Ex-Axxon-N.-Mitarbeitende:r Mika über den Niedergang des Clubs: „Sie wollten alles und wussten wenig”

- Advertisement -
- Advertisement -

Im Mai 2025 eröffnete das Axxon N. unter Aufbruchsstimmung. Im GROOVE-Interview zeigte sich Mitgründer und Geschäftsführer Lucas Pulkert damals euphorisch: Man wolle dem Clubsterben etwas entgegensetzen, Verantwortung für die darbende Leipziger Szene übernehmen. Auch künstlerisch hatte man den Anspruch, Dinge anders zu handhaben und schlichtweg besser zu machen als der omnipräsente Vorgängerclub Institut fuer Zukunft, in dessen Räumlichkeiten man den Betrieb aufnahm.

Noch im selben Jahr, im vergangenen November, meldete das Axxon N. Insolvenz an – der laufende Betrieb ließ sich nicht mehr finanzieren, die hohen Ansprüche, mit denen man angetreten war, sich im Club nicht zusammenführen. Tatsächlich scheint im Axxon N., wie sich im Nachhinein zeigt, einiges nicht funktioniert zu haben.

Wir haben mit einer Person gesprochen, im Folgenden Mika genannt, die im Club tätig war und dauerhaft Einsicht in sensible Informationen hatte. Ihre Vorwürfe gegen die Clubführung beziehen sich auf unterschiedliche Bereiche wie Personalführung, Finanzen, gravierende Versäumnisse in Sicherheitsaspekten oder ein problematisches Verständnis von Clubkultur und deren Ästhetik. Mit diesen Vorwürfen haben wir Lucas Pulkert konfrontiert, der sich seinerseits ausführlich geäußert hat.

Im Folgenden stehen sich Ansichten und Aussagen beider Personen zu verschiedenen Themenbereichen gegenüber. Sie zeichnen das Bild eines Clubs, der den Ideal- und womöglich utopischen Zustand eines konstruktiven Dialogs zwischen Betreiber:innen- und Personalebene nicht erreichte. Das Bild eines Clubs als Unternehmung, in deren Strukturen sich guter Wille, Naivität, Unerfahrenheit, Beratungsresistenz und handfeste Verfehlungen mischten. Und das Bild einer durch und durch politischen, progressiven Leipziger Clubkultur, der das Axxon N. in all seinen Facetten nie wirklich gerecht werden konnte und deren Anspruch bisweilen (über-)fordernd sein kann.

Wir haben die Aussagen von Lucas Pulkert und Mika nach Themenbereichen sortiert und gegenübergestellt. Lucas Pulkert hat die Gelegenheit bekommen, zu den Vorwürfen ausführlich schriftlich Stellung zu beziehen. Der Text ist so aufgebaut, dass die Aussagen der beiden Hauptbefragten eine Gesprächsatmosphäre ergeben. Tatsächlich wurden beide nicht gleichzeitig befragt. Für zwei Bereiche, Sicherheitskonzept sowie den Ablösevertrag mit dem IfZ, haben wir weitere Quellen befragt, um einzelne Sachverhalte zu überprüfen, und deren Zitate einfließen lassen.

SELBSTVERSTÄNDNIS DES AXXON N. ALS QUEERER CLUB

NDA UND CODE OF CONDUCT

SICHERHEITSKONZEPT

DARKROOM/HYGIENE

GAGEN

KONTROVERSE PARTYREIHE

INSOLVENZ

DER ABLÖSEVERTRAG MIT DEM IFZ

SCHLUSSBEMERKUNGEN

SELBSTVERSTÄNDNIS DES AXXON N. ALS QUEERER CLUB

GROOVE: Wie war die Stimmung, als feststand, dass mit dem Axxon N. ein neuer Club in Leipzig entstehen würde?

Mika: Gerade queere Personen aus dem [2025 geschlossenen, Anm.d.Red] DUQO hatten das Gefühl: Cool, wir gehen jetzt da rüber und machen weiter – und zwar an einem sehr viel größeren Standort. Auch der Großteil der Personen, die vorher im IfZ gearbeitet haben und mit rüber gegangen sind, waren queere Personen. Ins Axxon N. ist extrem viel Wissen und extrem viel Arbeit von queeren Personen eingeflossen.

Das Interesse der Leute aus der Stadt, dem ehemaligen IfZ und DUQO und auch der queeren Bubble allgemein sank schlagartig, als die Promo für die erste Party rausging. Da war ein Embryo in einem Uterus drauf, gemacht mit KI. Das hat die Leute auf jeden Fall abgeschreckt. Ich persönlich habe deshalb mehrere Nachrichten bekommen: Ob ich wisse, wer das gemacht hat und wer dafür verantwortlich ist. Ob diejenigen sich bewusst sind, dass man in einer politisch aktiven Bubble eher nicht mit einem Embryo-Bild wirbt.

Das erste Artwork des Axxon N. (Screenshot: Instagram)

GROOVE: Wie wurde das aufgenommen?

