TECHNO-KAPITALISMUS So läuft der Tanz ums große Geld

Text: Alexis Waltz, Illustrationen: Sucuk und Bratwurst
Erstmals erschienen in Groove 149 (Juli/August 2014)

Ein Aufruhr geht durch die Clubszene. Die Gagen der Star-DJs explodieren. Kleinere Clubs und Festivals können sich die großen Namen nicht mehr leisten. Traditionsreiche Veranstaltungen konkurrieren mit neuen Festivals in Brasilien oder Korea. House und Techno sind global geworden. Ibiza funktioniert als Marktplatz, der mittlerweile auch den Wert von Underground-DJs bestimmt. Die Szene arbeitet heute so professionell wie das große Popgeschäft. Einstige Ideale treten in den Hintergrund. Und nicht wenige Aktivisten der Neunziger und Nullerjahre sagen: Das ist nicht, warum wir damals angefangen haben, Partys zu organisieren.

 

Seit einigen Jahren steigen viele DJ-Gagen in einem bisher unbekannten Tempo: Für eine Silvesterparty in einem italienischen Club bekommt Richie Hawtin als Headliner 100.000 Euro, trotz Wirtschaftskrise. Ein Promoter bucht Solomun für 1.500 Euro, acht Monate später muss er die fünffache Summe hinblättern. Nachwuchs-DJs treten mit der Ansage an, nicht unter 3.000 Euro zu spielen. Nicht selten ist Maximalgage des vergangenen Jahres im nächsten Jahr das Minimum. Jamie Jones ist in Großbritannien und auf Ibiza ein Star und kann dort 40.000 bis 50.000 Euro für ein zweistündiges DJ-Set erhalten. Diese Preise werden international zur Messlatte, auch wenn er sich woanders noch gar nicht etabliert hat.

Mit den Gagen wachsen auch die Ansprüche: Ein Club soll für einen mittelbekannten DJ vier weitere Flüge für dessen Team bezahlen. Ein Festival soll zehn Hotelzimmer und einen Privatjet für die Entourage eines DJs buchen. Ein DJ wollte eine Zeit lang auf jeder Party lang fünfzig Gästelistenplätze und einen Reisebus für seine schwarzgekleideten Technogothics. Ein anderer lässt sich in seinem Vertrag ein Hotelzimmer mit einer bestimmten Quadratmeterzahl garantieren und eine bestimmte Espressosorte. Es wäre absurd, den DJs als Symbolen von Genuss und Hedonismus protestantische Enthaltsamkeit abzuverlangen. Es ist nachvollziehbar, dass man auf den endlosen Reisen eine vertraute Person dabei haben will. Ebenso, dass man auch die eigenen Leute mitbringen will, wenn man vor 10.000 Menschen auftritt. Auch, dass man nach dem Gig noch etwas essen und deshalb in einem Hotel mit 24-Stunden-Room-Service untergebracht werden möchte. Aber die richtige Espressosorte?

Solche Wünsche sind bei Popstars wie Rihanna oder Justin Timberlake üblich. Auf einem solchen Niveau operiert etwa ein Marco Carola nicht. „Aber“, erklärt Steffen Charles, Macher der Time Warp, „diese DJs sind in der Position, sich ein Setup hinstellen zu lassen, das ihre Show optimal rüberbringt.“ Große Shows werden heute ausgerichtet wie Konzerte. DJs reisen mit einer Entourage aus Tour-Manager, Ton-, Licht- und Video-Leuten. Daheim handeln Booker und Manager Termine und Modalitäten mit den Veranstaltern aus. Es gibt Agenturen, die sich allein um die Abwicklung der Reisen kümmern und besondere Deals mit Fluggesellschaften aushandeln. Es gibt spezialisierte Rechtsanwälte, Künstler-PRs und Social-Media-Experten, die sich um die Facebook-Seiten der Künstler kümmern. Bloß kein Posting mit Rechtschreibfehlern, heißt es. Zu Richie Hawtins Tour-Stab gehört ein Fotograf, der mitreist, nur um drei oder vier Fotos für das soziale Netzwerk zu schießen.

 


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Der Festival-Veranstalter: Steffen Charles (Cosmopop)

Seine erste Party veranstaltete Steffen Charles 1992. Sein Lebenswerk, die Time Warp, feierte im vergangenen Jahr ihren zwanzigsten Geburtstag. Im Interview spricht er unter anderem über den globalen Boom elektronischer Musik, neue Konkurrenten und das EDM-Unternehmen SFX Entertainment. Zum Interview.


