Bradnolimits Hardtechno-Callout zieht weiter Kreise. Neben zahllosen Ausladungen stehen nun die Statements von Odymel und CARV im Zentrum, Fantasm und Basswell haben sich bisher nicht geäußert, Shlømo hatte die Vorwürfe zurückgewiesen.
Odymel erklärt in einem umfangreichen Statement, dass er unter sogenannter Sexsomnia leide. Diese Erkrankung habe ihn dazu gebracht, unbewusst mit einer Person nicht-konsensuellen Sex zu initiieren – nun werde der Fall mit der Betroffenen psychologisch und polizeilich aufgeklärt. Ein Urteil liegt noch nicht vor, überprüfen lassen sich diese Aussagen nicht. Odymel kündigte an, sich bis auf weiteres zurückzuziehen und seine Zeit mit Vertrauten zu verbringen.
Der deutsche Hardtechno-Künstler CARV veröffentlichte ebenfalls ein Statement. Darin räumt er ein, intime und zum Teil explizite Nachrichten und Bilder verschickt zu haben. Dennoch betonte er, es habe sich um „kein nicht-einvernehmliches Verhalten und kein strafbares Fehlverhalten” gehandelt. Dennoch bezeichnete er sein Verhalten als Fehler und erklärte: „Ich war zu diesem Zeitpunkt verheiratet. Ich habe die Person verletzt, die mir am meisten vertraut hat.”
CARV kündigte ebenfalls an, sich vorerst aus der Öffentlichkeit zurückzuziehen: Er müsse „Verantwortung im realen Leben übernehmen und [sein] Handeln reflektieren”, bevor er wieder öffentlich auftrete, heißt es in dem mit dem Vornamen Fritz unterzeichneten Statement.
Zu den ebenfalls in den Beiträgen häufig genannten Künstlern gehören Fantasm und Basswell. Beide haben sich zum jetzigen Zeitpunkt nicht öffentlich zu den Vorwürfen geäußert.
Auch aus dem erweiterten Umfeld der Szene folgten erste Reaktionen. Der Veranstalter und Promoter UrbanlePharaon erklärte in einem Statement, die Vorwürfe seien „ernst” und die Stimmen der Betroffenen wichtig; man habe daher die Zusammenarbeit mit einer betroffenen Person beendet und sämtliche Aktivitäten der Plattform HEADSHOT vorübergehend ausgesetzt, um den Beschuldigten keine weitere Bühne zu bieten.
Parallel kündigten einzelne Artists bereits konkrete Konsequenzen an: So erklärte VTSS öffentlich, ein geplantes b2b-Set mit Odymel auf dem Glitch Festival in Malta abzusagen.
Weitere Events reagierten mit kurzfristigen Line-up-Änderungen oder Absagen: Das Digi™ Culture & Music Festival in Canberra sowie das australische Pitch Music & Arts bestätigten, dass Odymel nicht mehr auftreten wird. Auch das HEXON aus Bielefeld entfernte betroffene Acts vorläufig aus seinem Programm.
Weitere Veranstalter zogen ähnliche Konsequenzen: Das mexikanische Rebels sagte einen geplanten Auftritt von Basswell ab, während Clubs und Events wie das in Ferropolis stattfindende HIVE, Arena Rave, Tanz der Bässe und Airbeat One erklärten, die genannten Künstler bis auf weiteres aus ihren Line-ups zu nehmen oder kommende Bookings zu überprüfen. In Mannheim sagte der Club Das Zimmer zudem eine geplante Veranstaltung mit CARV kurzfristig ab.
Auch der britische Veranstalter Teletech reagierte auf die aktuellen Entwicklungen. In einem Statement erklärte das Team, man nehme die Vorwürfe sehr ernst und habe betroffene Artists aus den Line-ups der kommenden Shows entfernt. Eine Aufarbeitung der Problematik und eventueller Vorfälle auf den eigenen Veranstaltungen wird allerdings nicht angekündigt.
Auch mehrere Festivals aus Südamerika positionierten sich gemeinsam zu den Entwicklungen. Die Veranstalter von Doom, Respira und Heiss veröffentlichten ein gemeinsames Statement, in dem sie betonen, Hinweise auf Fehlverhalten ernst zu nehmen und ihre Line-ups entsprechend überprüft zu haben.
Parallel geriet auch das niederländische Dominator Festival in die Kritik, nachdem weiterhin mit Vorwürfen konfrontierte Künstler im Line-up auftauchten. Auch mehrere internationale Kollektive und Promoter meldeten sich mit einem gemeinsamen Statement zu Wort. WORK, Dirty Epic, RE/FORM, Synthetik Minds und 6AM erklärten, man wolle die aktuellen Entwicklungen zum Anlass nehmen, eigene Booking-Prozesse und interne Strukturen zu überprüfen sowie Standards rund um Sicherheit, Verantwortung und Community-Schutz weiter zu stärken.