Mika: Unter den Instagram-Posts kam immer mehr Kritik, gerade auch hinsichtlich der Promo. Die war nämlich sehr alien-coded, nackte Körper und so. Für mich sah das so aus, als hätte man gesagt: Let’s do some queer, kinky shit, aber bitte pack‘ hier noch eine dicke Person rein, am besten noch schwarz. Das wirkte alles erzwungen. Man hat unter den Posts und bei Gesprächen im Club gemerkt, dass die Leute nicht so ganz wussten, wo der Club hinwill. Auch im Booking gab es verschiedene Positionen.

Was genau ist an der Darstellung eines Embryos problematisch?

Mika: Ein Motiv wie ein Embryo in einem Uterus wirkt nicht neutral. Für viele FLINTA* und queere Personen ist das ein sehr stark aufgeladenes Bild mit körperlichem Bezug – verbunden mit Themen wie Selbstbestimmung, Schwangerschaft, Abbruch, Verlust und traumatischen medizinischen und gesellschaftlichen Erfahrungen. Das sind keine abstrakten Inhalte, sondern für viele reale und teilweise belastende Lebensrealitäten.

Wenn man gleichzeitig mit harter, düsterer Ästhetik arbeitet, wie es in der Axxon-N.-Promo gemacht wurde, kann das schnell als überfordernd und sogar triggernd wahrgenommen werden. Ein Safe-Space bedeutet nicht nur, dass vor Ort respektvoll miteinander umgegangen wird, sondern auch, dass in der Kommunikation und Promo vorab darauf geachtet wird, möglichst wenig unnötige emotionale Belastung zu erzeugen.

Gerade in feministischen Kontexten, in denen viele Menschen kontinuierlich um körperliche Selbstbestimmung kämpfen, kann solch ein Motiv auch als unangenehm, vereinnahmend oder unachtsam gelesen werden. Es geht also nicht darum, bestimmte Bilder grundsätzlich zu verbieten, sondern darum, sich bewusst zu machen, welche Wirkung sie in spezifischen Kontexten haben können.


GROOVE: Unsere Quelle sprach vom Axxon N. als dezidiert queerem Club. Im Interview mit uns wurde diese Ausrichtung nicht klar. Was sollte das Axxon N. für dich darstellen?

Lucas Pulkert: Für mich als queere Person sind Techno, Clubkultur und queere Kultur fest miteinander verbunden, so habe ich sie immer erlebt. Der Support zu unseren letzten Postings sowie die ein oder andere Review auf Google zeigen, dass das Axxon N. ein Safe-Space für die queere Community war, und darauf bin ich sehr stolz. War das Axxon N. ein dezidiert queerer Club? Was genau ist die Definition davon? Wenn das bedeutet, dass ausschließlich queere Menschen Zutritt haben, war das das Axxon N. nicht. Wenn du die Events des letzten Jahres durchgehst, hatten wir vielleicht alle vier bis sechs Wochen eine dediziert queere Veranstaltung wie SLAY, GEGEN, Weeeirdos oder das im Axxon N. gegründete Latin-bipoc-Queer-Kollektiv Beso de Tres.

Foto: Manuel Schmieder

NDA UND CODE OF CONDUCT

Anmerkung des Autors: Die Leitung des Axxon N. hatte die Mitarbeiter:innen vor Beginn des Betriebs einen Code of Conduct, also einen Verhaltenskodex, sowie ein NDA, ein Non-disclosure Agreement, also eine Vertraulichkeitsvereinbarung, unterschreiben lassen. Dass das in der Clubkultur eine alles andere als gängige Praxis ist, haben unabhängig voneinander mehrere sachkundige Quellen bestätigt.

Mika: Der Grund für das NDA war angeblich, dass das Axxon N. sich als Schutzraum versteht. Das ist der erste Satz. Man darf deshalb über verschiedene Sachen nicht reden, über Line-ups, über Vorgänge, über Sicherheitskonzepte, die es übrigens nie gab. Das NDA läuft auf unbestimmte Zeit. Selbst jetzt, wo der Club nicht mehr existiert, dürfen die Leute, die unterschrieben haben, nicht reden. Wenn man es bricht, muss man 5.000 Euro Strafe zahlen. Keine Person, nicht mal die Geschäftsleitung, hat das NDA eingehalten. Aber natürlich ist es ein weiteres krasses Druckmittel gegenüber Personen, die bereit sind, für 14 Euro die Stunde in der Nacht zu arbeiten. Denn das sind oft Leute, die keine 5.000 Euro zur Verfügung haben. Außerdem ist das NDA total realitätsfern, weil man in verschiedenen Positionen – Awareness, Nightmanagement und so weiter – Informationen weitergeben muss, um die Nacht am Laufen zu halten. Übrigens auch an Personen, die das NDA nicht unterschrieben haben. Ich habe mich informiert, und mir wurde gesagt, dass so was nicht mal in der Wirtschaftsprüfung üblich ist. Ich würde sagen, dass 85 Prozent des Personals das NDA unterschrieben haben. Deswegen ist fraglich, wer über die Dinge, die passiert sind, überhaupt sprechen kann.


