Video: WeTransfer/My Accomplice

Erst Anfang des Jahres ging es ein kurzes Instagram-Video durch die Welt, dessen Inhalt banaler nicht sein könnte. Zu sehen ist eine junge Frau, die in unterschiedlichen Outfits zu verschiedenen Songs tanzt. Aufmerksamkeit erregte der Clip weniger seines Inhalts wegen, sondern weil die darin abgebildete Maedeh Hojabri für die Veröffentlichung festgenommen wurde. Die Anklage: Verstoß gegen die Sittengesetze der Theokratie, in denen Frauen unter anderem Solo-Auftritte als Sängerinnen vor einem nicht exklusiv weiblichem Publikum verboten sind. Schon die Dokumentation Raving Iran hatte vor Kurzem über die Schwierigkeiten des künstlerischen Ausdrucks vor dem Hintergrund eines repressiven Systems berichtet, das strenge Zensurmaßnahmen gegenüber jeder als weltlich oder westlich verfemten Art von Musik vorbringt.

Die von WeTransfer in Auftrag gegebene und von der Produktionsfirma My Accomplice umgesetzte experimentelle Kurzdokumentation Sounds of Tehran nimmt nun das Schaffen der Deep House Tehran-Gründerin Nesa Azadikhah. Über knapp achteinhalb Minuten zeigt der Film Azadikhah bei der Suche nach Field Recordings, im Gespräch mit anderen und vor allem als Künstlerin, die ihre Umwelt primär über den Klang wahrnimmt. Zugleich aber äußert sie auch Kritik an der Sound Art-Szene ihrer Heimatstadt, die sie als dezidiert männerdominiert charakterisiert. Die Teheraner Musik-Community hatte in den vergangenen Jahren durch Projekte wie Border Movement oder das Festival SET, welches in diesem Jahr im Verbund mit dem Berliner CTM Festival stattfindet, immer mehr Aufmerksamkeit auf sich gezogen.

Sounds of Tehran wird im Verbund mit zwei Porträts der Fotografin Kiana Hayeri und der Installationskünstlerin Shirin Abedinirad, ebenfalls aus dem Iran, über die Anfang des Jahres gelaunchte Content-Plattform WePresent veröffentlicht. WePresent zielt in seiner Berichterstattung vor allem auf visuelle Künste, versammelt aber genauso multimediale Berichterstattung über und Kollaborationen mit Musiker*innen, darunter etwa Björk, Kelela und Kamasi Washington.


Video: WeTransfer presents Fiore & Bilic: Sounds of Tehran