1944 wurde David Mancuso geboren, aufgewachsen ist er in Upstate New York, in einer Kleinstadt namens Utica. Mit 16 verließ er die Schule und zog zuhause aus. Zunächst verdingte er sich in seiner Heimatstadt als Schuhputzer. Nun, da er auf eigenen Füßen stand, konnte ihm niemand mehr verbieten, auf die andere Seite der Bahnlinie zu gehen. Drüben wohnten die Schwarzen und Latinos. Drüben lernte er die Musik von den Shirelles oder James Brown kennen und lieben. Nach New York City reiste er erstmals mit 17. Die Lebhaftigkeit und die Offenheit der Stadt beeindruckten ihn sehr. Sechs Wochen später, er war gerade 18 geworden, zog David Mancuso in die große Stadt. In den ersten Monaten lebte er bei einem Freund in der Bronx, doch schon bald konnte er sich eine eigene Wohnung in der Upper West Side von Manhattan leisten. 1965 bezog er sein erstes Loft am Broadway in der Nähe der Bleecker Street. In dieser Zeit hatte er als Inneneinrichter und Antiquitätenhändler bereits gutes Geld verdient. Das Loft, sonderlich viel Miete kostete es nicht, war riesig. Der Raum maß etwa 250 Quadratmeter, die Decken waren über vier Meter hoch. In direkter Umgebung waren fast ausschließlich Lagerhäuser und Fabriken. Nachbarn gab es kaum.

Die Räumlichkeiten waren also in jeder Beziehung ideal für jene riesigen 80 Kilo-Lautsprecher, welche die in Arkansas ansässige Lautsprecher-Manufaktur Klipsch herstellte. David Mancuso war fasziniert von High-End-Audio-Equipment. Einen guten Teil seines Wissens verdankte er dem späteren Soundsystem-Designer Richard Long, mit dem er befreundet war. Damals arbeitete Long noch für den New Yorker Tontechnik-Guru Alex Rosner, einige Jahre später sollte er in den berühmtesten Clubs der Welt die Anlagen installieren – zu den Kunden zählten das Studio 54, die Paradise Garage, das Warehouse in Chicago oder das Frankfurter Dorian Gray. Richard Long war es, der David Mancuso auf die Klipschorn-Lautsprecher aufmerksam machte, die für das Loft so charakteristisch werden sollten. Er machte Mancuso mit Alex Rosner bekannt, der damals als einziger in New York mit Klipsch-Produkten handelte. Vier Stück dieser Lautsprecher-Kolosse kaufte er sich. Dass David Mancusos Loft bald für den besten Sound in der Stadt bekannt war, dafür sorgte die Expertise von Alex Rosner. Die Lautsprecher wurden von McIntosh-Verstärkern versorgt, zwei AR-Plattenspieler waren an diese angeschlossen. 1973 kam schließlich ein Mischpult hinzu, das Alex Rosner eigens für das Loft baute. David Mancuso war davon überzeugt, dass seine Gäste den Qualitätsunterschied im Sound hören konnten, selbst wenn es unterbewusst war. „Es gibt ein drittes Ohr“, sagte er. Als es ihm in den frühen Achtzigerjahren darum ging, die Clubs der Stadt in Sachen Tonqualität auf Distanz zu halten, musste das Mischpult weichen. Wie in den ersten Jahren schaltete der Meister nun wieder am Verstärker zwischen „Phono 1“ und „Phono 2“ um.

David Mancuso in jungen Jahren
David Mancuso in jungen Jahren

Bereits in den Sechzigerjahren lud David Mancuso zu ersten Partys ein, die großzügigen Räumlichkeiten und der erstklassige Sound wollten mit anderen Menschen geteilt sein. 1970 ging ihm das Geld aus. Zeitweise war er aufgrund psychischer Probleme nicht mehr in der Lage, genug Geld in seinem Job als Antiquitätenhändler zu verdienen. Die Idee der Rent-Partys in seinem Loft war geboren, mit geladenen Gästen, die einen Obolus zu entrichten hatten. Zunächst fanden diese zweimal im Monat statt, bald versammelte David Mancuso jedoch jeden Samstag eine illustre Gästeschar um sich. An Musik lief hauptsächlich R&B, aber auch Led Zeppelin, die Rolling Stones, Brian Auger oder Jazz-Platten waren immer wieder zu hören. David Mancuso sprach gerne von Crossover-Musik. Mit Disco habe er nie etwas zu tun gehabt, betonte er in Interviews. Das sei doch seelenlose Musik gewesen. David Mancusos große Liebe galt stets live eingespielter Musik. Als er erstmals Kraftwerk spielte, war er von der, so nahm er es wahr, sterilen Kälte von „Trans-Europa Express“ so irritiert, dass er die Platte nicht ausspielte – obwohl die Tänzer begeistert waren.

Alkohol gab es keinen, er hätte sonst eine Ausschanklizenz benötigt oder Probleme mit dem Gesetz riskiert. Anfangs spendete jeder, was er konnte, später waren 25 Dollar zu entrichten. Getränke und makrobiotisches Essen waren inklusive. Niemand sollte ausgegrenzt werden, weil er wenig Geld hatte. Kommen konnte, wer eine Einladung hatte. Eine Türpolitik wie die des Discoclubs Studio 54 lehnte er strikt ab, so etwas empfand er als menschenverachtend. Wenn gerade eine Party stattfand, sollte sein Zuhause auch das Zuhause aller seiner Gäste sein, denn ohne sie hätte er sich seine Loft-Wohnungen niemals leisten können. Als Club wollte er das Loft niemals verstanden wissen, schließlich hätte er in einem Club auch nicht wohnen wollen.