Lucas Pulkert: Ich finde das NDA absolut richtig. Es macht einmal komplett und offiziell klar, dass uns die Privatsphäre unserer Gäste, unserer Mitarbeitenden und unserer Artists wichtig ist und wir nicht wollen, dass Mitarbeitende Infos von irgendwelchen Gästen weitergeben. Ich denke, dass jede Person, die im Awarenessraum eines Clubs landet, sich wünscht, dass das Personal eine Verschwiegenheitsvereinbarung mit dem Club getroffen hat. Dies ist übrigens auch in anderen Clubs und Veranstaltungsreihen üblich.

GROOVE: Das Personal musste einen Code of Conduct unterschreiben, der den Konsum von Alkohol und Drogen untersagte. Die Betreiber:innenebene hingegen soll auf Partys intensiv konsumiert haben. Ist das korrekt?

  • Seite 2 des Code of Conduct des Axxon N.

Lucas Pulkert: Ich finde es absolut richtig, dass Mitarbeitende während ihrer Arbeitszeit weder Alkohol noch Drogen konsumieren, im Besonderen, wenn wir uns als Safe-Space definieren. Nach Ihrer Schicht, oder wenn sie als Gast in den Club kommen, gilt dieser Teil des Code of Conduct natürlich nicht. Genau das Gleiche galt natürlich auch für die Betreiber:innenebene und wurde auch genau so umgesetzt, und natürlich durften auch die Betreiber:innen im Club feiern gehen.


Mika: In den Arbeitsverträgen und im Code of Conduct stand außerdem, dass man während der Schichten keinen Alkohol oder sonstige Rauschmittel konsumieren dürfe. Wer sich darüber hinwegsetzte, hatte mit Konsequenzen zu rechnen, die nicht definiert waren. Ein Verbot sorgt nicht dafür, dass etwas nicht passiert. Die Geldgebenden des Clubs haben versteckt konsumiert, aber es war für Leute, die im Club gearbeitet haben, ersichtlich, dass sie konsumiert haben.


Lucas Pulkert: Die meisten der Betreiber:innen haben ja ausschließlich konzeptionelle Ideen und Geld in den Club gegeben, und die meisten kommen nicht aus Leipzig. Ganz grundsätzlich war die Nacht so organisiert, dass die volle Verantwortung der Nightmanager hatte. Der hat mich nur im Notfall aus dem Bett geklingelt. Im Namen der Betreiber:innen, die über die Gesellschafterliste öffentlich einsehbar sind, möchte ich ausdrücklich betonen, dass der Vorwurf von nicht definiertem „intensivem Konsum” rufschädigend sein kann.


Mika: Lucas selbst hat Artist Care gemacht, war die Nacht über im Club und hat Aufgaben übernommen, wenn diese durch Mitarbeitende nicht erfüllt werden konnten. Nach der Eröffnung waren konstant Betreiber:innen im Club. An der großen Bar gab es eine Sitzgelegenheit, das war deren Stammplatz. Die letzten drei Monate, als er gemerkt hat, dass es zu Ende geht, war Lucas nicht mehr da.

SICHERHEITSKONZEPT

Mika: Hätte ein Feueralarm stattgefunden oder eine Vergewaltigung in einem Darkroom oder so etwas, niemand hätte gewusst, was man machen soll. Wir hatten teilweise Codes nicht, die Notausgänge verschlossen haben. Im Club sollten sich queere, marginalisierte Leute endlich wohlfühlen. Tatsächlich galt aber eher: They wouldn’t make it out alive.


Lucas Pulkert: Da es immer wieder wechselnde Belegschaften gibt und nicht 90 Personen gleichzeitig Entfluchtung üben können beziehungsweise es nicht möglich ist, einen gemeinsamen Termin für 90 Personen zu finden, haben das die Gewerke intern organisiert. Es gab regelmäßig Secu-Trainings. Alle Türen waren mit Fluchttürwächtern und Panikklinken ausgestattet. In einem Fall hat der Vermieter ein Schloss gewechselt. Diese Tür wurde einmal fälschlicherweise abgesperrt beziehungsweise war die Panikklinke noch nicht installiert. Ich vermute, dass hierauf angespielt wird. Besagte Tür befand sich nicht im öffentlich zugänglichen Bereich des Clubs und war nicht Teil des Entfluchtungsplans für die Gäste. Nachdem der Austausch festgestellt wurde, wurde direkt eine Panikklinke installiert.


Mika: Keine Arbeitsgemeinschaft hat eine Brandschutzübung gemacht, es gab kein Plenum, zu dem alle kommen sollten – Lucas hat dazu nichts organisiert. Er hat nie verlangt, dass die AGs das intern machen sollen. Durch eine Installation auf dem großen Floor, für die extrem viel Geld ausgegeben wurde, war der Brandschutz nicht mehr gegeben, weil die Kabel nicht brandschutzsicher waren. Die Technik hat das Lucas so kommuniziert, er hat sich dazu entschieden, das Problem nicht anzugehen und zu eröffnen. Lucas meinte: Na ja, die [das für die Installation zuständige Kollektiv, d.Red.] haben das nicht so auf dem Schirm, die sind halt Künstler. Der Club wurde so schnell wieder aufgemacht, dass durch die kurze Schließzeit keine neue Brandschutzprüfung gemacht werden musste.