 

Das Booking ist zu einem langen, oft nervenaufreibenden Prozess geworden, bei dem gepokert und gefeilscht wird. Die Gage ist nur eines der Themen. Es geht um Gästelistenplätze, Hotelklasse, die Zahl der Flüge und die Technik. Und verstärkt auch um das sogenannte Billing: Wo steht der Name des DJs auf dem Festivalflyer? DJ X hat so und so viele Follower und so viele Boiler Room-Hits, warum soll er unter DJ Y stehen, heißt es dann. Es gibt selten Verträge mit weniger als sechs Seiten. Wenn der Name auf dem Flyer falsch geschrieben ist: 5000 Euro Vertragsstrafe. Der DJ kann aufgrund höherer Gewalt nicht zum Gig erscheinen: Die Gage wird trotzdem fällig. Ein namhafter Club kann solche Klauseln vielleicht aus dem Vertrag streichen. Idealistische Veranstalter könnten durch solche Geschäftspraktiken entmutigt werden.

Fast alle werden von diesem strudelartigen Höher-Schneller-Weiter mitgerissen. Wer sich gerade Ableton installiert hat, buhlt schon um Soundcloud-Plays. Und, ja: Auch dafür gibt es eine Agentur. Sie generiert Klicks auf deiner Soundclound-Seite. Newcomer wollen wie Stars behandelt werden. Stars gründen ihre eigenen Booking- und Event-Agenturen. Nach dem Modell von etwa Sven Väths Cocoon versuchen längst eine ganze Reihe von DJs mit eigenen Firmen Bookings zu koordinieren und Veranstaltungen zu organisieren.

Neue Märkte

Diese extreme Situation existiert, seit die Clubmusik stärker als je zuvor weltweit stattfindet. In den vergangenen zehn Jahren hat sie auch abseits von Trance und Mainstream-House eine unvorstellbare Erfolgsgeschichte hingelegt. Techno und House wurden in den USA erfunden. Doch dort blieb der Musik quasi bis vor drei Jahren der Erfolg versagt. In den Neunzigern fanden Techno und House hauptsächlich in deutschsprachigen Raum, in Großbritannien, den Beneluxländern, Frankreich und Japan statt. Mit dem Minimal-Sound und DJs wie Ricardo Villalobos fing Südeuropa Feuer. Danach ist Südamerika dazukommen, vor zwei Jahren auch die USA. Entwicklungen die früher Jahre dauerten, passieren nun in Monaten. Katrin Schlotfeldt von der Booking-Agentur Artist Alife, Bookerin von unter anderen Tale of Us, beschreibt die Situation wie folgt: „Frankreich ist zurzeit stark, UK öffnet sich immer mehr für Musik vom Kontinent. Südamerika ist schon seit einigen Jahren ein boomender Markt. Neuerdings touren die Künstler zweimal im Jahr durch die USA.“ Seit kurzem arbeitet Artist Alife in Berlin im Verbund mit einer Management-, sowie Veranstaltungsagentur, betreut werden hier beispielsweise die Karrieren von Loco Dice, Chris Liebing oder Marcel Dettmann. Ed Karney von Grade, Manager von Künstlern wie Seth Troxler, Jackmaster und Eats Everything ergänzt: „Orte wie Australien oder eben Brasilien waren immer drei bis vier Jahre zurück. Das ist jetzt anders. Diese Szenen entwickeln sich viel schneller. In Brasilien boomt die Wirtschaft. Die neue Mittelklasse will ausgehen und sich amüsieren. Früher waren in Südamerika Sasha oder Steve Lawler groß. Dann kam Cocoon und jetzt halt viele andere.“

 


INTERVIEW

Die Bookerin: Katrin Schlotfeldt (Artist Alife)

Katrin Schlotfeldt ist eine der einflussreichsten Bookerinnen im deutschsprachigen Raum. Wir sprachen mit ihr über ihre Arbeit, die negativen Veränderungen der vergangenen Jahre in der Szene und wie man sich den Spaß dabei trotzdem nicht verderben lässt. Zum Interview.


 

Das Internet und das Reisen haben die Clubmusik an Orte gebracht, die für Vinylvertriebe und Musikzeitschriften zu entlegen waren. Heute gibt es in Brasilien eine voll funktionierende Szene mit lokalen Stars. Die internationalen DJs begegnen dort einem Publikum, das mit der Musik seit Jahren vertraut ist. Clubmusik ist mittlerweile fast überall auf dem Planeten vorstellbar. „Nick Warren spielte gerade in Angola. Das letzte Mal, als ich von dem Land las, tobte dort Bürgerkrieg“, sagt Ed Karney. Und Seth Troxler ergänzt: „Freunde von mir machen Partys im Irak. In Ländern wie diesen ist die Leidenschaft und Liebe unserer Musik noch fast unbekannt, aber es ist doch wunderbar mit der Musik auch, einen Hoffnungsschimmer dort hin zu bringen.“

Natürlich stellen die Bookings in den fernen Ländern die Agenturen vor Herausforderungen. Wer kümmert sich in dem Land um das Wohlergehen und die Sicherheit des DJs? Meistens arbeitet der Booker mit einem Sub-Agenten zusammen, der hilft, die Sprachbarriere zu überwinden und beurteilen kann, ob ein Veranstalter vertrauenswürdig ist. Mit wem man kooperiert und in welchen Ländern man spielt, ist auch eine politische Frage. In vielen der aufstrebenden Staaten wie Brasilien, Russland, Indien, China oder Korea ist zum Beispiel Tabaksponsoring noch legal. Dort spielt die dazugehörige Industrie eine maßgebliche Rolle im Club- und Festival-Geschehen. Wie positioniert man sich als Künstler und Booker dazu? Manager Ed Karney meint: „Wir arbeiten nicht mit Zigarettenherstellern zusammen. Das ist eine moralische und ethische Frage. Wir arbeiten auch nicht in Dubai und anderen Ländern des Nahen Ostens. Deren Politik lehnen wir ab.“ Doch mit dieser Meinung gehört er in der Szene zu einer Minderheit.

