Nils Gelfort über zehn Jahre Home Again: „Das ist ein Community-Ding, das ist sehr schön, das zu erleben”

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Nils Gelfort feiert den zehnten Geburtstag seiner Marke Home Again. Im GROOVE-Interview erklärt er unter anderem, wie er die Partyreihe zu einer der erfolgreichsten Berliner Veranstaltungen aufgebaut hat, die mittlerweile auch in ganz Europa präsent ist.

GROOVE: Im letzten Jahr habt ihr ein breites stilistisches Spektrum abgedeckt, es reichte von Job Jobse bis 999999999, von Solomun bis Helena Hauff. Was ist für dieses Jahr geplant?

Nils Gelfort: Für das Jubiläum wollen wir uns auf unsere DNA besinnen, tatsächlich ist Home Again eine House-Brand. Auf der anderen Seite ist es natürlich eine Herausforderung, eine Zielgruppe, die eher kleiner wird als größer, an vier Tagen mit einem starken Line-up abzuholen.

Nils Gelfort (Foto: Diego Krause)

In der Tat gibt es nur einen Job Jobse und einen Gerd Janson. Die großen US-House-Acts der Neunziger sind nicht oft verfügbar und zum Teil auch nicht mehr so präsent beim Berliner Publikum. Junge Künstler:innen sind zum Teil stark, erreichen aber nur sehr spezifische Gruppen von Fans.

Kerri Chandler ist ein Name, der sehr gut zu uns passt. Das ließ sich terminlich leider nicht einrichten.

Wie gestaltet ihr die Berliner Festivalsaison in diesem Jahr?

Wir sind in den September gezogen und bespielen da nur an zwei oder drei Tagen die große Bühne. Davor haben wir an Christi Himmelfahrt veranstaltet, damit Leute außerhalb von Berlin sich den Brückentag frei nehmen konnten, um eine Peggy Gou zu sehen. Jetzt haben wir nur am 12. und 13. September die große Bühne des Valleys, am Samstag und Sonntag. Sollte mir jetzt für den Freitag das absolute Leckerchen über den Weg laufen, überlege ich mir, am Freitag auch noch aufzumachen.

Wie gehst du die beiden Tage vom Booking her an?

Am einen Tag gehe ich vielleicht in die klassische Chicago- und Detroit-House-Richtung, am anderen bilde ich die jüngeren House-Generationen ab. Am einen Tag könnte das Moodymann sein, am anderen Chris Stussy, aber das ist nur ein Beispiel. Das funktioniert auch, weil das verschiedene Zielgruppen sind. Das heißt nicht, dass da kein Techno stattfinden kann, der passiert dann aber nicht auf der großen Bühne.

Das Home Again 2025 (Foto: Jakob Stoltz)

Wie sieht das bei eurer Party an Christi Himmelfahrt aus?

Da haben wir z.B. einen Alarico, der spricht verschiedene Crowds an, weil er bei uns mit seinem Kenji-Hina-Projekt mit einem House Set in Berlin debütiert. Generell wollen wir keine Themen, die wir selbst nicht fühlen, mehr aus Markt-Erfordernissen heraus machen. Wir glauben auch, dass unsere Brand, unsere musikalische Identität, mittlerweile so geschärft ist, dass sie für sich trägt. Eigentlich sollte das Club-Festival an dem Datum stattfinden. Viele Verträge standen auch schon, aber dann sind mir zwei große Festivals in den USA dazwischen gekommen. Dort wurde gefühlt jeder Act gebucht, der auf unseren Veranstaltungen im vergangenen Jahr gespielt hat. Ein Festival in Las Vegas mit 100.000 Besucher:innen kann bei der Gage einfach mal eine Null dranhängen. Da können wir nicht mitbieten, irgendwo ist da ein Ende erreicht.

Wobei eure Ticketpreise moderat sind, in der ersten Phase lagen sie bei knapp 17 Euro.

Das Valley [im RSO, Anm. d.Red.] ist für Berliner:innen kein Festival, sondern eine Open-Air-Clubveranstaltung. Aber ja, wenn ich betriebswirtschaftlich denken würde, müsste ich deutlich mehr verlangen.

Nils Gelfort (Foto: Eneas Bohatsch)

Wie erklärst du das den Künstler:innen?

