5. Makaton – Immaculata (Voitax)

Der Producer Makaton gilt als einer der prägenden Stimmen des Birmingham Techno und ist seit der Jahrtausendwende im Geschäft. Böse Zungen werden behaupten, dass man das seiner Immaculata-EP auf Voitax stellenweise definitiv anhört. Der Opener „Dreaming While The Cities Burn“ klingt beispielsweise wie verbogener Tech-House mit Samples aus dem Anthony Rother-Gedächtnis-Vocoder. Anders verhält es sich dagegen mit „She Hunts“, das mit einnehmenden Loops und plätschernden Akkorden über eine große Portion Retro-Charme verfügt. „Before My Eyes“ rödelt anschließend in gnadenloser Alan Fitzpatrick-Manier über die Trommelfelle, auf „Dive“ taucht der Brite zum Abschluss in noisigen, verzerrten Ambient ab. (Maximilian Fritz)

4. Simo Cell – 5 Party Mix (Brothers From Different Mothers)

Simo Cell lebt laut Soundcloud-Ortsmarke zwar aus Paris und ist wohl im französischen Nantes aufgewachsen, seine Musik aber kommt direkt aus Bristol. Dort hat er schon bei etwa Livity Sound und Wisdom Teeth veröffentlicht um gar zu sagen seine Karriere begonnen. Seit letztem Jahr ist er allerdings auch für das regional näher liegende Label Brothers From Different Mothers unterwegs und legt mit 5 Party Mix eine EP ab, die alle drei Versprechen aus dem Titel einlöst: Fünf Stücke, die in einem Guss vor allem Laune machen. Der Ansatz variiert bei um die 90bpm zwischen Dubstep-Brachialität, Techno-Understatement und der versierten rhythmischen Synthese aus Groove und Minimalismus, wie sie etwa aus dem Gqom oder neueren Cumbia-Derivaten bekannt ist. Musik also, die damals bei einer Sub:stance-Party genauso gut aufgehoben wäre wie heute bei einer Janus-Nacht oder eben doch in den Sets von wagemutigen Techno-DJs mit EBM-Faible. Das soll erstmal jemand schaffen. (Kristoffer Cornils)

3. Studio Mule – Face To Face (Studio Mule)

Klar: Die Vocals, die Dip In The Pool-Mitglied Miyako Koda zu Studio Mules „Face To Face“ beisteuert, bleiben für den europäischen Hörer zu größten Teilen unergründlich. Allerdings kreieren sie in Verbindung mit der wunderbar kitschigen Instrumentierung einen ganzen Katalog an Bildern von Tokyoter Leuchtreklamen und 80er-Trivia vor dem geistigen Auge. Im Gegensatz zu den letzten Kollaborationen des Projekts rund um Kuniyuki Takahashi, dem tanzbaren und Disco-affinen „Carnaval“ sowie eine Neubearbeitung von Mariahs „Shinzo no Tobira“, wenden sich Extended Edit und Ambient-Version von „Face to Face“ verträumtem City Pop zu. Die Percussion auf ersterem bleibt jedoch dezent, sodass Kodas Stimme Raum zur Entfaltung bekommt und die Fassungen nahe beieinander liegen. Das fällt aber kaum ins Gewicht, schließlich klingen beide hervorragend. (Maximilian Fritz)

2. Kryptic Universe & Anaxy – Ten (Lockertmatik)

Wenn Leipzig das neue Berlin ist, was wäre dann Dresden? Schwierige Frage, einfache Antwort: Solange Stephan Schindler und Thomas Eckhardt noch ihr Ding machen, ist Dresden eine transatlantische Trabantenstadt von Detroit. Für das zehnte Label ihres Lockertmatik-Labels tun sich die beiden als Kryptic Universe & Anaxy für vier Tracks und einen amüsanten Bonustrack zusammen, auf dem buchstäblich Geräuschbingo gespielt wird. Die vier hauptsächlichen Stücke wollen ebenso spielen, das nur auf dem Dancefloor bei 105dB aufwärts. Von der kratzigen Kick von „Lock 10.1“ über das fast schon verträumte miteinander von String-Elementen und kullernden Sequenzen hin zu den fast schon wieder Richtung Birmingham deutenden Loops von „Lock 10.3“ und der brodelnden Dark Ambient-Zugabe „Lock 10.4“ wird hier durchgängig alles richtig gemacht, ohne dass sonderlich viel Anstrengung dahinter zu hören ist. Das kann, darf und soll Techno – in Dresden, in Detroit und überall. (Kristoffer Cornils)

1. Pépé Bradock – Ata 019 (Atavisme)

Pépé Bradock kann offenbar gar nicht anders, als ausschließlich hochwertigen House zu produzieren. Irgendwie schade, dass sein Überhit von 1999, die Deep House-Blaupause „Deep Burnt“, den rundum gelungenen restlichen Output immer wieder in den Schatten stellt. Auf seinem jüngsten Atavisme-Release bewegt sich der französische Veteran auf bekanntem Terrain, bleibt dabei aber trotzdem wandlungsfähig. „Panique Manucure“ strotzt vor Detailversessenheit, auch auf dem bemerkenswert kurzen „Furious Yogi“ schieben sich atonale Synthie-Lines unter den Beat. Die B-Seite wählt hingegen einen offensiveren Zugang zum Dancefloor und verändert den Vibe stark, wobei sich die Tracks nicht nur aufgrund der Bassline durchaus ähneln. „Romantic Dna“ gerät dabei noch eine Spur melodischer, „Ave Psychic“ entwickelt sich zu einem manischen Gewitter mit wilden Claps. (Maximilian Fritz)

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