 

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Generation Ibiza

Einer der großen Katalysatoren in der elektronischen Musik der vergangenen zehn Jahre war Ibiza. Die jüngere Generation lernte House und Techno nicht mehr so oft in ihrem lokalen Club kennen, sondern auf dieser Insel. „Meine ganze Szene baut auf Beziehungen, die auf Ibiza entstanden sind“, sagt Karney. „Jamie Jones ist wie viele englische Touristen sieben Jahre lang Woche für Woche als Gast ins DC10 gegangen. Und er hat Eintritt gezahlt. Auf dieser Insel findet man einen übersättigten, hochgekochten Kapitalismus.“ Seth Troxler sagt: „Auf Ibiza spielt man nicht mehr nur für die Leute aus einer Stadt. Die dreitausend Menschen im DC10 kommen wirklich aus der ganzen Welt, um die Sonne, die kollektive Kultur und das Clubbing zu genießen. Das spricht sich überall rum.“ Ibiza hat viel verändert: Clubbing hat nicht mehr nur mit dem Ort zu tun, an dem man lebt. Clubbing und Tourismus gehören zusammen. Und das Geld spielt eine größere Rolle. Ein Michael Mayer lehnt es ab, in einem Club zu spielen, in dem ein Wasser acht Euro kostet – zum Preis verminderter Sichtbarkeit. Vielleicht ist das ein Grund für das Karrierebewusstsein vieler junger DJs. Der Bohemien nimmt die Armut in Kauf, für einen Touristen ist sie keine Option.

Es gibt inzwischen zahllose DJs. Aber nur mit etwa vierzig bis fünfzig Namen kann ein Veranstalter eine große Party stemmen. Das sind die so genannten Headliner. Dieser Umstand bestimmt die Szene. Das Netz hat den Kleinen ein Forum gegeben und die Großen größer gemacht. Für Booker sind Headliner und alle weiteren DJs zwei verschiedene Klassen von Künstlern. Veranstalter geben lieber mehr Geld für einen Großen aus, als weniger für mehrere Kleinere. Die erfolgreichsten Künstler repräsentieren das ganze Genre für die, die sich damit nicht so gut auskennen. So sehr es Szenemenschen ärgern mag: Für die Masse ist Techno gleichbedeutend mit Richie Hawtin. Diese Top 50 sind das greifbare Gesicht der Musik.

DJs stehen im Ruf, Drogen verschlingende Hedonisten zu sein. Das hindert sie nicht daran, sich relativ rational und geschäftsmäßig für ihre größtmögliche Sichtbarkeit einzusetzen. Immer mehr DJs bauen sich ihre eigene Infrastruktur. Die anderen suchen sich die Booking-Agentur aus, die sie auf die gewünschten Events bringt. Im Bereich der Booker gab es in den vergangenen Jahren einen entscheidenden Wandel. Früher wurden die meisten Künstler von Agenturen aus der Clubszene vertreten. Windish, Decked Out, Elastic oder Primary Talent gehörten da zu den größten Namen. Neuerdings entdecken aber ungleich finanzkräftigere US-amerikanische Firmen House und Techno für sich. Ryan Crosson zum Beispiel wird von Creative Artists vertreten – genauso wie Kanye West oder Scarlett Johansson. Seth Troxlers Agentur heißt William Morris Endeavor Entertainment und vermittelt ebenso wissenschaftliche Vorträge und christliche Rockmusik. In der Szene haben diese Agenturen den Ruf, kleinere Konkurrenten zu verdrängen. Troxler erklärt, warum er sich von einem solchen Global Player vertreten lässt: „William Morris hat vielen in unserer Szene zahlreiche Türen geöffnet. Ohne sie hätte ich niemals auf bestimmten großen Festivals aufgelegt. Dabei spiele ich auch immer noch für 600 oder 700 Euro im Robert Johnson. Und mein Booker bei William Morris, Steve Hogan, versteht auch, dass das so sein muss.“

 


INTERVIEW

Der Booker: Steve Hogan (William Morris)

William Morris Endeavor Entertainment ist eine der großen, internationalen Bookingagenturen, die seit einiger Zeit in die Clubmusik drängen. Steve Hogan baute vor sechs Jahren in der Londoner Niederlassung die Electronic Division der Agentur samt Künstlern wie Loco Dice, Maceo Plex, Moderat oder Richie Hawtin mit auf. Wir sprachen mit ihm über Künstlergagen, das sogenannte Block Booking und was er gerne in der Szene verändern würde. Zum Interview.


