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Februar 2026: Album des Monats

Die Mixe des Monats aus dem Februar findet ihr hier, das Motherboard hier, die Compilations hier, Teil 1 der Alben hier, Teil 2 der Alben hier.

Soreab – CU (POLAAR)

CU, see you, bis dann – na klar, das wird so dahingesagt, schön unverbindlich und oft genau gegenteilig gemeint: See you auf keinen Fall mehr oder zumindest nicht so schnell. CU kann aber auch „completely unstable” bedeuten, ein Zustand, der vielen Menschen im Hier und Jetzt nicht unbekannt sein dürfte und mit dem sich auch Dario Picchi alias Soreab eine ganze Weile herumschlagen musste. Künstler:innen können in solchen Fällen, wenn es gut läuft, die negative oder durcheinander geratene Energie in Richtung Kreativität umleiten, und wenn es besonders gut läuft, einen Heileffekt daraus ziehen. Dies scheint Soreab gelungen zu sein.

Oft gehen solche künstlerischen Ummünzungen psychischer Tiefs allerdings für die Rezeption, sprich: die Hörer:innen, schief. Da schwingt dann zu viel Befindlichkeit und schlimmstenfalls Erleuchtungsschwurbelei mit, was echte Musikinteressierte nicht unbedingt mitkriegen wollen. Ein Glück liegt hier der Fall anders, Picchi kanalisierte seinen Seelendruck in zehn inspirierte und auffallend abwechslungsreiche Tracks.

Alle Titelnamen beginnen mit „CU”, jedem wird zusätzlich eine Zahl zugeordnet. Los geht es erwartungsgemäß mit „CU1”, einem knalligen Wachrüttler, der stilistisch angesiedelt zwischen Industrial und IDM mit dicken Bassdrumschlägen Aufmerksamkeit einfordert und diese wegen nicht zu ignorierender Eindringlichkeit auch bekommt – sonst hilft nur Abschalten, aber das wäre ein Fehler, denn, wie gesagt, dieses Album lebt zu einem großen Teil von seiner Abwechslung. Das zweite Stück heißt wider Erwarten „CU7”, hat mit Geballer und sonischer Vereinnahmung nichts zu tun, sondern versprüht über eine zurückhaltende 4-to-the-Floor-Kick Ideenreichtum auf Sound- und Arrangementebene. Ist das Techno? Klar, nur eben keiner von der Stange. Es folgt „CU12”. Aber folgt da wirklich was? Oder spinnt die Maschine? Der Track fadet ein und entpuppt sich als dunkeldämonisches Gruselkabinett und Vertonung gefürchteter Seelenzustände.

Aber weil bei Soreab eben nicht lamentiert wird, galoppiert „CU13” danach auf belebenden 165 BPM in Richtung psychischer Befreiungsschlag: „Weiche von mir, Dämon, sonst killt dich eine Salve aus meinem Soft-Synth-MG!” Auch dieser Track bleibt trotz seiner Härte gleichzeitig feinfühlig und überraschend, sollte ein Hit in allen Techno-Clubs, denen Musik wirklich am Herzen liegt, werden. Was muss danach kommen? Na klar, durchatmen, ausschütteln, Gift ausspucken. Sechs Minuten Minimaltriolengezappel mit geschlossenen Augen, die Ohren klammern sich fest am hohen Streicherbordun, die Gliedmaßen machen, was sie wollen – was sie sollen.

Keine Ahnung, wie das hier weitergeht, Vorhersehbarkeit hat Soreab auf diesem Album-Trip perfekt umschifft. Jetzt kommt also „CU2”, see you too, ok, sind wir so weit? Stehen uns gegenüber und hören uns zu? Funktioniert. Keine Beats, aber rhythmisches Oszillatorengeblubber und Lasergunsounds aus dem 70er-Fiction-Soundtrack-Archiv. Wir passen auf, dass wir nicht ins Sperrfeuer geraten. Aufmerksamkeit geweckt, danke. Jetzt heißt es wirklich mal abschalten, Reflektions-Stop – haste gedacht. „CU6” schaltet nach 30 Sekunden einlullender Sweetness wieder den garstigen Synthesizer an, dazu blubbern die Magensäfte anderer Maschinen um die Wette und die Chords singen „Sehnsucht, ich such‘ dich”. Aber es folgt kein Abspann, das schwelende Erlösungs-Lichtlein ersticken drei weitere Tracks zwischen Bedrückung und dem Schlund der Begierde brüsk.

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