Dass 50Weapons beziehungsweise Monkeytown diese unverschämt übertalentierten und umtriebigen Hänger-Dudes für viele weitere Singles und demnächst endlich ein erstes Album in die Familie aufnehmen durfte, ist ein wahnsinniges Glück, für beide Seiten. Bevor Gernot die Sache 2013 in der FJAAK-WG fix machte, waren die Jungs auch schon mit anderen hochkarätigen Labels in Kontakt – Warp, R&S, Hessle Audio, auch das hätte alles Sinn ergeben. Man spürt trotzdem, dass dieses Baby auf jeden Fall in Berlin bleiben musste. Man mag sich. Immer noch sind sie begeistert, wie locker und unkonventionell der Release dieser ersten Platte damals ablief und wie sich das Arbeitsverhältnis entwickelte: „Wir genießen seitdem auch eine andere Art von Anerkennung hier“, sagt Kevin. Egal was wir machen, die respektieren das.“


Video: FJAAKAgainst The Clock

Es ist echt keine Überraschung, dass FJAAK relativ schnell und überzeugend zum nächsten großen Ding geworden sind. Was sie ausmacht, sieht man wunderbar in der „Against The Clock“-Videorubrik des FACT Magazins, in der jeder Künstler innerhalb von zehn Minuten einen Track basteln soll. Da stellen sich die drei in ihrem alten Studio an die vielen Geräte, vom Modularsystem bis zum riesigen analogen Mischpult, und erwecken im Nullkommanix ein gnadenloses und vielschichtiges Dancefloor-Monster. Der Track kam bei späteren Live-Shows so gut an, dass er es sogar auf das im Januar erscheinende Album geschafft hat. So spielen sie, so entsteht die meiste Musik. „Wir wollten dieses Jam-Element auf jeden Fall auf dem Album haben“, sagt Aaron. „Man tastet sich an etwas ran, dabei entstehen Sounds und bald ein ganzes Konzept.“ Trotzdem geht das Album auch viele andere Wege: Zwei oldschoolige, sphärische Breakbeat-Stücke eröffnen die Platte und salutieren gleich heftig Richtung Modeselektor und Moderat.

Die Techno-Slammer kommen, garantiert, aber dazwischen ist auch schön Platz für gebrochene Beat-Spielchen und Ambient-Momente. So ungefähr konnte man das zwar erwarten, doch das soll dieses fantastisch umgesetzte Album nicht schlechter machen. So überzeugend kriegen das wenige hin, vor allem nicht beim ersten Versuch. „Wir sind ein Live-Act, das ist unser Kontext“, sagt Kevin dazu. „Obwohl wir noch relativ jung sind, haben wir schon über 200 Liveshows gespielt. Du lernst aus jeder Show etwas, das du später in Musik packen willst. Mit diesem Album wollten wir zum ersten Mal zeigen, was wir sonst so machen und können. Am Anfang haben wir uns sogar so weit von dem entfernt, was uns eigentlich ausmacht, dass wir erst wieder dahin zurückfinden mussten.“ „Irgendwann haben wir uns eingependelt“, ergänzt Felix. „Zu dritt ist das gar nicht so einfach, wie man denkt. So viele Einflüsse, so viele Meinungen. So viele Leute, denen es gefallen soll. Das ist aber cool, weil man auf so einen ganz großen Kompromiss hinarbeitet. Mich hat das total glücklich gemacht – uns muss es ja sowieso gefallen, und wenn es allen anderen auch noch gefällt, dann ist das super.“

„Wir haben uns schon wie die geilsten Typen auf der Welt gefühlt, als zehn Leute vor uns getanzt haben“ – Aaron Röbig

„Ein bisschen Ahnung“

Dieses selbstbetitelte Album ist eine Art endgültiger künstlerischer Ritterschlag für die drei. Endgültig angekommen, nach einem doch schon recht langen Weg. Und genau hier wollten sie hin. Es wirkt alles immer charmant verplant, wenn sie einen zutexten, total aufgeregt und überdreht, als wäre man im Kinderzimmer von drei Buben, die total ausrasten dabei, wenn sie jemandem ihre Spielsachen zeigen und erzählen dürfen, was heute alles in der Schule passiert ist. Das täuscht: Die wissen ganz genau, was sie tun und wollen und wovon sie reden. Und es ist unendlich inspirierend und ziemlich klug, was sie zu sagen haben. Wenn sie behaupten, damals mit 16 in Spandau schon an Tracks experimentiert zu haben, ohne wirklich zu wissen, welche Musik das eigentlich ist, dann glaubt man das. Aaron: „Wir hatten so ein bisschen Ahnung, aber eigentlich auch gar keine. Wir wussten ja damals nicht, dass es Clubs gibt, wo das auch gespielt wird. Dann wurde uns erzählt, das sei Tech-House. Tech-House, was soll das denn jetzt sein?“ Später kamen die Partys. Spandau ist wohl so schlimm, dass man gar nicht anders kann, als etwas Eigenes zu starten. Und relativ schnell war allen auch klar, dass das mit der Musik nicht bloß eine Ausrede dafür sein soll, dass man gerade die Schule verkackt. Früh hatte man ein Ziel vor Augen. Und das erreicht man auch, „wenn man so darauf aus ist wie wir“, sagt Felix. „Für uns gab es eigentlich keine Option, etwas anderes zu machen. Unsere Eltern waren zwar immer sehr liberal und offen, aber du musst dir selbst auch wirklich sehr sicher sein. Das war schon eine schwierige Hürde in unserem Alter. Wir hatten noch nicht mal Gigs in Spandau, da wussten wir schon: Alter, irgendwann kommen wir auch aus Deutschland raus! Und jetzt waren wir schon zweimal in China, auf den Philippinen, in Tel Aviv, überall.“