 

Die DJ-Karriere eines Headliners verläuft meist ähnlich. Sie beginnt mit einem Economy-Flug. Daraufhin fliegt der DJ Business, dann kommt ein zweiter Flug für den Tourbegleiter dazu, schließlich der Privat-Jet. Bis Sven Väth, Ricardo Villalobos oder Luciano ihren ersten Businessflug angetreten haben, dauerte es Jahre. Neue Acts können das heute innerhalb von zwei, manchmal sogar in einem Jahr erreichen. Dafür ist oft die Macht der Agentur entscheidend: Es ist üblich, mit dem Headliner noch ein paar kleinere Künstler mit zu verbuchen. Früher war der Traum eines jungen DJs eine Residency in einem lokalen Club. Heute gibt es ein anderes Traumpotenzial: Ein Soundcloud-Hit kann dich zu einer mächtigen Agentur bringen und die in Windeseile auf die weltweiten Festivalbühnen.

Karriere 2.0

Für die Karriere von Newcomern hat sich ein Muster etabliert: Ein Label wird über Soundcloud oder eine ähnliche Seite auf einen Künstler aufmerksam. Wenn seine Veröffentlichungen dort erfolgreich sind, vermittelt ihn das Label an die Booking-Agentur, die mit dem Label bereits Events organisiert. In kürzester Zeit verdient der Musiker so bis zu 1500 Euro pro Auftritt. Da die großen Agenturen nicht alle Aufgaben übernehmen, kommt oft bald ein Manager und/oder Promoter dazu. Ein Manager soll auch verhindern, dass der Künstler von der Agentur, die zum Teil mehrere hundert Musiker vertritt, vernachlässigt wird. Früher wurden ein paar Magazine und Radiosender mit Promos bemustert, heute müssen die Socialmedia-Kanäle und zahllose Blogs und Onlinemedien bedient werden. Insofern sind auch Promoter wichtiger geworden. Junge Musiker arbeiten heute oft in Strukturen, die früher Musikern erst nach Jahren, zum Teil Jahrzehnten zur Verfügung standen.

In ähnlich vorbestimmten Bahnen bewegen sich die DJs an der Spitze: Wenn ein DJ anfängt eigene Partys auf Ibiza zu machen, sehen sich viele andere über kurz oder lang dazu veranlasst mitzuziehen. Billing-Positionen, wer spielt auf welchem Festival auf welcher Bühne, die Größe des Privat-Jets – all das spielt für das DJ-Ego eine Rolle. Ein Top-DJ verdient extrem viel – die Spielzüge gibt dennoch oft das System vor.

 

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Heute kontrollieren die großen DJs (und ihre Booking-Agenturen) die Szene, weil ein großes Event nicht ohne sie funktionieren kann. Insofern liegt es nahe, dass sich die DJs unabhängig machen. Der DJ veranstaltet seine eigenen Partys. Er kontrolliert nicht mehr nur die eigene Musik, sondern das ganze Line-up, die Dekoration, Tänzer, Getränke und so weiter. Er emanzipiert sich von dem Gastronomen, zu dessen Inventar er ursprünglich gehörte. Gleichzeitig befördert er sich vom Dienstleister zum Unternehmer. Er ist nicht mehr der bestbezahlte Angestellte, sondern der Boss von allem. Künstlerischer Emanzipationsakt und ökonomischer Schachzug überschneiden sich dabei. Das macht für DJs mehr Sinn als für andere Musiker: Sie sind per se Moderatoren, Kuratoren, Vermittler, Gastgeber. Sven Väth hat das vorgemacht, Chris Liebing, Loco Dice, Luciano oder Jamie Jones machen es nach.

Allerdings entsteht durch den DJ als Unternehmer auch sozialer Sprengstoff in der Szene. Der veranstaltende DJ tritt gegenüber den anderen DJs, die er bucht, zugleich als Kollege und als Auftraggeber auf. Er sagt: Ich biete dir mit meiner Party auf Ibiza eine super Plattform. Ich pushe dich. Der gebuchte DJ könnte es aber auch so sehen: Ich hab‘ dich gepusht, indem ich auf deiner Party gespielt habe. Auch das führt dazu, dass jeder seine eigene Party machen will.

Wie können die das bezahlen?

