Avalon Emerson – 040 (AD 93)

Avalon Emerson – 040 (AD 93)

„Rotting Hills” war einer, aber nicht der Standout-Track auf Avalon Emersons fulminantem Mix für die DJ-Kicks-Serie – den Titel kann nur ihr Magnetic-Fields-Cover für sich beanspruchen. Nun erscheint „Rotting Hills” in der Originalversion und als Edit auf AD 93 und macht mit seinen sehnsüchtig flirrenden Synth-Tönen und dem schubbernden Beat immer noch gute Laune. Er erinnert dabei allerdings stark an ihren Überhit „The Frontier” aus dem Jahr 2016, welcher seinerzeit ebenfalls auf Nic Taskers Label erschien. Der Edit stampft das Original lediglich auf Radio- beziehungsweise Spotify-Workout-Playlist-Länge zurecht. Mit „Winter and Water” und „One Long Day Till I See You Again” stellt die US-Amerikanerin dem zwei eher ungewöhnliche Tracks anbei: Der erste erinnert mit seinen naiven, new-ageigen Akkorden und dem stolprigen Midtempo-Beat eher an eine RAMZi-Nummer, unterscheidet sich aber durch das Emerson-typisch aufgeräumte Sounddesign deutlich von deren Fünfte-Welt-Visionen. Der Zweite ist ein beatloses Stück, das sich auf die knubbeligen Blubber-Synths fokussiert, die ihre Ästhetik maßgeblich prägen. Es klingt, kurz gesagt, als hätte Mort Garson mit Ableton 11 den Soundtrack einer Mario-Kart-Piste eingespielt: freundlich, aufgekratzt, humorvoll und sorgenfrei. 040 soll dementsprechend wohl gleichermaßen als Serviceleistung (bitteschön, der Banger) wie als Statement (aufgehorcht, die Experimente) verstanden werden, ist im Endresultat genau deshalb jedoch etwas durchwachsen. Kristoffer Cornils

Gen-Y – Saturn Flow EP (Clone West Coast Series)

Gen-Y - Saturn Flow EP (Clone West Coast Series)

Am coolsten von allen Planeten ist immer noch Saturn. Wussten unter anderem schon X-102, und auch der Produzent Gen-Y hat seine dritte EP dem Himmelskörper mit den Ringen gewidmet. Der Saturn Flow ist bei ihm deutlich weniger brachial als zu Underground-Resistance-Zeiten, doch die energische Electro-Synkopierung des Titeltracks kann einen schon kräftig Richtung outer space katapultieren. Jazzig aufgekratzte Breaks mit Rap gibt es in „R U Ready”, klassischen Electro Detroiter Schule, ebenfalls mit Rap, dann in „Unite”. Mit „OK OK” kommt ein extraterrestrischer Funk ins Spiel, der in seiner Lässigkeit zugleich den Höhepunkt der Weltraumreise bildet. Bei den Orgelakkorden von „Feel Like We Used 2” und zurückgenommenem Breakbeat lässt es sich danach ein wenig entspannen, wäre da nicht die Gravitationsanziehung des Subbasses. Der ruhigste Moment kommt schließlich mit „Tha Hobbyist”, in dem sich Deep-House-Akkorde und staubtrockener Beat formschön verbinden. Weckt interstellare Bedürfnisse. Tim Caspar Boehme

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Huerta – Dog At Sea (Leizure)

Huerta – Dog At Sea (Leizure)

Mit Leizure startet der in Berlin lebende und aus L.A. stammende Produzent Steve Huerta sein eigenes Label nach Veröffentlichungen auf Slow Life, Dirt Crew, Small Hours und Voyage Recordings – um nur einige zu nennen. Die Labels stecken einen Claim ab, der für einen smoothen, house-orientierten, aber nicht retroverliebten Sound steht. Mit Dog At Sea bleibt der Kalifornier dieser eingeschlagenen Richtung treu. Anders als auf seinem recht vielschichtigen Album Junipero peilt die EP aber ganz und gar den Dancefloor an. Die Tracks sind schnell und gerne ein gutes Stück jenseits der 127 BPM-Schallgrenze angesiedelt, und anders als auf seiner Slow-Life-Maxi verzichtet Huerta auf seinem Leizure-Debüt auch komplett auf Breakbeats ; alle drei Stücke auf Dog At Sea stürmen geradeaus nach vorne und vermitteln dadurch trotz hundertprozentig housigem Sounddesign ein technoides Grundgefühl, gepaart allerdings mit einer speziellen Sanftheit, die sowohl das Tempo als auch das Rhythmisch-Zwingende der Tracks raffiniert konterkariert. Gerade dieses Spannungsfeld macht die Stücke so überzeugend und zu hochkarätigem DJ-Handwerkszeug. Spätestens jetzt könnte trotz aller Freude über diese gute Platte wieder die grassierende Betrübtheit einsetzen, aber nix da: Parole: Möbel aufdie-Seite und rauf auf den Home-Floor! Mathias Schaffhäuser

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North Satellite – A Rising Sign (Startree)

North Satellite - A Rising Sign (Startree)

Es klimpert, scheppert, raschelt und blubbert. Eugene Tambourine alias North Satellite webt auf seiner EP A Rising Sign unterschiedliche Texturen in seine Musik ein. Diese lässt sich ebenso schwer auf einen Punkt festnageln, findet sie doch einen Kompromiss irgendwo zwischen Downtempo und House mit verschiedensten Einflüssen wie Salsa oder IDM. Die vier Tracks der EP verbindet die Offenheit des New Yorkers, verschiedene Soundelemente und Einflüsse in einzelnen Songs zu komprimieren. So ist „Le Lagon Noir” Tambourines Interpretation von Laurie Andersons „Blue Lagoon”. Zu einer mit Trommeln, Keyboard und Rasseln angereicherten Soundlandschaft, die durchlässig wie Wasser ist und zugleich erdige Töne zulässt, gibt DJ Camille Vourzay den Text auf Französisch wieder. Der Titeltrack hingegen besticht mit verspieltem E-Piano und kaskadierendem Glockenspiel, während „Love Is On The One” mit komischen Klängen, fluffigen Grooves und einem gesungenem Liebesgeständnis nach dem Himmel greift. A Rising Sign gibt sich Genre-technisch offen und kommt mit sanfter Beschallung daher. Und doch entdeckt man bei jedem Hören neue klangliche Dimensionen. Louisa Neitz

Surgeons Girl – A Violet Sleep EP (Livity Sound)

Gen-Y - Saturn Flow EP (Clone West Coast Series)

Stotternd beginnt der erste Track der Debüt-EP von Surgeons Girl auf Livity Sound. Er klingt nach Stimmmanipulation, was einen ruckeligen Rhythmus erzeugt. „Clouded Temper | Small Steps” bleibt ohne Drums, entwickelt sich aus diesem wiederkehrenden Muster heraus, das zeigt, dass Sprache Rhythmus ist. Überhaupt erschafft die Produzentin aus Bristol Bewegung nicht hauptsächlich aus Percussion, sondern aus den Klängen modularer Synthesizer. Auch wenn bei den anderen drei Tracks Drums und Beats dazukommen, die sie in Richtung Club schieben und auf House und Techno einpegeln, entsteht die fesselnde Kurzweiligkeit aus den pulsierenden, strahlenden Synthesizer-Landschaften. Die tolle Balance zwischen Druck und Entspannung macht A Violet Sleep zu einer faszinierenden Klangwelt für beruhigende Gedankenspiralen auf und neben der Tanzfläche. Philipp Weichenrieder