Bettina Köster: Malaria!-Sängerin verstorben

Bettina Köster ist am 16. März im süditalienischen Capaccio Paestum verstorben, wie ihre Freunde in einer Pressemitteilung bekanntgaben. Zur Todesursache ist noch nichts bekannt.

Köster war eine bedeutende Stimme der Berliner Avantgarde- und Post-Punk-Szene, bekannt geworden ist sie durch ihre Band Malaria!, an der unter anderem Gudrun Gut beteiligt war. Der größte Hit des Gruppe war „Kaltes Klares Wasser”. Ihr spröder Gesangsstil, das androgyne Styling und das von Köster verkörperte emanzipierte Frauenbild machten sie zur Ikone der queeren Subkultur.

Mit zehn Jahren aus dem nordrhein-westfälischen Herford nach Berlin gekommen, erlebte Köster die aufkommende Punk-Bewegung Ende der Siebziger und war maßgeblich Teil von ihr. Neben dem SO36 und dem Dschungel, wo Größen wie David Bowie und Iggy Pop verkehrten, war auch das Eisengrau in der Goltzstraße 37 in Schöneberg einer der Szenetreffpunkte, etwa für die Mitglieder der Einstürzenden Neubauten. Diesen „Concept-Store”, wie Köster ihn nannte, machte sie mit ihrer Bandkollegin Gudrun Gut zur Anlaufstelle für die damalige Underground-Szene. Dort gab es Underground-Mode, Super-8-Filme und Kunst zu sehen.

Bettina Köster und Gudrun Gut auf dem Cover von „Beat the Distance” von 1984
Bettina Köster und Gudrun Gut auf dem Cover von „Beat the Distance” von 1984

Aus der Vorgängerband Mania D. mit fünf anderen Frauen folgte Malaria!, die weltweit erfolgreich waren. Ihre rauchige, tiefe Stimme verlieh Köster den Spitznamen „Hildegard Knef des Punk”. Von BBC-Radioreporter John Peel wurde die Komponistin, Autorin und Musikproduzentin Queen of Noise genannt. 2009 benannte sie ein Album danach. Im West-Berlin der Achtziger war sie der Inbegriff der coolen, selbstbewussten Frau, die Rock’n’Roll und Unabhängigkeit verkörperte.

Auch für große Namen aus der Techno-Kultur ist Bettina Köster bedeutsam, zumal sie in der Zeit relevant war, in der elektronische Musik und Punk immer mehr miteinander zu verschmelzen begannen und sich unzählige Sub-Genres bildeten. Der Frankfurter Musikproduzent Jörn Elling Wuttke und auch der britische Musikproduzent und Labelbetreiber Mark Reeder kondolierten der Verstorbenen auf Instagram, ebenso die langjährige Wegbegleiterin Gudrun Gut.

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