Russland: Clubbetreiberin zu vier Jahren Haft verurteilt

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Tatiana Zorina wurde wegen der Teilnahme an Aktivitäten einer angeblich extremistischen Organisation vom Ingodinski-Bezirksgericht in Tschita zu vier Jahren Haft verurteilt. Das Urteil bezieht sich auf den Vorwurf, Zorina habe in ihrem Nachtclub Tochka (früher Jackson) die „internationale LGBT-Bewegung” unterstützt. Ein solcher Zusammenschluss existiert konkret in Russland nicht, wurde aber am 23. Oktober 2024 als extremistisch eingestuft.

„Die Verurteilung von Tatiana Zorina ist ein drastisches Beispiel dafür, wie Russlands Missbrauch der ‚Extremismus’-Gesetzgebung in eine offene Verfolgung von LGBTI-Menschen und ihren Verbündeten eskaliert ist”, kommentiert Marie Struther, Direktorin von Amnesty International für Osteuropa und Zentralasien, im oben verlinkten Beitrag. „Der Betrieb eines privaten Veranstaltungsortes, der als sicherer Ort für LGBTI-Personen gedacht ist, ist kein Verbrechen. Die Verweigerung dieses Rechts ist verwerflich.”

Im Club Tochka, gelegen im Südosten Russlands in der Nähe der mongolischen Grenze, wurde 2024 eine Razzia durchgeführt. Später wurde Zorina vorgeworfen, sie habe im Keller des Clubs Dragshows und Orgien veranstaltet. Daraufhin stand sie für zwei Monate unter Hausarrest. Sie ist gerade mal 23 Jahre alt und wurde zusätzlich zu den vier Jahren Haft für denselben Zeitraum mit einem Verbot der Leitung öffentlicher Vereinigungen, sprich: ihrem Club, belegt. „Sie verdiente dort übrigens kein Geld”, gab ein Bekannter von ihr gegenüber der Nachrichtenseite chita.ru zu Protokoll. „Die Gäste waren dort zum Vergnügen. Dasselbe gilt für Tatiana. Sie pflegte zu sagen: ‚Meine Freunde sind dort, meine Familie ist dort.’”

Amnesty International verlangt ihre sofortige Freilassung und die Aufhebung der Gesetze, die das Leben von LGBTIQ+-Personen Gruppe maßgeblich einschränken.

Queere Menschen werden in Russland nicht nur von diesem Gesetz bedroht. Im Zeitraum von 2010 bis 2020 hat eine Studie 1.056 Hassverbrechen gegen 853 Personen verzeichnet, 365 davon endeten tödlich. Seit das Gesetz gegen „Propaganda für Homosexualität” Anfang 2013 verabschiedet wurde, verdreifachte sich homophobe Gewalt. Nach Angaben des Russian LGBT Network bilden diese Fälle lediglich zwischen zwei und sieben Prozent der Hassverbrechen ab, die angegebenen Zahlen deckten ausschließlich strafrechtlich verfolgte Fälle ab.

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