5. Ivvy – Safe Within (Medical Records)

Das vor allem durch tadellose Reissues von Severed Heads und Alexander Robotnick bekannt gewordene Label Medical Records aus Seattle bietet nicht erst seit gestern auch aktueller Musik ein Zuhause. Auf deren Sublabel Transfusions glänzt Newcomer Ivvy. Der Produzent, bisher nur drei Kassetten veröffentlicht hat und höchstens wenigen Musik-Nerds bekannt sein dürfte, beeindruckt auf diesem Release mit berghaineskem Techno der Spitzenklasse. Der der Veröffentlichung auch ihren Namen gebenden Titel „Safe Within“ ist hierbei nicht mal der Stand-Out Track auf der Platte, jedoch mindestens ein solides Biest mit ordentlichem Knall.

„Big Rat“, welcher ebenfalls auf der A-Seite zu finden ist, dürfte vielen Zuhörenden den Kopf verdrehen – und das ist als großes Kompliment gemeint. Großartig sind auch die maschinengewehrartigen Trommelwirbel von „See Something“ in Kombination mit angerauten Hi-Hats und sphärischen Klängen. Für eine EP recht ungewöhnlich, jedoch eine durchaus willkommene Abwechslung, kommt das Beste zum Schluss. Auf B2 wirkt es fast so, als hätte Ivvy sich bei der Produktion komplett fallen lassen können und hieraus resultiert ein packend progressiver Track, der in vielen Techno-Sets zum Beispiel von Blawan eine gute Figur machen könnte. (Franziska Finkenstein)

4. Celldöd – KESS07 (Kess Kill)

Müsste man Celldöds Musik anhand der Labels beschreiben, die ihm bei Soundcloud folgen, würde man erstaunlich viele Gemeinsamkeiten zwischen dem eher unbekannten Stockholmer Produzenten und seinen bekannten Followers wie Mannequin, Pinkman oder Phormix finden. Sie alle neigen zu einer dystopisch-düsteren Form von Techno, die sich in harten Drums, Industrial-Elementen und Acid-Lines wiederfindet und sich gerne mit gespenstischen Vocals verbindet. Wir kennen sie beispielsweise von Beau Wanzer oder Parrish Smith.

Anders Karlsson, der nun unter Celldöd sein zweites Release auf Kess Kill herausbringt, ist dieser Riege an Produzenten zuzuordnen. Somit bietet die EP KESS07 zwar nichts absolut Neues – dafür bietet sie eine hörenswerte Mixtur aus rauen Synth-Lines („Flodvåg“), schaurigen Vocals („Alltid Vi“), Industrial-Beats und dem nötigen Wumms, der die noch kalten Wintertage ordentlich anheizt. (Franziska Finkenstein)

3. TV.Out – Further (L.I.E.S.)

Ori und Charly alias TV.Out, zwei Hardware-Geeks und Labelbosse von Parallax aus Tel Aviv, präsentieren auf dem renommierten L.I.E.S.-Label ihre neueste EP Further. Diese hätte genauso gut vor 20 Jahren auf Bunker Records ihr Zuhause finden können. Labelbetreiber Ron Morelli kategorisiert sie auf Soundcloud unter „Night Club“ – und der Name ist hier Programm.

Die Platte startet mit einem von Synth-Flächen geprägten Track, die zu dröhnenden Rave-Sirenen anschwellen. Dies in Verbindung mit treibenden Hi-Hats genügt auch schon, um die Zuhörenden in ihren Bann zu ziehen. Diese intelligent gestaltete Simplizität gehört zu ihren Kompetenzen als Produzenten. Bevor wir uns der ‚Galaxy‘ als B2 widmen, werfen wir einen Blick auf den „Moon“. Dort treffen trippy Sounds à la Silent Servant-meets-Function auf peitschende Snare-Drums. Seine konstant steigende Synth-Sequenz dürfte auf den meisten Tanzflächen für Ekstase und dem ein oder anderen Jubelschrei führen. Nur „Galaxy“ dient mehr als Füller denn als runder Abschluss einer davon abgesehen sehr gelungenen EP. (Franziska Finkenstein)

2. Achim Maerz & Benjamin Brunn – Metal & Machines (Wake Up!)

Der wunderbarste Nebenbei-und-doch-Mittendrin-House der jüngeren Zeit kam ohne Frage von Achim Maerz und Benjamin Brunn, weshalb ihre gemeinsame EP Metal & Machines in gleich doppelter Hinsicht zu begrüßen ist: Die vier Tracks bringen nicht nur zwei geistesverwandte Produzenten zusammen, sondern auch das von Brunn mit Mark Rhein gegründete Label Wake Up! nach einer rund halbjährigen Pause wieder an den Start. Den Hit des doppelten Doppelpacks streckt Maerz mit dem schwelgerischen “It’s Been A While” vor, bevor “Listening To Machines” eine wortwörtlich industrielle Melancholie auf die Tanzfläche überträgt. Dubbiger und enigmatischer gibt sich Brunns “Copper Iron Gold”, der mit dezenten Acid-Einwürfen und einem federnden Groove für viel Drive sorgt. Etwas langsamer geht es der programmatisch betitelte “Slow Info”-Remix an, den Maerz dem Brunn-Track “Express Mode” verpasst: Das 2015 auf dessen Drop-Album erschienene Original bekommt einen swingenden, zwingenden Beat untergeschoben. So gut klingen nur vereinte Kräfte. (Kristoffer Cornils)

1. Efdemin – DJ Koze & Terrence Dixon Versions (Curle Recordings)

Wenn DJ Koze mal wieder die Finger an einen Efdemin-Track legt, herrscht sowieso Kaufzwang und erst recht, wenn es um eine legendäre Nummer wie “Acid Bells” geht. Stefan Kozalla gibt Phillip Sollmanns Post-Berghain-Hymne mehr Wumms und betont in seinem Edit die zerfasernde Passage in dem Klassiker, der bis heute noch die perfekte Gratwanderung zwischen Fabrikhallencharme und dezenter Melancholie mit Bravour meistert. Kaum zu glauben, aber da ließ sich noch mehr Atmosphäre heraus destillieren.

Überraschender noch ist allerdings Terrence Dixons Remix von “America”, das erstmals vor zehn Jahr auf Sollmanns Carry On – Pretend We Are Not In The Room-Mix für Curle zu hören war – und zwar deshalb, weil sich das Detroiter Urgestein ungewohnt sanftmütig gibt. Ein wortloses Vocal-Sample schwirrt durch den Raum, weiche Percussions umspielen den hüpfenden Beat – dieser Track ist eher für die späte Stunde auf dem House-Floor reserviert. Ein brillantes Remix-Paket, das auf Efdemins kommende Mix-CD Naïf für das belgische Label einstimmt. (Kristoffer Cornils)

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