Die meisten großen DJs haben die dionysische Lust am Exzess mehr oder weniger ihren Karrieren untergeordnet. Gleichzeitig verlaufen die Karrieren stabiler und langlebiger. Sie sind die Gewinner der gegenwärtigen Situation, die Verlierer sind die kleinen Veranstalter – und letztlich die Fans, doch zu denen später. Regionale Clubs und Festivals kriegen zu wenige großen Namen ab, die sie aber brauchen, um ihre Läden zu füllen. Bei den erfolgreichen DJs wiederholen sich die Orte an denen sie Jahr für Jahr spielen stark. Da gibt es kaum Gelegenheit, ein kleines neues Festival einzuschieben. Außerdem bestehen die großen Events meist auf lokale Exklusivität. Manche Künstler treten an solchen Orten schlichtweg nicht mehr auf. Manche DJs sind sich dieses Problems bewusst und versuchen gegenzusteuern. Seth Troxler hat Anfang des Jahres bekannt gegeben, vierteljährlich in den Clubs Output, Trouw, Fabric und DC-10 zu spielen. Loco Dice trat bei der „Under 300“-Tour in kleinen Clubs auf, Dixon ist in diesem Sommer auf überschaubaren Festivals wie der Nation of Gondwana oder dem Nachtdigital vertreten. Aber natürlich ist das alles nur ein Tropfen auf den heißen Stein.

Es bleibt ein Geheimnis, wie ein italienischer Club für Richie Hawtin 100.000 Euro Gage hinblättern kann. Normalerweise wird die DJ-Gage aus 50 bis 100 Prozent der Eintrittsgelder bestritten. Da kommt eine solche Summe nicht zusammen. Vielleicht wird die Prestigenacht über einen längeren Zeitraum finanziert und dient als Werbemaßnahme für den Club. Andere vermuten, dass auch schon mal organisierte Kriminalität ihr Geld wäscht. Für kleine, leidenschaftliche Veranstalter ist es oft ein Traum, einmal einen großen Namen auf dem eigenen Festival zu haben und sie riskieren entsprechend viel. Booker wiederum bemängeln, dass fast nur die großen Namen angefragt werden, dass es den meisten Promotern nicht gelungen ist, als Veranstalter selbst zum Qualitätsgaranten zu werden, so wie das Trouw in Amsterdam oder das Berghain in Berlin.

Durch Social Media ist die Musik nicht mehr von Fotos, Videos und Eventankündigungen zu trennen. DJs ermüden mit „Off to X“-Postings. Selbst Berghain-Residents lassen sich in Jesus-Pose vor fünftausend Leuten fotografieren, die ihnen die Arme entgegen recken – eine Bildsprache, die früher eher Trance-DJs wie Tiesto benutzten. „Ich komme aus der Zeit der gesichtslosen Künstler. Als ich in Detroit die Platten aus Deutschland hörte, hatte ich die absurdesten Phantasien, wer dahinter stecken könnte“, so Seth Troxler. „Manche Detroit-Künstler wie Moodymann befinden sich immer noch hinter einem Vorhang. Aber auch das ist ein Bild, und das Bild ist gemacht und erdacht, wie Ostgut Ton als klassisches, starkes Techno-Image. Ich gehe in Sachen Social Media sehr aus mir heraus. Für mich ist das eine andere Seite meiner Kunst. Es geht darum, ein Bild zu erschaffen, das zeigt, wer man als Künstler ist und wie man wahrgenommen wird. Das ist wichtig, egal ob man Theo Parrish ist oder Steve Aoki. Künstler ohne klar definiertes Bild sind verloren – egal wie gut sie sind. Sie haben nichts, mit dem sich die Fans verbinden können. Über diese persönliche Verbindung definieren sie ihr Leben. Und das können auch maskierte Männer sein – ob nun Redshape oder Daft Punk.“ Um dieses klar definierte Bild zu erschaffen, sind auch eigene Produktionen notwendig. Es gibt nur wenige DJs, die sich ohne eigene Tracks international durchsetzen konnten. Diese Produktionen sind aber nur wichtig um bekannt zu werden: Ein Sven Väth oder Loco Dice muss keine Platten mehr veröffentlichen, um an gute Bookings zu kommen.

SFX & EDM

Die großen Booking-Agenturen sind erbarmungslose Konkurrenten und knallharte Geschäftsleute, aber sie handeln im Namen der Künstler. Anders ist das bei SFX Entertainment, der milliardenschweren Firma des amerikanischen Investors Robert Sillerman. Die Übernahme zahlloser lokaler Konzertveranstalter machte ihn in den vergangenen zwei Jahren zum weltweit größten Dance-Veranstalter. Zu seinen Käufen gehören etwa die Veranstalter ID&T (Tomorrowland), i-Motion (Nature One) oder die Musikdownload-Plattform Beatport. „SFX kaufen Veranstalter und Festivals ein, um sie zu standardisieren. Das ist nicht cool. Das ist fucked up“, kommentiert Seth Troxler, während sein Manager Ed Karney anmerkt: „SFX hat einer ganzen Reihe von Kollegen und Freunden lebensverändernde Beträge gezahlt.“ Die Szene ist sich einig, dass SFX einen Sog in Richtung Mainstream erzeugen wird. Gleichzeitig ist es unwahrscheinlich, dass SFX die Szene dominieren wird. Und manch einer argumentiert, dass deren gestreamlinete Veranstaltungen den Underground eher attraktiver machen.