Lucas Pulkert: Die neue Lichtinstallation auf dem Mainfloor wurde von einer recht bekannten Firma gemacht, die schon Installationen in den namhaftesten Clubs Deutschlands und Europa gemacht hat. Kritik aus der Technik kam in erster Linie, weil das Lichtsystem auf einem anderen System lief – nicht grandMA3, sondern Resolume – und die Lichtanlage somit technisch nur mit Aufwand zu implementieren war. Die Lichtanlage wurde vor Inbetriebnahme von einem Elektromeister mit Brandschutzqualifikation getestet und der Betrieb genehmigt.


GROOVE hat mit einer weiteren Quelle gesprochen, die in der Technik beschäftigt war. Sie antwortete wie folgt:

Die für die Installation verantwortliche Crew heißt Ausgang und kommt aus der Slowakei. Eigentlich hat sie immer nur Event-Installationen gemacht. Das war die erste Dauerinstallation – und für deutsche Vorschriften sehr mangelhaft. Möglicherweise sind die Vorschriften in der Slowakei anders und da in Ordnung, jedoch nicht in Deutschland. Die Installation wurde nie von einem Meister abgenommen. Der Meister hatte sich die Installation angesehen und gesagt, was geändert werden müsste, damit sie abgenommen werden kann. Es wurde mit Kabelbindern gearbeitet, alte Computerkabel verwendet, die schon lange nicht mehr in öffentlichen Räumen hängen dürfen. Kabel mit einfacher PVC-Ummantelung und Ähnliches, was eine hohe Brandlast darstellt. Keines der Tausenden Kabel hatte ein Prüfsiegel, somit war keines davon abgenommen, wie Lucas es behauptet. Trotz mehrfacher Nennung der Mängel wurden diese bis zur Schließung nicht behoben. Dass die Installation auf einem anderen Lichtprogramm lief, haben wir zwar bemängelt, weil wir immer alleine gearbeitet haben. Das war aber unser kleinstes Problem mit dieser Installation. Diese Aussage zeigt wieder, dass uns einfach nicht zugehört wurde und Lucas das Fachwissen der Mitarbeitenden ignoriert hat – wie es auch an vielen anderen Punkten und Bereichen spürbar und sichtbar war.

Kabel im Axxon N. (Foto: Manuel Schmieder aus der Serie „Clubsterben”)

DARKROOM/HYGIENE

Mika: Ein großes Kollektiv aus Berlin sollte uns den Darkroom ausstatten. Als wir den gesichtet haben, haben wir gesehen, dass Ketten drin sind, dass blutige Handabdrücke aufgemalt sind, aus denen sich Schlieren nach unten ziehen. Ich fand das sehr befremdlich. Es kamen noch weitere Sachen dazu. Es gab eine Gleitgelfontäne, aus der von oben Gleitgel nach unten tropfte. Man konnte die Hand drunter halten und hatte sofort Zugang zu Gleitgel. Das Problem: Die Vorrichtung war offen, und man hätte so auf jeden Fall eine größere Anzahl an Menschen mit G spiken können. Es war auch nicht klar, dass man den Darkroom alle halbe Stunde putzen muss. Ebenso wenig wie den Betreibenden bewusst war, dass der Darkroom ein Tatort ist, wenn dort eine Vergewaltigung stattfindet. Das alles war ein wilder Mix: Sie wollten alles, wussten extrem wenig und haben Wissen von Personen, die viel Expertise hatten, nicht angenommen. Daraus sind schwierige Dynamiken entstanden.


Lucas Pulkert: Ich hätte den Darkroom gerne bereits zur Eröffnung [des Axxon N., d.Red.] im April geöffnet. Es gab einzelne Stimmen, die dafür plädiert haben, dies nicht direkt zum Start zu machen, sondern abzuwarten, bis sich das Team eingespielt hat. Ich bin diesem Rat gefolgt. Wir haben dann fünf Monate unter Einbeziehung aller Gewerke und in einem sehr aufwendigen Prozess ein Konzept entwickelt. Für weitere Expertise haben wir den renommierten Verein Queer Mama mit ins Boot geholt, der unter anderem die Awareness für Pornceptual und GEGEN organisiert. Im gesamten letzten Jahr hatten wir drei Veranstaltungen mit geöffnetem Dark- beziehungsweise Playroom. Bei zwei der drei Veranstaltungen waren jeweils zwei zusätzliche Awarenesspersonen von Queer Mama vor Ort – um zu unterstützen und zur Supervision. Bei der dritten Veranstaltung wurde das zusätzliche Awareness-Team vom organisierenden Kollektiv gestellt. Playroom wie Darkroom hatten immer jeweils eine eigene Awarenessperson, deren einzige Aufgabe am Abend darin bestand, die Spaces zu überwachen. Eine Praxis, die ich von keinem anderen Club kenne.

