Wie haben die Kollegen damals reagiert, als du plötzlich durch den Hit nach Europa eingeladen wurdest?
Ron hat gleich gesagt: „Bitte nimm mich mit!“ Weißt du, ich habe bis heute nicht verstanden, warum Ron eigentlich nur eine Größe in Chicago geblieben ist. Frankie hatte viel Publicity, Ron nicht. Dabei war er für mich in Chicago größer als Frankie Knuckles. Ich hätte mich so gefreut, wenn er mal richtig Geld verdient hätte. Ich habe ihm damals immer Agenten besorgt. Sie haben ihn angerufen, doch er hat nie zurückgerufen. Stattdessen kam er zu mir und sagte: „Nimm mich doch einfach mit nach Europa!“ Heute sprechen viele ehrfürchtig von ihm, damals war das nicht so, da war Frankie vorne. Als wir 1987 die erste House-Music-Tour durch Großbritannien machten, wurde Frankie Knuckles als Headliner angekündigt. Er war aber gar nicht dabei. Man nutzte da schon einfach seinen Namen. Er selbst wollte gar nicht touren. Zu der Zeit wurde er ja gerade mit „Your Love“ groß. Eigentlich sollte der Song unter dem Namen des Sängers veröffentlicht werden. Der ist ja bekanntlich Jamie Principle. Aber Frankie hatte die Tapes einfach an Trax verkauft und die Maxi erschien als Frankie Knuckles. Jamie wurde nicht mal erwähnt. Frankie hat ja auch ein paar Jahre später „Move Your Body“ noch mal unter seinem Namen herausgebracht. Ich muss deshalb bis heute erklären, dass der Song von mir ist. Es war schon sehr zwielichtig, das Musikbusiness damals.

Warst du eigentlich zuerst Produzent oder DJ?
DJ. Ich lege seit 1981 auf. Erst 1984 habe ich mit dem Produzieren angefangen. Aber ich habe damals nur bei mir daheim aufgelegt. Ich war kein stadtbekannter DJ. Ich habe von Mitternacht bis morgens bei der Post gearbeitet, da kannst du nicht auflegen gehen. Mein Job war gut bezahlt und ich konnte in der Woche bis zu 200 Dollar für Platten ausgeben – das war mehr als jeder andere. Und das war toll. Ich habe über 80.000 Platten und kaufe bis heute. Chip E hat damals in dem Plattenladen gearbeitet, wo ich Kunde war. So haben wir uns schon kennengelernt, bevor wir Platten machten.

Und was hast du so aufgelegt?
Alles. Als House anfing, wurde jede Form von Dance Music gespielt. R’n’B, früher HipHop, europäischer Sound von Kraftwerk oder Visage, Philadelphia Disco. Alles in einer Nacht und jeder Song war anders. Das ist die Oldschool-DJ-Form. Es ging um Dynamik, nicht um perfekte Übergänge. Als ich anfing, habe ich in Chicago immer dem Hot Mix 5 DJ Team zugehört: Farley ”Jackmaster“ Funk, Ralphi Rosario, Kenny ”Jammin“ Jason, Mickey ”Mixin“ Oliver und Scott “Smokin” Silz — die Jungs spielten 50 Songs in einer Stunde. Die machten bei fast jedem Song einen Backspin oder setzten den Phaser ein. Das wollte ich auch können. Curtis McClain, der auf meinem Track „Move Your Body“ singt, hat mir diese Tricks beigebracht. Er war auch DJ und wir haben zusammen bei der Post gearbeitet. Wir haben tagsüber im Keller Tapes gemacht, die wir bei der Nachtschicht hörten. McClain war der beste DJ von uns. Er nannte sich Mini Mixing Mac. Und seine Mixe nannte er „Ugly Mixes“. Aber als er anfing zu singen, wollte er nicht, dass irgendwer weiß, dass er DJ ist. Vor allem, weil er als Sänger besser bei den Frauen ankam. Ich perfektionierte meine Technik drei Jahre lang. Dann hörte ich Ron Hardy erstmals in der Music Box. Er mixte nicht, seine Technik war schrecklich. Aber die Musik, die er spielte, war grandios. Und die Art, wie er mit dem Soundsystem in der Music Box spielte. Das hat mich umgehauen und ganz anders über das Auflegen denken lassen. Er war halt ein Charakter, ein exzellenter DJ in einem anderen Sinn. Es ging nicht so sehr um Technik, der Fokus lag nur auf der Musik. Auf den Songs.

War das auch dein Fokus, als du als A&R für Trax gearbeitet hast?
Ja klar. Ich muss aber sagen: Ich war nie offiziell der A&R von Trax. Darauf hat sich Larry Sherman nie eingelassen. Aber ich sorgte dafür, dass nicht nur Mist erschien. Ich denke noch heute, dass wir für ein, zwei Jahre das coolste Dancelabel der Welt waren. So 1986 und 1987.