Vom 13. bis 16. August findet in Frankfurt das Open-Air-Festival Module statt. Mitten im Stadtraum und bei freiem Eintritt will die Veranstaltung einen offenen Begegnungsort schaffen, der die Schnittstellen von gestaltender Kunst, gesellschaftlicher Teilhabe und Clubkultur erfahrbar macht. Neben Workshops, Bau-Aktionen und Diskussionen bildet ein breit gefächertes Musikprogramm das Herzstück des Festivals.
Verantwortlich für dieses Programm ist Oliver Hafenbauer. Er prägt die Frankfurter Szene seit Jahrzehnten als Wegbegleiter, Booker und Labelmacher. Im Gespräch mit GROOVE-Chefredakteur Alexis Waltz erklärt er, wie sich Gestaltung und Demokratie im öffentlichen Raum ergänzen. Und weshalb die Frankfurter Clubkultur heute mutige Freiräume benötigt.
GROOVE: Das Module steht unter dem Motto „Design for Democracy”. Was haben für dich Design und Demokratie miteinander zu tun?
Oliver Hafenbauer: Es geht dabei um die Kernfrage: Wie gestalten wir Räume und Prozesse, die allen zugänglich sind? Design gestaltet nicht nur Produkte, sondern die Bedingungen unseres Alltags. Es prägt die Räume und Strukturen, in denen wir leben. Das deutsche Wort „Gestaltung” beschreibt es sogar noch treffender. Demokratie benötigt physische Orte, an denen Begegnung stattfinden kann. Mitten in Frankfurt nutzen wir den ehemaligen Universitätscampus genau dafür – draußen und mit freiem Eintritt.

Wie kommt da elektronische Musik ins Spiel?
Elektronische Musik und Clubkultur bringen eine soziale Dimension mit: Sie waren schon immer ein Fluchtpunkt für Menschen, die im funktionalen Alltag an Grenzen stoßen. In ihren wichtigsten Momenten bietet Clubkultur einen Schutzraum und das Erleben von Gemeinschaft auf Augenhöhe.
Du bringst jahrzehntelange Booking-Erfahrung im Musikbereich ein, zugleich kommt ein ganzes Spektrum zusätzlicher Sparten dazu. Wie hast du das Programm entwickelt?
Ich schaue bei der Kuration immer aus unterschiedlichen Blickwinkeln auf das Programm: Es braucht die Balance zwischen etablierten Positionen und neuen Artists. Genauso wichtig ist es, Communitys nicht nur einzuladen, sondern sie direkt an der Programmgestaltung zu beteiligen. Ein Line-up wird erst dann lebendig, wenn man lokalen Kollektiven oder Nachwuchsnetzwerken Freiraum lässt.

Die ada_kantine und studio formagora bieten Möbelbau an, FRAUEN*BAUEN Hockerbau, Lukas Marstaller macht einen Druckworkshop, das DAM die LegoBaustelle und das NODE Forum for Digital Arts bietet Live Coding an. Wofür stehen diese Akteur:innen und deren Praktiken?
Akteur:innen wie studio formagora oder FRAUEN*BAUEN verknüpfen Design mit Ressourcenbewusstsein und sozialer Praxis. Bei dem Workshop von Lukas Marstaller wird das Festivalgelände die Grundlage für ein mobiles Grafikstudio, während NODE niedrigschwelligen Zugang zu digitalen Werkzeugen schafft. Das Deutsche Architekturmuseum zeigt mit der LegoBaustelle, wie intuitiv ein Architekturverständnis anfangen kann.
Bei Design geht’s ums Machen. Welche Rolle spielt das Diskursive, das bei Module von Dash Press, Heart Directors Club, Missy Magazine und Nina Sieverding ausgefüllt wird?
Die Hostings der jeweiligen Tage auf der Discourse Stage gehen dem nach: Der Heart Directors Club beleuchtet aktivistische Typografie, Dash Press hinterfragt die Ökonomie des independent-Publizierens, das Missy Magazine adressiert feministische Perspektiven und Awareness im Nachtleben. Und bei Nina Sieverding von The Thing wird der Sinneswandel im Designberuf diskutiert.
„Alle gebuchten Artists verbindet eine konsequente künstlerische Eigenständigkeit und ihre Rolle als musikalische Impulsgeber:innen.”
Nun zur Musik: Suzanne Ciani, Skee Mask, Roza Terenzi, upsammy, Rosa Anschütz, LUXE, Maria Somerville oder GRENZKONTROLLE – ein beachtliches Spektrum. Warum sind dir diese Persönlichkeiten wichtig, und was drückt ihr Zusammentreffen aus?
Mir ging es darum, den Gedanken eines klassischen Indie-Festivals aufzugreifen. Ein gutes Festival zeichnet sich durch Entdeckungsfreude und Vertrauen in die Kuration aus. Alle gebuchten Artists verbinden eine konsequente künstlerische Eigenständigkeit und ihre Rolle als musikalische Impulsgeber:innen.

Bambi, Bibi Seck, C.K, DJ Stelze, Elvira, FAFF, Jenne, Minju, ms eleo, nät works, QT-XTC, Udda, valerie, hitekjaz, n9oc, yungfya: Du hast auch einen originellen Mix jüngerer Artists gebucht. Wofür stehen sie musikalisch, und was für einen Schritt in der Clubkultur Frankfurts markieren sie?
Diese Auswahl steht für eine zeitgenössische Clubkultur. Musikalisch reicht das von House über UK-Bass-Einflüsse bis hin zu New Wave. Die Nachmittage auf der Refuge-Worldwide-Stage werden von den vier lokalen Akteur:innen aaron, cmjk, Febi und ZSZS kuratiert. Sie stellen jeweils ein Tagesprogramm zusammen und geben jungen Artists eine Plattform.

Du hast als XS-, Omen- und Dorian-Gray-Gänger, Robert-Johnson-Booker, EOS-Radio- und Die-Orakel-Macher diverse Etappen der Frankfurter Clubkultur miterlebt und mitgestaltet. Wo steht sie für dich heute?
Nach Jahren, die von Gentrifizierung und Verlust vieler Venues geprägt sind, eignet sich eine neue Generation Räume heute flexibler und dezentraler an. Das künstlerische Potenzial in der Region Frankfurt und Rhein-Main ist hoch, die klassische Musik- und Clublandschaft aber überschaubar. Der Frankfurter Kulturentwicklungsplan bringt es auf den Punkt: Wir müssen Kultur im öffentlichen Raum als demokratische Ressource verstehen und spartenübergreifend denken. Und genau dort möchte das Module Festival ansetzen. Die Frankfurter Clubkultur emanzipiert sich vom reinen Nachtbetrieb hin zu einem anderen Selbstverständnis. Die Energie und das Potenzial dafür sind da. Man muss der Szene jetzt die nötigen Freiräume und finanzielle Unterstützung zugestehen.

GROOVE präsentiert: Module Festival
13. bis 16. August
Kulturcampus Frankfurt