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Floating Points: „Die meiste Zeit hänge ich auf Discogs”

Alle Fotos: Dan Medhurst Click here for the English version of the interview. Floating Points ragt aus der Elektronik-Szene heraus. Sam Shepherd, der hinter diesem Alias steckt, ist einer wenigen jungen Producer, die die Clubmusik noch einmal ganz neu aufrollen. Der Nordengländer ist kein Head, der seinen Beat weitertreiben und perfektionieren will. Shepherd nähert sich der elektronischen Musik von außen: er hat eine klassische Klavierausbildung und besitzt mehr als 10.000 Schallplatten. Der klassische Kanon der Clubmusik interessiert ihn dabei weniger. Ihn begeistern und inspirieren Raritäten des Jazz und der Weltmusik.  Gilles Peterson war von einer Platte in Shepherds Sammlung so besessen, dass er sie gegen eine japanischen Sportwagen eintauschte. Wenn Shepherd nicht mit einem 12-köpfigen Fusion-Orchester tourt, spielt er schon mal im Berghain ein sechsstündiges DJ-Set, bei dem er einmal ein Album des Ethno-Jazzers Pharoah Sanders auflegte – in voller Länge. Darüber hinaus ist Shepherd auch noch Neurowissenschaftler und hat seine Musikerkarriere parallel zu einem naturwissenschaftlichen PhD gestartet. Mittlerweile ist Shepherd hauptberuflich Musiker – und so möchte er auch gesehen werden. Sein drittes Album Crush bewegt sich weg von seinen bislang betont jazzig gehaltenen Produktionen und geht in eine elektronischere, düsterere und durchaus an zeitgeistige Dance-Elemente anknüpfende Richtung. Im Gespräch erklärt er, welche monatelangen Tüfteleien an Synthesizern notwendig waren, um diesen Sound möglich zu machen. Er spricht über Plattenläden als Keimzelle seiner Musik und über die Drum’n’Bass-Begeisterung seiner Teenagerzeit. Ben-Robin König und Alexis Waltz haben versucht, dem bestens aufgelegten Über-Nerd in die Karten zu gucken. Dein neues Album klingt überraschend minimalistisch. Früher hast du ein breites Spektrum an Ideen und Klangstrukturen benutzt, das du aufwendig arrangiert hast. Auf Crush konzentrierst dich hingegen auf wenige Elemente.  Sam Shepherd: Vieles an diesem Album wird vom Setup bestimmt. Mein Studio ist sehr groß, die vielen Geräte überfordern mich aber. Für diese Platte habe ich mich auf einen Tisch mit Equipment beschränkt, den ich zum Touren benutzt habe. Ich dachte, ich werde einfach diese Geräte benutzen. Ich behandle diesen Tisch wie ein Instrument, ich kenne ihn in- und auswendig, weiß, wie alles verkabelt ist. Was die Technik angeht, ist also die gesamte Arbeit in dieses Setup geflossen.  Wie hast du dich entschieden, welche Geräte auf diesen Tisch kommen?  Ich muss Dinge auf bestimmte Art loopen können und die einzelnen Sounds müssen über verschiedene Kanäle laufen. Ich hab einen Computer, den will ich aber an anderer Stelle einsetzen – das ist ein ganz schönes Gefrickel. Ich nutze Max MSP und Ableton Live, aber bin in beiden Softwares nicht wirklich gut. Zum Aufnehmen verwende ich Logic. Mit der anderen Software fahre ich das gesamte Live-Setup ab, und nehme dann entweder in Logic oder mit einer Bandmaschine in der Ecke auf. Ein Riesenteil, mit 24 Spuren. Als es letztlich ans Produzieren ging, wollte ich einfach nur noch machen. Dabei gab es dann eine Menge Fehler, zumindest finde ich das. Ich mag aber, wie diese Fehler klingen. Alles ist chaotisch, klingt schrill. Das stört mich aber nicht. Das ist nun mal, was passiert.  Hätten dich diese Fehler früher in deiner Karriere gestört?  Vielleicht, ja. Ich war damals noch etwas forensischer, wenn es darum ging, Störgeräusche zu beseitigen. Wie hat sich deine Einstellung geändert? Was ist heute anders? Ich hatte einfach viel Spaß beim Produzieren. Ich hörte mir Sachen an und dachte (schnippt mit dem Finger): „Das ist es, lass […]

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