Grafik: closecontact

Ein Team aus Berliner Musiktechniker*innen hat den Service closecontact entwickelt, der den vielen lokalen Clubbetreiber*innen die Aufnahme von Kontaktdaten erleichtern soll. Wie das funktioniert und wie die Idee dazu entstanden ist, hat uns die Initiatorin und Entwicklerin Kat Young erklärt.


Wie funktioniert closecontact? Was passiert, wenn sich ein Gast als infiziert meldet?

closecontact funktioniert, indem es aus den Kontaktdaten der User einen verschlüsselten Pass erstellt, den man speichern und immer dann verwenden kann, wenn man ausgeht. Clubs, die closecontact verwenden, scannen den Pass an der Tür und bewahren die Informationen 30 Tage lang auf für den Fall, dass bei der Veranstaltung eine positive COVID-19-Infektion gemeldet wird. In einem solchen Fall kann die Clubverwaltung bestimmte Daten entschlüsseln und herunterladen, um sie an das Gesundheitsamt zur Ermittlung von Kontaktpersonen weiterzuleiten.

Warum habt ihr closecontact als Alternative dazu entwickelt, dass Clubs und Veranstaltungsorte die Daten der Gäste selbst erfassen?

Anfang April konnte ich bei der Wiedereröffnung der Clubs in Asien beobachten, wie dort die Kontaktverfolgung abläuft. Ich bin davon ausgegangen, dass dies auch in Berlin geschehen muss. Also sprachen wir mit einigen Klubs und der Clubcommission, die bestätigten, dass die Spielorte für den Fall der Wiedereröffnung darüber nachdenken, wie sie die Informationen der Gäste sammeln und speichern können. Ich habe dann ein Team von befreundeten Musiktechniker*innen zusammengebracht, um mit dem Aufbau einer digitalen Lösung zu beginnen, die es den Clubs erleichtern soll, die Informationen zu sammeln, zu speichern und auch wieder zu löschen. Und zwar auf eine Art und Weise, die privater und sicherer ist als Stift und Papier. 

Wie stellt ihr sicher, dass die Daten der Nutzer*innen geschützt sind?

Bei der Entwicklung von closecontact haben wir drei Prinzipien zur Datensicherheit aufgestellt – minimal, kurzlebig und verschlüsselt. Wir benötigen von vornherein so wenig Daten wie möglich und wir speichern die Daten nicht. Man erlaubt den Zugang zu den Daten nur, wenn es unbedingt notwendig ist – an der Clubtür. Und wenn wir sie dann speichern, geschieht das verschlüsselt. Wir löschen den Ausweis 30 Tage nach dem Einchecken aus den Unterlagen des Veranstaltungsortes. Das Türpersonal kann die Informationen nicht sehen, andere Personen in der Schlange können sie nicht sehen und  die Clubverwaltung kann nur dann auf die Daten zugreifen, wenn sie sie für die Gesundheitsbehörden benötigen. Auch wir als Dienstleister haben niemals Zugang zu den unverschlüsselten persönlichen Daten.

Wie stellt ihr sicher, dass die User ihre echten Daten angeben?

Wir benötigen keinen echten Namen, aber es gibt einige Validierungsfunktionen. Ich hoffe jedoch, dass die Clubgäste verantwortungsbewusst handeln und die richtigen Kontaktinformationen angeben. Wir alle müssen in der aktuellen Lage eine gewisse kollektive Verantwortung übernehmen, um uns selbst und andere zu schützen.

Glaubt ihr, dass die derzeitigen Regeln im Zusammenspiel mit closecontact ausreichen, um Clubs wieder öffnen zu können? Falls nicht, was muss sonst noch geschehen?

Ich persönlich hoffe, dass closecontact niemals benötigt wird. Hoffentlich wird es bald einen Impfstoff geben und wir können wieder zusammen tanzen, ohne überhaupt an COVID-19 denken zu müssen. closecontact ist nur ein Teil eines sehr komplexen Puzzles. Und da sich die Situation ständig ändert, ist es schwierig zu sagen, was genau passieren muss oder wann es wieder sicher genug sein wird.

Gibt es Pläne closecontact auch in anderen Städten verfügbar zu machen?

Zur Zeit nicht. Wir alle leben in Berlin, deshalb wollten wir zuerst einmal etwas tun, um den Clubs speziell in unserer Stadt zu helfen.