GAGEN

Mika: 150 Euro war die Basis, zur Silvesternacht haben sie allen Locals 100 Euro angedreht. Teilweise wurde auch versucht, sie noch runterzuhandeln. Oder sie wurden gefragt, ob sie gleich gratis spielen könnten, weil man als Club noch neu sei. Ich kenne die genauen Absprachen zwischen dem Club und den Kollektiven nicht, weiß aber, dass Gagen nicht ausbezahlt wurden. Das ging ab Mai los, also einen Monat nach der Öffnung, und betrifft jede Person, hinter der keine großen Agenturen stehen, und Kollektive wie Rillendisco oder Splintercell. Bedingungen, die abgemacht waren, wurden nicht eingehalten. Die Kollektive haben dann angefangen, auf Instagram öffentlich nach ihrem Geld zu fragen, weil Lucas sie geghostet hat. Lucas hat die Kollektive dann persönlich angeschrieben und sie gebeten, die Kommentare zu löschen. Er würde dann bezahlen. Ich habe viele Freund:innen, die immer noch kein Geld haben, weil es jetzt in der Insolvenzmasse verschwindet.


GROOVE: Kollektive und DJs seien gefragt worden, ob sie umsonst spielen könnten, sonst habe es in der Regel 100 Euro gegeben, von denen sie teils noch runtergehandelt worden seien. Auswärtigen DJs seien überhöhte Gagen gezahlt worden. Ist das korrekt?

Lucas Pulkert: Wir haben nie DJs von 100 Euro runtergehandelt oder dies versucht, und wir haben auch nie DJs gefragt, ob sie for free spielen. Es gab genau eine Veranstaltungsreihe, die fünfmal stattgefunden hat, bei der DJs 100 Euro Gage bekommen haben. Das war unser Newcomer-Format mit null Euro Eintritt und secret Line-up. Ich will nicht garantieren, dass nicht noch ein-, zweimal ein Newcomer sein Club-Debüt für 100 Euro bei uns gespielt hat. Das ist aber weit weg vom Durchschnitt. Wir haben das Feedback bekommen, dass unsere Gagen eher über dem Durchschnitt liegen.

Angebote, umsonst zu spielen, um im Line-up mit einem Headliner zu spielen, haben wir nie angenommen. Es macht ja auch absolut keinen Sinn, überteuerte Gagen an Externe zu zahlen, aber den Unmut der lokalen Szene auf sich zu ziehen – den es, wie man an unseren letzten Postings sieht, auch nicht gab.

GROOVE: Fällige Zahlungen sollen immer wieder verschleppt worden sein. So lange, bis sie Teil der Insolvenzmasse wurden. Acts und Kollektive haben öffentlich auf Insta nach dem Geld gefragt, du sollst sie vertröstet haben, bis das Geld in der Insolvenzmasse aufgegangen ist.

Lucas Pulkert: Hier gab es Überschneidungen mit der Eröffnung des Insolvenzverfahrens, ab der wir rechtlich keine alten Forderungen mehr begleichen konnten und ich keinen Zugriff mehr aufs Konto hatte. Die Insolvenz ist schmerzhaft und hat keinerlei Vorteile für mich, ich habe hier offensichtlich nicht alles richtig gemacht. Ich habe jedoch nie vorsätzlich gehandelt und habe in den meisten Fällen versucht, eine einigermaßen gütliche Regelung zu finden.

Eine Konsole im Axxon N. (Foto: Manuel Schmieder aus der Serie „Clubsterben”)

KONTROVERSE PARTYREIHE

Anmerkung: Den Namen der Partyreihe nennen wir aufgrund potenzieller rechtlicher Konsequenzen nicht.

Mika: Als sich die Situation ohnehin bereits zunehmend verschlechterte, war eine Party geplant, deren Veranstalter mit Vergewaltigungsvorwürfen konfrontiert war. Im Hintergrund setzten sich etwa 15 Personen aus der Axxon-N.-Crew mit großem Engagement dafür ein, dass die Veranstaltung nicht stattfindet. Nach der ersten Veranstaltung dieser Reihe gab es viel Kritik, weil das Personal des Axxon N. sich nicht wohlgefühlt hat. Es hat Übergriffe auf Mitarbeitende gegeben, und die Gäste der Party waren teilweise grenzüberschreitend. Lucas hat aber versucht, die zweite Party in Orga-Treffen mit aller Macht durchzusetzen. Leute haben sich dann nicht für Schichten eingetragen, Mitarbeitende haben angefangen sich zu organisieren, sodass er keine Chance mehr hatte, die Veranstaltung durchzuziehen.


GROOVE: Die Partyreihe sollte trotz Vergewaltigungsvorwürfen gegen den Veranstalter im Axxon N. stattfinden – und trotz einer ersten Ausgabe, über die sich das Personal beschwert hatte. Ist das korrekt?

Lucas Pulkert: Das ist nicht korrekt. Es gab nie öffentliche Vergewaltigungsvorwürfe gegen den Veranstalter, nur Geraune. Aufgrund des Geraunes habe ich mich mit anderen Leipziger Clubbesitzern ausgetauscht, die die Hinweise nicht bestätigen konnten. Als mir eine potenziell betroffene Person bestimmte Vorfälle nicht-öffentlich in einer nicht verifizierten Sprachnachricht geschildert hat, habe ich die [zweite, d.Red.] Veranstaltung sofort abgesagt. Das ist von zwei Zeugen belegbar, die mit mir zusammen diese explizite Sprachnachricht angehört haben. Obwohl ich ihren Inhalt nicht verifizieren konnte, wollte ich diese Veranstaltung nicht im Club stattfinden lassen.

