Artwork: James Stiff (Tr-808)

Die japanische Firma Roland brachte 1981 den Drumcomputer TR-808 auf den Markt. Seitdem hat die schwarze Analogschönheit mit den markanten rot-orange-gelben Tasten zahlreiche Genres und Musiker*innen geprägt. Passend zum 8.08. hat die Groove-Redaktion zehn ihrer Lieblingstracks, die mithilfe der 808 produziert wurden, von alt nach neu zusammengetragen.

10. Cybotron – Clear (1983)


Ob Juan Atkins wohl ahnte, dass dieser Track zur Sample-Grundlage von Hits wie Missy Elliotts „Lose Control” oder auch Afrika Bambaataas „Planet Rock” avancieren würde? In seiner Simplizität hüpft das berühmte Bleep-Arpeggio leichtfüßig über den 808-Beat. Irgendwann gesellt sich dann auch noch eine rhythmisch gesetzte Bassline hinzu und komplettiert diesen von wirren Stimmen durchzogenen Klassiker. Luzie Seidel

9. Charlie – Spacer Woman (1983)

Dieser Track fliegt mit seiner süßen Melancholie durch die Weiten des Alls. Losgelöst schweben die warmen Synth-Pads durch die Schwerelosigkeit, begleitet vom sterilen Gesang der Spacer Woman, synkopierten Drums und einer Vielzahl an außerweltlichen Sounds. Das präsenteste Element in dem bezwingend einfachen Drum-Arrangement sind wohl die spitzen 808-Claps, die den Track eröffnen und wie ein Kometenschauer durch die Komposition fliegen. Luzie Seidel

8. Lil Louis – French Kiss (1989)

Lil Louis vereint auf „French Kiss” alles, was House seit jeher ausmacht: Groove, Tempo und jede Menge Sex. Von vorne bis hinten trieft der Track vor Chicago-esker Deepness, die Loop um Loop in den Gehörgang träufelt. Ob des Feuerwerks aus abwechslungsreichen Melodien, Chords und ausgiebigem Gestöhne vergisst man aber beinahe, was den Track noch so speziell macht: Das beschwingte rhythmische Fundament direkt aus der 808, das vor allem Hi-Hat-Enthusiasten jauchzen lässt. Maximilian Fritz

7. Aphex Twin – Xtal (1992)

Richard D. James hat mit seinem Debütalbum Selected Ambient Works 85-92 gleich zwei Genres mitgeprägt: Ambient und IDM. Als echter Visionär umwandelt der passionierte Panzerfahrer im opulenten wie traumhaften Opener „Xtal” die rhythmuslastigen 808-Sequenzen in fluide, fast beatlose Ambientpatterns. Roman Selezinka

6. Drexciya – Andreaen Sand Dunes (1999)

In „Andreaen Sand Dunes” hoben Drexciya ihren düsteren Unterwasser-Electro ausnahmsweise an Land und ließen kurz vor der Jahrtausendwende einen der unverkennbarsten Synths aller Zeiten beschwingt über die Dünen hüpfen. Kaum ein Track des legendären Detroiter Projekts dürfte so universell in DJ-Sets einsetzbar sein, was neben seiner melodischen Heiterkeit auch am lebhaften Drumpattern liegt, das – obwohl genuin Electro – jedem House-Mix gut zu Gesicht steht. Maximilian Fritz

5. Ricardo Villalobos – 808 The Bassqueen (1999)

Unverhohlener als Ricardo Villalobos kann man seinem Maschinenfetisch kaum Ausdruck verleihen: Mit „808 The Bassqueen” huldigt er Rolands Gear-Klassiker zumindest im Titel auf angemessen überschwängliche Weise. Der Track selbst klingt dann beinahe unterkühlt, trotzdem ätherisch, typisch minimalistisch eben. Platz genug für ein zeitloses Sample: „Looking for some bass? Well, then give me a call. I’m your 808 bass queen.” Diesen Beweis bleibt die 808 auch in diesem Fall absolut nicht schuldig. Maximilian Fritz

4. Baby Ford and the Ifach Collective – Tea party (2001)

Während sich Villalobos wenig später von der 808 verabschiedete und aufgrund ihrer extrem reduzierten Drumsounds die in der DDR hergestellte Vermona DRM benutzte, blieb Baby Ford der “Sacred Machine”, wie er seine 808 taufte, treu. Mit Ian Loveday, Mark Broom und Thomas Melchior entwickelte er einen Entwurf von Clubmusik, der die 808 noch stärker als die Producer der 80er und 90s ins Zentrum stellte und fast ohne Melodien auskam. Nicht Hooklines bilden das Gegengewicht zu den schwerelosen Grooves, sondern Halleffekte, die die Tracks traumartig und irreal klingen lassen. Alexis Waltz

3. DJ Rashad – In Da Club Before Eleven O’Clock (2007)

Auch dem Footwork- und Juke-Bereich hat Rolands Wunderwaffe ihren Stempel aufgedrückt. Das 2014 verstorbene Teklife-Mastermind DJ Rashad nutzte oftmals die 808 für seine rhythmisch mehr als fordernden Produktionen. „In Da Club Before Eleven O’Clock” geriet seinerzeit überraschend geradlinig und ist deswegen auch lange nach 23 Uhr noch spielbar. Unter das Sample-Duett zwischen Ciara und Dirty-Rider Chamillionaire schiebt sich ein hyperaktiver Beat, der – ganz footworky – von seinen markanten Claps profitiert. Maximilian Fritz

2. Detroit In Effect – Shake A Lil’ Faster (2012)

Detroit in Effect ist seit den Anfängen ein Key-Player in der Detroiter Techno-und Electro-Szene. „Shake A Lil’ Faster” zeigt seine warme Seite, die im Gegensatz zu seinen sozialkritischen Electro-Produktionen einen leichtfüßigen Electrobass-Charakter hat. Ob nun kritisch oder sorgenfrei, die 808 bounct in jedem D.I.E-Track simpel programmiert vor sich hin. Luzie Seidel

1. Lone – Oedo 808 (2018)

In der vierten Ausgabe der Ambivert Tools holt Lone alles aus seiner TR-808 Maschine heraus und flutet die gesamte Compilation mit den gut erkennbaren Kicks, Claps und Bells. Klassisch bleiben bei „Oedo 808” aber nur die Sounds. Die sprunghafte Komposition des Tracks evoziert einen überraschend modernen Breakbeat. Dabei demonstriert Lone, dass sich mit der zu diesem Zeitpunkt seit 27 Jahren verfügbaren Maschine noch Unerwartetes anstellen lässt. Roman Selezinka