Bedeutet ein guter DJ zu sein für euch auch, überwiegend neue Sachen zu spielen?

Dixon: Ich finde, jeder House- oder Techno-DJ, der nicht mehr als achtzig oder neunzig Prozent aktuelle Stücke spielt, hat meiner Ansicht nach seinen Beruf verfehlt.

 

„Jeder DJ, der nicht mehr als achtzig Prozent aktuelle Stücke spielt, hat seinen Beruf verfehlt.“ Dixon

 

Kristian: Ich glaube, das ist ganz einfach eine Entwicklung, die man durchmacht. Man setzt sich mit Musik auseinander, man hört sich viele Stücke an und nach einer Weile ist man dann auch gelangweilt. Da kommen wir dann zu dem Vorwurf, den man oft aus der Nerdecke hört, dass man eben keine alten Sachen mehr spielt. Man hat sie aber wirklich schon vor 15 Jahren gehört und aufgelegt. Es kommt auch einfach so viel neue Musik heraus, da hätte man wirklich den Beruf verfehlt, wenn man sich dem verweigern würde und sich nicht damit auseinandersetzen würde.

 

Kristian Beyer (Âme), Dixon, Frank Wiedemann (Âme)

Kristian Beyer (Âme), Dixon, Frank Wiedemann (Âme)

 

Aber für einen 18-jährigen DJ, der gerade anfängt aufzulegen, für den sind die ganzen alten Sachen doch neu.

Dixon: Es gibt einige DJs, für die die Basis ihres Auflegens das Altbewährte ist. Da ist ja auch keine schlechte Musik, wir sind da ja schließlich zu ausgegangen und sind damit aufgewachsen. Aber die Musik ist damals produziert worden, weil man neue Schritte gehen wollte.

Kristian: Außerdem stehen DJs, die auf das alte Material zurückgreifen oft vor dem Punkt, dass sie auf Material zurückgreifen müssen, das damals einfach aussortiert worden ist. Sie begrenzen sich häufig auf einen bestimmten Zeitraum, eine gewisse Soundästhetik. Sie kommen an den Punkt, an dem sie ihre Hits einfach abgenudelt haben und dann fangen sie an, auf Platten nach Tracks zu suchen, die damals einfach unter den Tisch gefallen sind. Bestimmt gibt es irgendwelche Chicago- oder New-York-Perlen, die noch zu entdecken sind, aber sicherlich sind achtzig Prozent der Platten auch einfach Schrott.

Dixon: Ich finde, es ist die Aufgabe eines DJs nach vorne zu gucken, so war es schon immer. Man soll den Blick nach hinten aber natürlich nicht schließen. Ich spiele ja mit USB-Sticks, da sind natürlich auch zwei oder drei Folder drauf, die mit 300 Stücken gefüllt sind, auf die man zurückgreifen könnte.

Kristian: Auf die man aber lustigerweise im Flow eher selten zurückgreift.

Dixon: Es gibt dann ab und zu Momente, an denen es passt. Wir legen ja alle schon relativ lange auf. Ich weiß, dass ich mich um die Jahrtausendwende von House etwas wegbewegt und angefangen habe, Broken Beats zu lieben. Ich habe mich zum ersten Mal in Jazz oder Brasil etwas mehr hineingegraben, damals auch durch die Bekanntschaft mit Jazzanova. Der Grund war, dass sich für mich damals Sachen im House festgetreten haben, es zu unglaublichen Wiederholungen kam und ich verzweifelt nach einer frischen Brise suchte. Nach irgendetwas. Das ist für mich genau die Aufgabe eines DJs, nach neuen Sachen zu suchen. Dabei kann man dann auch ruhig den falschen Weg einschlagen. Momentan sagen viele über meine Sets : „Das ist ja sehr trancy.“ Und vielleicht werde ich in fünf Jahren zurückblicken und sagen: „Ui, da waren ja Sachen dabei, die ich heute nicht mehr so gut finde.“ Aber für den Moment ist es der Versuch, etwas Neues auszutarieren.