War es grundsätzlich ein Fehler, diese Veranstaltung anzunehmen? Aus heutiger Sicht: Ja, das war es. Als deutlich wurde, dass das falsch war, habe ich die große finanzielle Konsequenz getragen.


Mika: Jegliche Nachrichten und Diskussionen in drei Arbeitstreffen vorher hat Lucas ignoriert. Deshalb haben die Mitarbeitenden alle Hebel in Bewegung gesetzt und versucht, direkte Kontakte zu Betroffenen herzustellen, damit Lucas die Dringlichkeit der Absage der Veranstaltung klar wird. Der Grund dafür, dass es keine öffentliche Diffamierung des Veranstalters gibt, ist, dass er sofort mit Verleumdungsklagen arbeitet – und die Person hat viel Geld. Zwei bis drei Leipziger Clubs arbeiten bewusst nicht mit ihm, und alle wissen, wieso. Das haben wir Lucas so gesagt, und es hat ihm nicht gereicht. Das mit den zwei Zeugen stimmt nicht – er hat nicht sofort abgesagt. Das war nicht „einfach so abgesagt”, das war einfach fucking anstrengend.

Lucas wollte die Veranstaltung bis eine Woche vor dem Termin durchziehen und hat der Barleitung im Arbeitstreffen Konsequenzen angedroht. Er hat ihr unterstellt, sie hätte die Mitarbeitenden dazu angestiftet, einen Brandbrief zu schreiben und die Schichten nicht zu machen. Das heißt: Er hatte eine Woche vor der Party kein Nightmanagement, das gearbeitet hätte – keine Bar, keine Technik. Alle haben gestreikt, gerade auch als sie erfahren haben, dass Lucas die Barleitung verantwortlich macht. Auch hier zeigt sich für mich, dass er kein Ally ist.


Anmerkung: Der Brandbrief liegt der GROOVE vor.

Foto: Manuel Schmieder aus der Serie „Clubsterben”

INSOLVENZ

Mika: Wir wurden nicht darüber informiert, dass der Club zu wenig Geld einnahm. Auch Positionen nicht, die für ihre Arbeit einen Einblick in die Zahlen benötigt hätten. Ich habe mich gefragt, warum es so wichtig ist, dass niemand Einsicht hat. Eigentlich hieß es immer, wir seien kollektiv organisiert. September, Oktober, November – da fing es an, dass unser Trinkgeld nicht mehr überwiesen wurde. Und das war eigentlich unser Geld. Das Trinkgeld aus dem Juli wurde erst im September überwiesen.

GROOVE: Zuvor wurde es noch regelmäßig überwiesen?

Mika: Ja. Bei uns wurde dann die Vermutung lauter, dass das Geld einfach für etwas anderes ausgegeben wurde – entgegen der Vereinbarung. Auch wurde über ein internes Kommunikationstool öfter darauf hingewiesen, dass Löhne fehlten. Von Anfang an wurde versprochen, Überstunden auszuzahlen. Das ist wiederholt nicht passiert. Es fehlten Beträge von 8.000 bis 10.000 Euro, und es hieß, dass das Geld bald kommen würde. Dann kam die Insolvenz, die Überstundenauszahlungen verschwanden in der Insolvenzmasse und die Agentur für Arbeit hat sozusagen die Überstunden ausgezahlt. Wir haben einen Tag vor der Öffentlichkeit von der Insolvenz erfahren und eine Woche nachdem die Insolvenz angemeldet wurde. Wir wissen nicht, ob wir überhaupt noch Geld bekommen. Trotzdem hieß es, dass es bei den Veranstaltungen jetzt auf uns ankommt, ob der Club jetzt schließt oder nicht. Da ist eine Person am Ruder, die Erfahrung damit hat, Unternehmen zu gründen [Lucas Pulkert hat einen Hintergrund als Start-up-Unternehmer, d.Red.]. Vielleicht wurde die vorläufige Insolvenz bewusst zu diesem Zeitpunkt angemeldet, weil es extrem entlastend sein kann, dass durch eine Insolvenz Gläubiger bezahlt werden.

GROOVE: Du denkst, das wurde bewusst gemacht?

Mika: Es gab wenig Kommunikation untereinander. Es dauert, bis so was ankommt, bis die Leute verstehen, dass so was strukturell ist und nicht nur einmal passiert. Meine Einschätzung ist schon, dass damit gespielt wurde, dass manche vielleicht keinen rechtlichen Schutz haben [also Freiberufler sind, d.Red.]. Dass sich immer knapp an der Grenze des Legalen bewegt wurde. Teilweise hatten wir am 9. oder 10. eines Monats unseren Lohn noch nicht. Unter uns hat man sich dann erzählt, dass die Mietzahlungen an die Stadt nur einmal getätigt worden sein sollen, ansonsten nicht.


GROOVE: Die finanzielle Schieflage des Clubs soll gegenüber dem Personal nicht oder zu spät kommuniziert worden sein. Stimmt das?

