5. Rune Bagge – No Tomorrow (Ownlife)

Dass Rune Bagge für Musik ohne humorige Zwischentöne steht, lässt sich bereits an den Namen seiner Tracks erkennen: „No Tomorrow“, „Bathing In Bleach“ oder „Fear“ zeugen von einer betont sinistren Stimmung, die sich gewissenhaft in jedem Stück der EP widerspiegelt. Dem Dänen ist dabei aber hoch anzurechnen, dass er sich von generischen Sounds weitestgehend befreit und treibende, teils euphorische Musik produziert, die nicht ausschließlich auf stockdunklen Floors funktioniert. Selbstverständlich liegt der Fokus klar auf Techno und die Kickdrum poltert auf jedem Track durch. Trotzdem gelingt es Bagge immer wieder, ansprechende Melodien einzuführen, die bei der Stange halten. (Maximilian Fritz)

4. Mr Raoul K – African Paradigm EP 1 (Compost)

Das breite, beinahe schon inflationär bestellte Feld des Afro House erweitert sich um zwei weitere Beiträge des seit Anfang der neunziger Jahre in Deutschland lebenden Ivorers Mr Raoul K, der dem Subgenre glücklicherweise eine weitere Portion Facettenreichtum abtrotzt. „Tamale“ und „African Paradigm“ im Kaito-Remix unterscheiden sich hinsichtlich Atmosphäre und Vibe nämlich stark. Ersteres, eine Kollaboration mit Rancido, bleibt durchweg düster, setzt auf ein Peaktime-orientiertes Build-up und arbeitet mit Vocals von Sona Diabaté. Soundästhetisch verwundert es da keineswegs, dass es der Track in Sets des ein oder anderen Diynamic-Mitglieds schafft. Die B-Seite wirkt dann konventioneller, geht mit ihren gelungenen Flächen, dem Einsatz verschiedener afrikanischer Instrumente und ihrer bewussten Zurückhaltung aber dennoch als Sieger hervor. Ein stimmungsvoller Vorgeschmack auf das kommende Album African Paradigm auf Compost. (Maximilian Fritz)

3. 214 – Exit 32 (Klakson)

Auf Exit 32 beweist 214 einmal mehr, dass er nach wie vor imstande ist, fesselnden Electro zu produzieren. Alle vier Tracks zeichnen sich durch eine hohe Affinität zu Breakbeats aus, strotzen vor scharfen Snares und weichen stellenweise auch vor Acid-Einschlägen („Pattern Rotate“) nicht zurück. Je greller die Klangfarben, desto mehr scheint der US-Amerikaner von ihnen angezogen. Während „Soapdish“ beispielsweise kompromisslos nach vorne prescht, verdient vor allem „Synthesizers Are Made Of Paper“ ein besonderes Lob. Hier kombiniert 214 hektische Drum-Patterns mit sphärischen Synthie-Flächen, woraus ein überaus gelungener, angenehmer Track resultiert. Dass sich alle vier Produktionen aber zuvorderst am Dancefloor orientieren, steht zweifelsohne fest. (Maximilian Fritz)

2. As Far As I Know – Chaotic Behaviour (Night Defined)

Der Spanier Eduardo de la Calle ist schon ein sonderbarer Typ, der bisweilen noch sonderbarere Musik macht. Als ausgewiesener Hardware-Fetischist, Genre-Kosmpolit und Eremit aus der Bergwelt seines Heimatlands läuft de la Calle immer ein wenig neben der Spur, weshalb seine Interpretationen von eigentlich festgefahrenen Konventionen besonders spannend sind. Mit der EP Chaotic Behaviour unter seinem neuen Pseudonym As Far A I Know für das österreichische Label Night Defined probiert er sich an Electro und reüssiert mit einem dankenswert unangestrengten Sound, der sich nicht an das (immer noch) grassierende Revival anbiedert. Am ehesten ist ein Track wie der Opener „Reality of the Unreal“ schließlich als kleinster gemeinsamer Nenner von The Other People Place und dem „Peace of Mind“-Claro Intelecto zu bestimmen, während „The MacAfee’s Gun“ mit seinem Synthie-Gequietsche das sonst so bierernste Genre mit etwas Humor unterläuft. Dass die beiden Tracks der B-Seite, eine davon eine Kollaboration mit Nathan Surreal, dagegen fast dezent ausfallen, bedeutet kaum einen Qualitätsabfall: Unter Weltklasse machen es diese vier Stücke nicht. (Kristoffer Cornils)

1. Cinthie – 803 Crystalgrooves 001 (Crystalgrooves)

Eigentlich hat Cinthie schon genug zu tun, aber eben auch Bock auf viel mehr. Neben ihrer Schirmherrschaft für gefühlt drölf Dutzend Labels unter dem Beste Modus-Banner hat sie soeben nicht nur mit Elevate einen neuen Plattenladen in Berlin, sondern auch gleich, na ja, das nächste Label aus der Taufe gehoben. Das wird bei der nächsten Steuererklärung etwas messy, zumindest das Konzept aber ist simpel: Auf Crystalgrooves wird es in Zukunft vor allem eigene Produktionen der Berlinerin zu hören geben – eben genau das, was aus dem neu eingerichteten Studio so rauskommt. Und das ist, mit einem Wort, massiv. Der Opener „Together“ auf der ersten Katalognummer 803 Crystalgrooves 001 trägt viel Disco in der Bassline während die Chords mit klammen Kiefern vom Summer of ’88 erzählen. Kristallklare Töne in der Tat, wegen Tunes wie diesem strengt sich die Sonne selbst im Oktober noch an. Dazu bietet „Ada Lovelace“ pumpenden Disco-Sample-House und „No Need to Worry“ verschiebt über einem slicken Rhythmus ein paar verschrobene Harmonien gegeneinander, damit auch die Lalaland-Crowd was davon hat. Bitte busy bleiben, Cinthie, wir können das bestens gebrauchen. (Kristoffer Cornils)

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