 


INTERVIEW

Die Labelmanagerin: Liz Miller (Big Beat Records)

Es dürfte wohl kaum jemanden geben, der innerhalb der elektronischen Musikszene so gut vernetzt ist wie Liz Miller. Mit ihr sprachen wir über den Unterschied zwischen kleinen und wirklich großen Labels sowie die neue Vermarktung elektronischer Musik. Zum Interview.


 

Was die Bedeutung von EDM für die House- und Techno-Szene angeht, ist man geteilter Meinung. Seth Troxler findet: „Ich mag EDM nicht, aber dass die elektronische Musik wieder so groß ist wie in den Neunzigern, das ist für alle gut.“ Steffen Charles von der Time Warp hält dagegen: „Für viele Kids ist Avicii elektronische Musik. Als Jugendlicher in den Achtzigern hörte ich The Cure, Depeche Mode oder OMD – das waren die Wegbereiter unserer elektronischen Musik. Der Weg von Depeche Mode zu Speedy J. ist gangbar, der von Avicii zu Tale of Us kaum.“

Dass Teile der Underground-Szene in den Mainstream überwechseln, dürfte eher eine Ausnahme darstellen. Loco Dice mag mit Bündeln von Geldscheinen in der Hosentasche herumlaufen, ein Westbam wird er nicht werden. Dixon und Tale of Us flirten vielleicht mit Pop und Trance, sind aber immer noch eindeutig House. In der Revision der Clubmusik durch Minimal wurde da eine Linie gezogen, die unüberschreitbar scheint.

Prognose

Niemand glaubt, dass ein Kollaps der Szene bevorsteht. Dazu ist bei allen Torheiten und Espressosortenwünschen zu viel Substanz da, haben sich die Ausgehgewohnheiten zu sehr verändert. Selbst wenn die elektronische Musik ihr globales Momentum verliert, wird es Gegenden geben, in denen es bergauf geht. „Auch in Indien könnte bald eine stärkere House-Szene entstehen“, mutmaßt Manager Ed Karney: „Noch können sich die Behörden nicht mit dem Gedanken anfreunden, dass die Menschen diese großen Partys feiern wollen. Es gibt nicht einmal entsprechende Lizenzen. Auch in China gibt es keine Kultur des Tanzens. Im Club stellen sie die Tische auf den Dancefloor und zocken. Irgendwann wird sich House und Techno aber auch hier durchsetzen.“

Booker und Promoter sind sich einig: Weil sich die großen Namen auf die großen Events konzentrieren und viel außerhalb von Europa unterwegs sind, hat hierzulande der Nachwuchs eine Chance. Sicher ist, dass die Fans ihre Lieblings-DJs in der Regel seltener zu Gesicht bekommen werden. Eines der größten Probleme innerhalb der Szene ist sicher, dass die Promoter jenseits der Qualitätsclubs und einiger weniger Festivals immer noch fast ausschließlich die großen Namen brauchen.

 

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Wem es gelingt, ein attraktives Paket aus Produktionen und Persönlichkeit zu schnüren, kann viel schneller als bisher eine Musikkarriere starten. Da kann man wie Eats Everything das putzige Bumpy-House-Bärchen geben oder wie das Label L.I.E.S. Brooklyner Hipstertum, Detroiter Klangesoterik und punkige Gegnerschaft verschmelzen. Die einen sehen darin ein multimediales Gesamtkunstwerk, die anderen ein schlüssiges Marketingkonzept.

Der Preis der globalen Aufmerksamkeit liegt darin, dass der Musiker weitgehend den Spielzügen des Systems folgen muss. Fest steht: Eine Stadt wie Plauen wird so schnell keinen Luciano mehr zu Gesicht bekommen. Aber dafür vielleicht einen jungen DJ, der sich seine Sporen noch verdienen muss oder einen Altgedienten, der sich in den Zentren nicht mehr halten konnte. Das bedeutet nicht, dass man schlechte oder schlechtere Musik hört, denn die Filter, die das Netz erzeugt, funktionieren. Auch etwas anderes hat sich verändert: Früher hast du als Fan deinen DJ ausgesucht, heute sucht er eher dich aus. Damit der DJ seine Reiseroute durch deine Stadt legt, musst du etwas zu bieten haben. Entweder du gehörst zur zahlungskräftigen, aufstrebenden Mittelschicht eines Zweite-Welt-Landes, die sich die hohen Eintritte leisten kann. Oder du hast das Glück Teil der Crowd eines Aushängeschilds wie Robert Jonson oder Output zu sein. Sonst bleibt allein die Möglichkeit, sich ins Festival-Proletariat einzuordnen. Verübeln kann man das seinem Headliner-Lieblings-DJ kaum: Alle, DJs wie Fans, sind heute mehr oder weniger Touristen. Seth Troxler bringt es folgendermaßen auf den Punkt: „Für fast dasselbe Geld kann ich im Club in meinem Hinterhof feiern oder in einen Zug steigen, um meine Großmutter zu besuchen. Oder ich fliege nach Berlin und feiere von Freitag bis Sonntag durch. Das ist verrückt. Aber das ist das moderne Zeitalter. So ist Jugendkultur heute. Vor zehn Jahren konnte man sich das nicht vorstellen. Da war alles lokaler.“

  • Ein großartiger Artikel. Danke!