Lucas Pulkert: Ich habe immer, soweit es mir möglich war, klar und offen kommuniziert. Ich verstehe, dass manche Personen die Kontoauszüge gerne gesehen hätten, aber am Ende gibt es hier auch unterschiedliche Interessen, was veröffentlicht werden kann und was nicht.

Ab September sei immer wieder Trinkgeld nicht überwiesen worden, entgegen anderslautenden Vereinbarungen mit dem Personal. Das Personal sei zudem immer weiter hingehalten worden, Überstunden seien nicht ausgezahlt worden.

Lucas Pulkert: Da wir ein Cashless-Club sind, wurde Trinkgeld immer einen Monat versetzt ausgezahlt. Im letzten Monat vor der Insolvenz ist also eine Zahlung in der Insolvenzmasse gelandet, und der Insolvenzverwalter hat sich geweigert, diese freizugeben. Ansonsten wurde jeder Cent Trinkgeld ausgezahlt und teilweise auch von Mitarbeitenden verwaltet. Überstunden wurden ausbezahlt oder in Absprache mit uns als Freizeitausgleich genommen. Das galt außerdem nur für die sechs Gehaltsangestellten, von denen ich einer war. Der Rest war auf Lohn angestellt, da gibt es keine Überstunden.

Wir haben Stundenzettel außer in diesem einen Fall nur stichprobenartig kontrolliert und haben unseren Angestellten vertraut, alle Personen konnten Homeoffice nehmen, wie sie wollten, und ins Büro, wann immer es ihnen passte.

Von allen Mitarbeitenden gibt es genau drei Personen bei denen Lohnforderungen in die Insolvenzmasse aufgehen: Ich. Ich werde meine Lohnforderungen nicht anmelden. Eine angestellte Person, die schon relativ früh proaktiv angeboten hat, auf Teile ihres Gehalts zu verzichten und dieses vorerst als Forderung zu belassen, um das Projekt zu supporten. Sie war sich des Risikos bewusst und ist dieses bewusst eingegangen. Eine Person, die zwei Monate lang trotz mehrfacher Nachfrage ihre Stunden nicht eingetragen hat, weswegen es zu keiner Auszahlung kam. Nachdem sie sie eingetragen hat, haben wir ihr einen Monat ausgezahlt. Die Auszahlung des zweiten Monats fiel mit der Eröffnung des vorläufigen Insolvenzverfahrens zusammen. Alle anderen Mitarbeitenden haben Ihren Lohn vollständig erhalten.

Aufgrund fehlender Zahlungen haben letztendlich die Krankenkassen Insolvenz angemeldet. Die betreffenden Dokumente liegen uns vor. Die Miete an die Stadt sei vom Club irgendwann ebenfalls nicht mehr gezahlt worden. Ist das korrekt?

Lucas Pulkert: Das ist korrekt.


Mika: Alle Mitarbeitenden, egal ob kurzfristig angestellt, auf Minijobbasis oder festangestellt, haben Geld vom Insolvenzverwalter bekommen. Es gab neun festangestellte Personen: Zwei Bookingpersonen, ein Nightmanagement-Head, ein Secu-Head, eine Büro- beziehungsweise Personalkraft, drei festangestellte Technikpersonen, ein Gastro-Head.

Zum Trinkgeld: Im September und Oktober hat es gefehlt, im November wurde es irgendwann vom Insolvenzverwalter ausgezahlt, weil da die vorläufige Insolvenz angemeldet wurde. Im September hat Lucas im Arbeitstreffen sogar gesagt, dass er das Trinkgeld nicht überwiesen hat, weil das für ihn keine Priorität hat. Er habe andere Sachen zu tun, die ihm wichtiger sind. Es wurde nie pünktlich überwiesen, sondern immer viel, viel später. Wir haben Lucas erst privat erinnert, dann öffentlich über unser Crewtool Mattermost und auch bei den Arbeitstreffen. Er wusste davon und hat nicht pünktlich überwiesen.

DER ABLÖSEVERTRAG MIT DEM IFZ

Mika: Ich weiß, dass es eine vertragliche Abmachung über eine Auszahlung an die ehemaligen Betreiber:innen des IfZ gab. Die hat nicht stattgefunden. Das ist eine große Sache.

Welche Auszahlung?

Mika: Die Ablöse fürs IfZ, wodurch der Ablösevertrag rechtlich nicht zustande gekommen ist. Womit Lucas auf eine andere Weise wegkommt. Ich stelle mir die Frage: Warum sollte ich ein Unternehmen aufmachen und Personen, mit denen es einen Vertrag gibt, nicht auszahlen, obwohl das abgemacht ist?


GROOVE: Es soll ein Ablösevertrag mit dem IfZ aufgesetzt worden sein, der rechtlich aufgrund fehlender Mietzahlungen nicht zustande kam. Damit soll die Verantwortung für die Insolvenz bei den ehemaligen IfZ-Betreiber:innen liegen und die Übernahme des Clubs durch die neuen Betreiber:innen hinfällig sein. Ist das korrekt?

Lucas Pulkert: Zur internen Vereinbarung mit den ehemaligen IfZ-Betreibern kann ich mich alleine leider nicht äußern. Ich kann jedoch sagen, dass der beschriebene Sachverhalt nicht zutreffend ist.


