was auf den EPs nicht möglich war? Rrose: Ich habe an diesem Album über mehrere Jahre mit Unterbrechungen gearbeitet. Ich habe es dabei immer wieder über den Haufen geworden, habe Tracks heruntergenommen, neue hinzugefügt, daran gezweifelt, ob es gut genug ist. Um endlich zu akzeptieren, dass es fertig war, mussten mir enge Freunde ein paar Schubser geben. Für mich muss ein Album in sich geschlossen sein, ein bisschen wie eine symbiotische Einheit, wo alle Teile irgendwie miteinander sprechen. Ich versuche, das auf einem Mikro-Level mit jedem neuen Track umzusetzen, aber bei einem kompletten Album ist das eine viel größere Herausforderung. Ich bin von den Anfängen und Enden meiner Tracks und von den Übergängen besessen. Ich versuche den Ideen und Techniken treu zu bleiben, die ich in früheren Veröffentlichungen erkundet habe, und diese gleichzeitig zu verfeinern und Neues anzudeuten. Das ist ein empfindliches Gleichgewicht, eine schwierige Gratwanderung. Du hast mit Avantgarde-Musikern des 20. Jahrhunderts wie Charlemagne Palestine kollaboriert und Kompositionen von James Tenney aufgenommen. Gleichzeitig produzierst du schnörkellosen Techno, der in DJ-Sets passt, den man feiern kann, ohne deine übrige Arbeit zu kennen. Wie stehen diese beiden Welten in Beziehung? Eine ungestörte Konzentration und ein Augenmerk für die Körperlichkeit von Klang sind Motive, die sich sowohl durch meine Technomusik, als auch meine Kollaborationen und Interpretationen ziehen. Tenney und Palestine sind total unterschiedliche Komponisten, aber beide schätzen Geduld und subatomische Soundelemente, Obertöne und harmonische Tonreihen. Diese Ehrfurcht teile ich und versuche sie in meinen Techno einzuarbeiten. Rrose. Foto: Presse. „Ehrlich gesagt dachte ich, ich wäre mit Techno durch und würde mich anderen Bereichen widmen.” Die Titel deiner EPs und Tracks wie Merchant Of Salt, Artificial Light (1969-1909) or „A, With All Faces Bleached Out” suggerieren eine Art Narrativ, das der Musik zugrunde liegt. Wie wählst du sie aus?  Manche Titel beziehen sich auf Marcel Duchamp oder andere […]

Ab hier geht´s nur mit Abo weiter!

Die GROOVE berichtet seit 1989 über elektronische Musik und Clubkultur. Damit könnte es schon bald vorbei sein, denn auch wir haben als Online-Medium zu kämpfen. Es liegt an dir: Mach’ aus Existenzkampf Zukunftslust und hilf mit, unabhängigem Musikjournalismus eine Perspektive zu geben – und hol’ dir damit massenhaft exklusive Inhalte.

Vorheriger ArtikelRrose: Mini-epiphanies on a weekly basis
Nächster ArtikelGroove DJ-Charts mit Nazira, Phillip Jondo, Ryan Elliott und Pauls Musique