Auf der einen Seite wissen die Künstler:innen, dass sie in Berlin nicht die Gagen aufrufen können, die sie woanders in der Welt bekommen. Auf der anderen Seite müssen sie natürlich auch davon überzeugt sein, dass das ihrer Karriere gut tut, wenn sie ein Video aus Berlin auf ihren Socials posten können. Das kann man so oder so bewerten.

Was macht speziell Home Again für die Künstler:innen attraktiv?

In erster Linie sind wir wahrscheinlich mit das größte Event in Berlin in dieser Musik, das macht uns natürlich relevant. Vielen Künstler:innen ist aber auch einfach wichtig, gutes Videomaterial vom Auftritt bei uns zu bekommen, für ihr Social Media. Solomun kam auf uns zu, weil er persönlich Videos vom Club Heartbroken Showcase vom Jahr davor gesehen hatte. Das hat einen großen Marketing-Effekt und unterstreicht die Attraktivität unserer Veranstaltungen.

Job Jobse auf dem Home Again 2025 (Foto: Jakob Stoltz)

Viele Veranstaltende in Berlin und außerhalb haben zu kämpfen. Wie gehst du mit dem zunehmenden finanziellen Risiko um?

Beim Festival 2025 haben wir erst am letzten, vierten Festivaltag den Break-even geschafft, erst dann waren genügend Tickets verkauft.

Das stelle ich mir nervlich strapaziös vor.

Das ist es, aber leider muss man sich dran gewöhnen. Das gehört dazu.

Die Veranstaltung lief drei Tage und ihr musstet damit rechnen, dass ihr mit einem Minus aus dem Festival gehen würdet.

Genau. Erst sechs Stunden vor Ende wussten wir, dass wir kein Geld verlieren.

Jedes Wochenende mit schlechtem Wetter oder einem anderen Zwischenfall kann dich wirtschaftlich ruinieren.

Meine erste große Veranstaltung habe ich als Einzelunternehmer komplett privat finanziert, da ist mir ziemlich übel geworden. Man hat sich Geld geborgt und bei Leuten Rückhalt gefunden, die uns unterstützt haben, und das nach und nach zurückgezahlt.

Home Again feiert das Jubiläum mit Veranstaltungen in ganz Europa.

Zum Geburtstag veranstaltet ihr euch eine Reihe von Events in ganz Europa, in London und Amsterdam, aber auch in Griechenland, Spanien und Albanien. Was reizt dich daran?

Mir geht es darum, zu lernen. Ich bin neugierig darauf, wie Promoter an anderen Orten in Europa arbeiten.

Lass uns noch in die Geschichte schauen: Wie ist Home Again 2016 entstanden?

Ich habe davor schon Veranstaltungen gemacht. Damals wollte ich einen Raum schaffen, an dem man sich zu Hause fühlt, wo man sich auf Augenhöhe begegnet, wo jede:r gleich wichtig ist. Es gibt einen gegenseitigen Respekt, sodass wirklich das Gefühl von I am home again entsteht.

Welche war deine erste Party?

Meine erste Veranstaltung war im Ritter Butzke, da hat Michael Bibi von Solid Grooves gespielt, der ist heute wahrscheinlich größer als eine Peggy Gou. Sonst haben viele Kumpel von mir gespielt, rückblickend natürlich auch viel zu wenige Frauen. Es gab auch keine durchdachte Booking-DNA.

Wie würdest du das Publikum von Home Again beschreiben?

Ich habe in meiner persönlichen Feiergeschichte viele Leute kennengelernt, von denen viele bis heute dabei sind. Bei den größeren Veranstaltungen ist das natürlich die Musik, die ihre Fans anlockt. Mir ist wichtig dass man sich auf Augenhöhe begegnet, dass die Bühne offen wirkt und die DJs nahbar.

Wie meinst du das?

Manchmal wollte ich nicht, dass die Leute auf den Subwoofern direkt vor dem DJ stehen, damit sie der Crowd nicht die Sicht nehmen. Aber in der letzten halben Stunde habe ich immer gesagt: Komm‘, mach auf. Dann stehen die Leute da und feiern zusammen. Das ist ein Community-Ding, das ist sehr schön, das zu erleben.

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