Das Shifted Festival ist aus den Partys des Berliner Kollektivs Fhainest hervorgegangen, das in der Pandemie entstanden ist. Unsere Autor:in Johanna Lühr hat der Veranstaltung am Südostrand Brandenburgs einen kurzen Besuch abgestattet und Musik, Outfits und Kulinarik gecheckt.
Es ist Samstagnachmittag, als wir auf dem Shifted ankommen. Das Festivalgelände liegt bei Niedergörsdorf auf einem ehemaligen Flugplatz. Der Eingang ist so platziert, dass wir nach dem Einlass zunächst einmal am gesamten Campingplatz vorbeilaufen müssen. Aus zahlreichen Pavillons dröhnt bereits schneller Techno.
Schließlich erreichen wir den Torbogen mit dem großen „SHIFTED”-Schriftzug. Dahinter wartet direkt der kleine Foodcourt. Vereinzelt sitzen Leute mit Pizza, Lángos und Crêpes auf Bierbänken. Rechts daneben performen etwa 15 Menschen die Texte von Katy Perry und Peter Fox. Auf der kleinen Karaoke-Stage treffen zwar nicht alle die Töne, dafür wird enthusiastisch und in bester Stimmung hin und her gehopst.

Wir besorgen uns Drinks. Bezahlt wird per Cashless-Armband, auf das wir vorsorglich 50 Euro geladen haben. Ein Gin Tonic kostet acht, ein großes Bier fünf Euro. Nun geht es zu den Bühnen, die sich allesamt in einem kleinen Waldstück befinden und Groove Garden, Dreamstate und Iron Forest heißen.
Gar nicht dreamy
Unsere erste Station: Dreamstate. Ganz so dreamy, wie der Name vermuten lässt, geht es hier allerdings nicht zu. Es ist gerade einmal 16 Uhr, trotzdem läuft bereits harter Techno mit locker 145 BPM. Ein Blick auf den Timetable verrät, wer spielt: Sektor69. Vor der Bühne tanzen etwa 50 Menschen. Einige mit vollem Hüft-Elan, andere im kraftlosen Two-Step. Die fehlende Einigkeit beim Energielevel macht dafür der Dresscode wett.
Besonders beliebt in der Hardtechno-Community: Camouflage-Hosen, in allen Längen und Zuständen. Manche sind noch ganz, die meisten haben jedoch Risse und Löcher. Dazu kommen Miniröcke, oder besser gesagt: Mikroröcke, ganz freizügig nach dem Motto: weniger ist mehr. An den Füßen dominieren klobige schwarze Boots, Nike Shox oder Cowboystiefel in allen erdenklichen Farben.

Obenrum wird ebenfalls eher sparsam gearbeitet. Durchsichtige Tops, Bikini-Oberteile und Tanktops, so weit das Auge reicht. Einige Männer verzichten gleich ganz auf ein Shirt. Andere zeigen in Form von Backprints Flagge: 44 Label Group, Tresor, RSO. Nieten, Glitzer, Piercings und Tattoos funktionieren dabei unabhängig vom Geschlecht als verbindendes Accessoire.
Das ist doch Trance
Wir ziehen weiter zum Groove Garden. Hier läuft, so unser erster Eindruck, eine Mischung aus Eurodance und Pop-Techno. Ein Festivalbesucher klärt uns auf Nachfrage auf: Das sei Trance. Getanzt wird dazu allerdings anders, als man es aus alten Trance-Videos aus den Neunzigern kennt. Weniger hypnotisch, dafür aufrecht und ausgesprochen hüftbetont. Die Arme werden vor dem Körper gehalten und im schnellen Rhythmus von links nach rechts bewegt. Es sieht ein wenig so aus, als würde man bei einem Marathon zuschauen.

Nach einiger Beobachtungszeit suchen wir uns eine ruhigere Ecke. Das gestaltet sich schwieriger als erwartet, denn das Shifted scheint den Fokus deutlich mehr auf energetische Mainstage-Manier statt auf Chillout-Oasen zu legen. Schließlich finden wir ein paar Holzbänke und beobachten das Geschehen aus sicherer Entfernung. Wenig später setzen sich zwei Männer auf die Bank zu unserer Linken. Der eine ist offensichtlich schon sehr gut gelaunt, der andere will es werden. Er trägt Leinenhemd und die passende Leinenshorts, dazu weiße Nike Air Force. Rein oberflächlich würde ich ihn viel eher im Pacha auf Ibiza verorten als auf einem Hardtechno-Festival. Sein Kumpel dagegen hat sich für Camouflage-Shorts, schwarze Doc Martens, ein Klangkuenstler-Shirt und eine nietenbesetzte Cap entschieden.

Die beiden packen ihre matroschka-artig ineinander gebastelten Baggies aus. Der Klangkünstler-Fan bietet uns ein Katzengeräusch an. Wir lehnen dankend ab und fragen stattdessen, wie er die Musik auf dem Festival beschreiben würde. „Geil”, lautet seine erste Einschätzung. Dann wird er etwas konkreter: Hardbounce, Schranz, Hardtechno und Trance. Besonders freue er sich auf Nikolina, die später im Iron Forest spielen wird. Ein Blick auf die Uhr verrät: Bis dahin bleibt dem Klangkünstler-Fan noch viel Zeit, seine Ware loszuwerden. Beide ziehen ihre Bahnen und verschwinden wieder im Groove Garden.
So jung kommen wir nicht mehr zusammen
Wir stiefeln weiter zum Iron Forest, mal schauen, wo Nikolina auflegen wird. Der Floor ist allerdings noch verschlossen und öffnet erst am späteren Abend. Also zurück zur Dreamstate.

Inzwischen hat Überkikz die Decks übernommen. Der schnelle Techno vom Nachmittag ist einem deutlich reduzierteren Sound gewichen. Hypnotischer Minimal läuft über die Anlage, der Floor füllt sich langsam. Wir tanzen eine Weile und einigen uns bald darauf, den Heimweg anzutreten.
Mit ausgesprochen guter Pizza geht es zurück zum Parkplatz, an den vorglühenden Camps vorbei und einig darüber, dass wir wohl zu alt oder vielleicht auch nur zu nüchtern sind, um bei der Shifted-Energie mitzuhalten.