Move D – Building Bridges (Aus Musik/!K7)

Building Bridges heißt das neue Album von Move D aus Heidelberg, der als Universität-, Medizintec- und SAP-Standort wohlhabenden 160.000-Einwohnerstadt im äußersten Norden Baden-Württembergs. Heidelberg wurde ziemlich spektakulär genau an der Stelle erbaut, an der sich der Neckar durch den Odenwald schlängelnd seinen Weg in die weite Ebene des Oberrheins bahnt. Die alte Neckarbrücke steht bereits, hier geht es darum, Brücken zwischen den Menschen zu bauen, davon erzählt der Kanadier Fred P in den gesprochenen Vocals des Titeltracks „Building Bridges”. Hier ist sie wieder, die alte Hippie-Botschaft der Housemusik, in einer Zeit auseinanderfallender Gesellschaften und des Zynismus tatsächlich von Relevanz.

Brücken baut Move D auch im Hinblick auf seine lange Karriere als Produzent. Building Bridges ist ein Album der Kollaborationen. Fünf der elf Stücke, zwischen 1999 und 2019 aufgenommen, sind in Zusammenarbeit mit Leuten entstanden, die den Heidelberger über die Jahre hinweg begleiteten. Da wären der alte Heidelberger Freund D-Man, der den Mannheimer Club milk! leitete und ihn an Techno heranführte, außerdem Benjamin Brunn, Juju & Jordash, Thomas Fehlmann, Jonah Sharp und eben Fred P. Es fehlen auch ein paar, zum Beispiel sein alter Deep Space Network-Kompagnon Jonas Grossmann, mit dem er 1994 Source Records gründete, und vor allem der 2012 verstorbene Pete Namlook (mit dem er für dessen Label FAX unzählige Alben aufnahm).

Rund die Hälfte der Stücke ist neu, leider ist den Credits nicht zu entnehmen, welcher Track wann entstanden ist. Bis auf „One Small Step…”, eine Kollabo zwischen rEAGENZ (Move D, Jonah Sharp) und Thomas Fehlmann, ist das komplette Album im reSource-Studio aufgenommen worden. Dieses befindet sich in der Altstadt von Heidelberg. Move D, geboren als David Moufang, ist so sehr ein Kind von Heidelberg, wie man nur ein Kind dieser Stadt sein kann. Er wuchs dort auf und zog nie weg. So entspannt wie die Stadt ist seine Art. Sein kürzlich verstorbener Vater war Jazzmusiker, er wurde von der Zeit geprägt, als Heidelberg im Zuge der Studentenbewegung ein Zentrum der intellektuellen und kreativen Erneuerung der Bundesrepublik war. Ihm ist das Album gewidmet.

House-Musik ist hier die Bühne für Arrangements und ambiente Sounds, die frei über den Beats schweben.

Heute bietet Heidelberg nur noch wenige Freiräume. Als David Moufang im Jahr 1992 gemeinsam mit dem Musiker und Grafikdesigner Jonas Grossmann Source Records gründete, hatte die Randlage zur Folge, dass man in Deutschland dieses heute unter Sammlern hoch gehandelte Label mit dem prägnanten Grafikdesign (ein Vorbild war das legendäre Jazz-Label ECM), zunächst nicht so recht wahrnahm. Im Ausland, insbesondere in Großbritannien, hatte man einen anderen Blick auf Source und die Platten von Deep Space Network oder auch das Move D-Debütalbum Kunststoff.

In den letzten Jahren erlebte man den Heidelberger hauptsächlich als House-DJ mit einer strikten No Bullshit-Policy. Neue Musik von ihm war rar. Auch wenn Building Bridges Stücke enthält, die über einen Zeitraum von 20 Jahren entstanden sind, wirkt doch alles wie aus einem Guss. Speziell in der gemixten Version, die bei den Streamingdiensten verfügbar ist, entsteht der Eindruck, dass Motive und Sounds immer wieder auf- und abtauchen. House-Musik ist hier die Bühne für Arrangements und ambiente Sounds, die frei über den Beats schweben. Larry Heard war Moufangs erster Zugang zu House, zu einer Zeit, als er mit dieser Musik ansonsten noch gar nichts anzufangen wusste und in dem schicken Heidelberger Mini-Studentenclub Tangente stattdessen Soul, Funk und Hip Hop auflegte. Building Bridges ist mehr als nur auf gleicher Höhe. Holger Klein