  • Gernot Schmal

    Wer nicht mit der Zeit geht, der geht mit der Zeit.

  • Hut Blume

    auf den Punkt gebracht!!!!!

  • Wirklich lesenswert, aufschlussreich und ein bischen wie ein kleines Licht in einer tiefen Dunkelheit! :)

  • Pingback: #38 Filmtipp am Montag: “Willkommen im Club – 25 Jahre Techno” | Die Freiheitsliebe()

  • kast

    Ihr glaub doch nicht ernsthaft das Solomun für 7500€ auflegt? Die Zeite dürften aber auch schom länger vorbei sein.

  • Pingback: Groove-Magazin: “Techno-Kapitalismus – So läuft der Tanz ums große Geld” | Berlin Mitte Institut - House & Techno Party Blog, Soziologie elektronischer Tanzmusik, Electronic Dance Music()

  • Kirch

    Hier das perfekte Bild von B&K was es besser nicht beschreiben kann…
    http://cdn6.fazemag.de/wp-content/uploads/2014/05/Spirit.jpg

  • Marinetti

    Das ist so surreal! Solange das Biotop intakt ist, bleibt die Hegemonie. Wenn dieses Biotop zerstört wird, dann werden sie zum Fisch an Land. Diese neue „Raving Society“ spinnt so rum, weil ihre Errungenschaften es ihren Angehörigen ermöglichen in einem krankhaften Stadium endloser Pseudo-​Jugendlichkeit zu verharren. Weil unser Wohlstand noch alle gefährlichen Konsequenzen abfedern kann, die sich daraus ergeben. Doch das wird sich ändern.

  • ICH SPRECHT MIR AUS DER SEELE ;-) in den vergangenen Woche grade hab ich mich immer wieder ÜBER AGENTUREN und deren Verträge usw aufgeregt und GEWUNDERT;-) bin seit Über 20 Jahren in der Szene und langsam wird’s echt ALBERN und UNFASSBAR…

  • Schlangenmann

    Schön das Seth Troxler zu Wort kommen darf, einer der uberzahltesten unfähigsten DJs überhaupt.
    Er spielt angeblich für 600€ im RJ, und was ist mit seinem Business Flug + den Flug für seinen Tour-Manager + AP???
    Warum spielt er im RJ für 600€ und in anderen vom der Kapazität vergleichbaren Clubs für mindestens 5000€ ???

    Gibt es Partys auf denen er spielt, bei deinen der Veranstalter auch etwas verdient?

    Dieser Mann ist das perfekte Beispiel was man mit intelligentem Marketing machen kann.

  • Hatten wir alles schon einmal !!!
    free tekno ist 23 . So ist das und bleibt ???
    nee schon wie kraftwerk sagte
    Music non stop, techno pop
    Es wird immer weitergehen
    Musik als träger von Ideen
    Music synthetic
    Techno pop

    danke für diesen text an kraftwerk

  • db

    ich würde mir mehr interviews mit seth troxler wünschen. seine gedanken sind immer sehr anregend, fast wie seine dj-sets.

  • Immer wieder schade zu sehen, wie doch die Marktmechanismen eine Szene verändern. Angebot und Nachfrage bestimmen den Preis, wobei ich manchmal den Eindruck habe, das Ganze pusht sich gegenseitig so hoch, bis es zusammenbricht. Die Szene f**** sich wieder selbst…Schade. Für mich wird durch diese Engstirnigkeit alles irgendwie mehr und mehr oberflächlich, obwohl Musik doch etwas tiefsinniges haben sollte und auch das damit verbundene Szeneleben. Was versteht man denn eigentlich noch unter Underground? Ein anderes Wort für unerfolgreich? Und wenn ich persönlich das Wort Electro höre kriege ich immer zu viel…Nein, es ist Techno…Auch wenn das nicht cool ist und wenn man von Electro spricht ist es irgendwie entschärft. Die neue Generation denkt anders. -Im Grunde wollen alle es doch so- Ich bin manchmal schon enttäuscht, überlege ob ich der Sache meinen Rücken zuwende. Oder nur auf das konzentrieren, was mir Spaß macht? Leider sind wir alle anhängig vom Geld, und leider auch diejenigen, die eventuell einen Gegenpol zu dieser Entwicklung darstellen könnten. Denn auch Presse und Co. springen größtenteils auf solche Themen an, der Underground bleibt was er ist…

  • Michael Porzel

    Als jemand der schon Anfang 90 feiern ging kann ich nur mit dem Kopf schütteln. Traurig was aus dieser Bewegung wurde…

  • Chris Liebing

    Liebing, nicht Liebling :-)

    Sonst sehr schöner Artikel, danke.