GROOVE hat mit einer weiteren Quelle gesprochen, die sich zur Thematik wie folgt geäußert hat:

Die Vertragsidee war: Die IfZ-GbR verkauft der Axxon-N.-GmbH den kompletten Club: Inventar, Genehmigung, Know-How, Kontakte, Netzwerk. Das Axxon N. übernimmt damit eine fertig bespielbare Infrastruktur.

Das Axxon N. hat nicht bezahlt, ein Jahr lang mit und auf IfZ-Eigentum Betrieb gemacht, das IfZ hat dafür null Euro gesehen. In der Zeit lief es für das Axxon N. nicht so, wie man sich das vorgestellt hatte. Deswegen konnte man die Raten nicht bezahlen. Das heißt: Der komplette Club bleibt Eigentum des IfZ. Der Club und das gesamte Inventar fiel nicht in die Insolvenzmasse. In sie fällt nur, was dem Axxon N. gehört. Das gilt nicht für den Club, weil der Vertrag nicht erfüllt wurde.

Die Zahlungen an das IfZ wurden immer weiter hinausgezögert, das IfZ hat immer weiter Aufschub gewährt, weil man im eigenen Interesse wollte, dass der Betrieb weitergeht.

Mit dem Eigentümer der Räume, also der Stadt, wurde ein neuer Mietvertrag aufgesetzt, das Axxon N. hat aber nie Miete gezahlt. Der Vermieter war ebenfalls daran interessiert, dass weiterhin ein Betrieb stattfindet. Der Bebauungsplan sieht vor, dass die Räume langfristig als Club genutzt werden. Man könnte dort jederzeit Partys machen.


SCHLUSSBEMERKUNGEN

Lucas Pulkert: Ich selbst habe ein Jahr lang rund 60 bis 70 Stunden pro Woche nahezu ohne Gehalt gearbeitet und zusätzlich mit meiner Gruppe privat einen hohen Geldbetrag investiert. Umso schwerer schmerzt es mich, zu sehen, wie nun versucht wird, dieses Engagement für die ohnehin geschwächte Club- und Kulturszene aus persönlicher Kränkung heraus öffentlich in Frage zu stellen, weil eigene Wünsche und Visionen nicht zu 100 Prozent umgesetzt wurden. Zudem findet das erst statt, nachdem die Akteure aufgrund der Insolvenz gekündigt wurden und somit klar war, dass sie keinen weiteren eigenen Benefit und keinen Euro aus dem Club oder zukünftigen Projekten ziehen können. Außerdem bedauere ich, dass nun einzelne persönliche Enttäuschungen in einer Weise veröffentlicht werden, dass ein tolles Projekt, an dem in Summe 115 Leute gemeinsam gearbeitet haben und auf das sie wirklich stolz sein können und sind, im Nachhinein diskreditiert wird.


Ob der Begriff „diskreditieren” hier angebracht ist, sei dahingestellt. Eher ließe sich davon sprechen, dass Mika und die restlichen Personen, mit denen wir sprechen konnten, auf Missstände aufmerksam machten, unter denen sie selbst litten. Zum Abschluss dieses Artikels bleibt festzustellen, dass sich aufgrund der Quellenlage ein kontroverses Bild der Betreiber:innenebene des Axxon N. ergibt. Nach Betrachtung der obigen Punkte und diversen Hintergrundgesprächen ergibt sich ein Urteil, das überwiegend zugunsten der anonymen Quellen ausfällt. Deren Glaubwürdigkeit ist aus unserer Sicht nicht zu bezweifeln.

Die einzelnen Bereiche, zu denen wir Lucas Pulkert und unsere Quellen befragt haben, beeinflussen sich dabei gegenseitig: Weiche Faktoren wie offensichtliche Differenzen in der ideologischen Ausrichtung des Clubs spielen in greifbarere Sektoren wie die finanzielle Situation oder die Beziehung zwischen Betreiber:innen und Personal hinein. Geholfen ist damit niemandem: Nicht den Gründer:innen, nicht dem Personal und nicht der Leipziger Szene, die einen wichtigen Standort verliert und die in der Einleitung erwähnten hohen Ansprüche an Clubkultur nicht realisiert sieht.

In diesem Text

Weiterlesen

Features

Berlin-Atonal-Macher Laurens von Oswald über The Infinite Now im Berliner Kraftwerk: „Komm, bleib – und lass dich verändern”

22 Acts in 30 Stunden: Im Interview erklärt Laurens von Oswald, was es mit dem entgrenzten Format von The Infinite Now auf sich hat.

Peter Gombas über die Wahl in Ungarn: „Menschen sangen, umarmten sich, in der U-Bahn, auf den Straßen, Autos hupten, überall High-Fives”

Ungarns Clubszene atmet auf. Peter Gombas berichtet über das Ende der Repression und die neue Freiheit im Underground.

Watergate zum Start der Open-Air-Saison: „Die Leute wollten es, das Personal wollte es, die Stadt Berlin wollte es auch”

Die Watergate-Mitstreiter sprechen unter anderem darüber, was im SAGE geplant ist und wie sich die nomadische Arbeitsweise anfühlt.