    • Daniel Fersch

      Danke für den Hinweis! Ist inzwischen korrigiert…

  • Robert

    Michael Mayer hat diesen Sommer im Sankeys auf Ibiza aufgelegt. Dort kostet das (0,2l Fläschchen) Wasser meines Wissens nach 8 Euro.

  • Guter Artikel – auch für kleine Clubs wird es immer schwieriger. Man muss aber auch mal die andere Seite sehen: Die Gäste. Sie schauen fast nur noch nach den Headlinern und sind auch musikalisch häufig gar nicht mehr so informiert. Daher hat man manchmal super Bookings noch relativ unbekannter Künstler, die aber dann schlecht besucht sind.

  • So oder So

    summa summarum: Mitreißende Platten werden zunehmend weniger und das Nachtleben zur Banalität (Produzent trifft auf Konsument). Die Dreifaltigkeit (Leute, Laden, Sound) findet nicht mehr zusammen und der Infantilismus wird zum bestimmenden Merkmal.

  • Edgar

    Sehr schöner Artikel, nur eins wird leider nicht erwähnt: Geht es wirklich noch um die Musik und tanzen oder steht nicht vielmehr die Show und das dabei gewesen sein im Vordergrund.

    Früher (ich gehe seit Mitte der 90er feiern) standen DJs noch für eine bestimmte Musikrichtung und hatten ihren individuellen Style. Höre ich heute die Sets der sogenannten Headliner höre ich kaum noch unterschiede vor allem aber höre ich fast immer wieder die gleichen Lieder. (Ausnahmen bestätigen die Regel)

  • Seit 23 Jahren in der Scene und es ist haargenau so beschrieben wie es sich bis jetzt entwickelt hat.. ehrlich gesagt ..wirklich „Traurig“ .. meiner Meinung nach: „Nur noch Show and Shine“ Kommerz auf jedem Festival die sich seit Jahren von Jahr zu Jahr vergrößern..Teurer werden.. So wie es früher ala Familia anfing.. ist es schon lange nicht mehr.. Im Prinzip sehe ich ein heutiges Event, VA oder Festival wie ein Radio für jeden… Immer der gleiche Sound u. Rhythmus .. Suche wirklich nach der “ LIEBE ZUM DETAIL“ … is nicht.. Schade!

    Und zum Front Artikel ist nur zu sagen „TOP Klasse….Daumen Hoch“!!

    Greetz
    JOeMoreno ;)

  • michael

    Von meinen Kumpels ist JEDER ein „DJ“, und wenn er nur sein Smartphone an den Mixer stöpselt. Im Münchner „Lenbach“ darf jeder von ihnen „auflegen“. Jeder kennt auch mittelmässige „Producer“, die ihren Shit über Pseudo-„Labels“ hochladen, und DJ-Crews, die nur gebucht werden, weil sie gut vernetzt sind.
    Es ist konsequent, dass man von einem unbekannten DJ auf dem Clubflyer dann nichts anderes erwartet als von sich selbst: „Ist halt auch so einer…“. Wer heute vom NoName zum Headliner werden will, braucht ein super erfolgreiches Label (wie Diynamic) oder einen Hit (wie Robin Schulz, der übrigens inzwischen 20.000 aufruft). Über permanente Qualität wie früher ein Karotte, das ist nicht mehr.

  • Jena.er

    Danke für diesen erhellenden Artikel. Mir war nicht klar, was das für kranke Ausmaße angenommen hat.

    Wer ist eigentlich Loco Dice, Set Troxeler, Solumon?

  • eine differenziertere darstellung darf man von der groove wohl kaum verlangen, wer wird die hand beissen die einen füttert ? man stürzt nicht gerne die götter, die man selbst geschaffen und hochgejubelt hat.
    ein klares statement zu den krankhaften ausmassen die dieser wahnsinn mittlerweile angenommen hat sucht man ebenso vergebens, wie die antwort auf die frage was aus den 99,99% restd-js der welt wird, die nicht per künstlich generiertem hype und durch strategische fähigkeiten anderer zu einer marke aufgebaut werden.
    der traum vom tellerwäscher zum star zu werden ist derzeit so gut wie unmöglich. das fehlende oder nötige talent wird durch netzwerken ersetzt. nur dann schaffst du es. und wer meint müssen zu wollen, braucht kein können können, denn müssen darf wer könner kennt.
    minimal als trennlinie zu sehen ist immerhin ein zugeständnis. hier trennen sich ideologien und fähigkeiten wie nie. man muss kein weitreichendes sachverständnis der musik besitzen um das proudzieren oder auflegen zu können, es ist so ausgedünnt und reduziert, dass selbst ein musiklegastheniker hier erfolgreich punkten könnte. quasi wie EDM, nur eben dünner, lighter, veganer. beides mag man unsagbar geil finden, doch mit dem ende des nichtssagenden und wie tausend andere klingende tracks erinnert man sich an nichts mehr.
    die wirklichkeit da draussen geht anders. so in etwa: