Foto: Connaisseur Recordings

Am 2. April 2018 ist Daso verstorben. Daso Franke wurde 1981 in Pune in Indien geboren und wuchs in Hannover auf. Zum Designstudium zog er nach Köln, wo er in die Szene um Kompakt eintauchte. Mit Gabriel Ananda und Piemont gehörte er zur dritten Generation des Sound of Cologne, die sich vom konzeptuellen Ansatz von Kompakt emanzipiert hatte. Daso entwickelte einen beherzten Mix aus einem afterhourlastigen Minimalsound und einprägsamen Popelementen, bekannt wurde „Daybreak“, „Immer“, „Numb“ oder „Meine“ und tourte ab 2007 weltweit. Als er von seiner Krebserkrankung erfuhr, wollte er unbedingt sein Debutalbum fertigstellen. Morgen erscheint es auf Connaisseur Recordings, dem Label von Alex Flitsch. An der Produktion – Graphik, Presse, Releaseparty – waren fast ausschließlich Freunde von Daso beteiligt. Alex hat für uns eine Liste der Weggefährten zusammengestellt, die wir für dieses Feature angeschrieben haben. Wegen des besonderen Anlasses machen wir den Artikel auch für die Nicht-Abonnenten der GROOVE verfügbar.

Alex Flitsch (Connaisseur Recordings)

Alex Flitsch
Wer Daso einmal live erlebt hat, weiß, dass sich hinter diesem Menschen nicht nur ein guter und enthusiastischer Produzent verbarg, sondern auch eine echter Entertainer. Daso bei seinen Live-Aufritten zu beobachten, war immer ein Genuss. Was man da erlebte, stand häufig im Kontrast zu dem Menschen, den man erlebte, wenn er nicht auf der Bühne zugange war. Wirkte er im Alltag oft auf sympathischste Weise unbeholfen, verwandelte er sich bei seinen Konzerten zu einer Rampensau par excellence.
Unterstrichen hat er seine Auftritte gerne durch unterschiedliche Gadgets, die er nicht wahllos, sondern wohl durchdacht einsetzte. Gerade in der Mitte der Nullerjahre gab es kein Liveset von ihm ohne seinen Datenhandschuh, bei dem er jede Bewegung mit unterschiedlichen Effekten belegt hatte. Als ob gleich ein Feuerball aus seiner Hand schießen würde, streckte er zum Beispiel in Superhelden-Manier seinen Arm in Richtung Publikum und ließ dazu intensiven White Noise laufen. Musik und Performance waren oft nicht ganz synchron, das tat der Wirkung aber keinen Abbruch. Zur gleichen Zeit gesellte sich dann auch seine mexikanische Wrestler-Maske dazu. An einem bestimmten Punkt seines Livesets, meistens im Break von „Numb“, verschwand er kurz unter dem Tisch, um dann beim Bass-Drop mit der Maske auf dem Gesicht hochgeschossen zu kommen und wie wild zu tanzen. Der Gedanke an diesen Moment zaubert mir immer wieder ein Lächeln aufs Gesicht. Daso, du fehlst …

Chris Lynch & Vegard Wolf Dyvik (Of Norway)

Wir hatten das Glück, 2010 auf derselben Connaisseur-Labelnacht zu spielen wie er. Dort lernten wir Daso persönlich kennen und trafen auch die gesamte Connaisseur Recordings-Familie zum ersten Mal. Und an diesem Tag traten wir auch zum ersten Mal in Berlin auf, deshalb wird uns diese Zeit für den Rest unseres Lebens in Erinnerung bleiben.Danach blieben wir über das Netz in Kontakt, schickten uns ab und zu gegenseitig Musik, zu der wir uns gegenseitig Feedback gaben und diskutierten die Musikszene im Allgemeinen. Er hatte einen starken Willen, war witzig und sehr talentiert. Obwohl sich unsere Wege nicht zu oft kreuzten, war er ein Freund und nicht bloß ein weiterer DJ oder Producer. Wir waren zutiefst betrübt darüber, dass er gestorben ist. Es ist ein Verlust für die Musikszene und für uns persönlich!

Pawas Gupta

Daso & Pawas Gupta
Daso (l.) und Pawas Gupta

Daso habe ich 2005 bei unserem gemeinsamen Freund Adam Kroll in Köln kennengelernt. Es war ein lustiger Zufall, denn Adam sagte zu mir, gleich kommt ein Kumpel vorbei, der auch aus Pune kommt bzw. dort geboren ist. Ich hatte nie in meinem Leben erwartet, dass ich mal einen deutschen Produzenten elektronischer Musik, der auch aus Pune kommt, in Köln kennenlernen würde. Als er in die Wohnung reinspazierte, sagte er zu mir: ‚Ah, du bist der Typ aus Pune, ich auch, meine Eltern gehörten zu der Osho Kommune.’ Lustigerweise ich bin auch in dieser Kommune aufgewachsen. So fing unsere Freundschaft an.Daso war ein sehr direkter Typ und hat immer die Wahrheit gesagt. Manchmal war es schwer zu verdauen, aber letztendlich hatte das eine positive Wirkung und selbstverständlich war er ein musikalisches Genie. Wir haben uns von der ersten Begegnung an gut verstanden. Was unsere Verbindung noch stärker gemacht hat, war unser Humor. Sarkastisch und Slapstick: teilweise sehr skurril. Die Musik war the cherry on top. Wir hatten nie geplant, zusammen Musik zu machen, es ist einfach passiert, genau wie unsere Freundschaft.

Einer der schönsten Momente war eine Geburtstagsparty von ihm in Köln im Atelier meiner Schwester, wo ich provisorisch gewohnt habe. Wir wollten ganz ruhig mit ein paar Freunden feiern, aber dann kam plötzlich einer auf die Idee, zwei Plattenspieler hinzustellen und bisschen aufzulegen. Na ja, dachte ich mir dann, Daso soll doch auch mal live spielen – the rest is history.

Musikalisch hat Daso meiner Meinung nach eine neue Welle gestartet. Die Kombination von Indie und Rave gab es schon, aber nicht auf die Weise, wie er es gemacht hat. Jetzt ist zwar körperlich nicht mehr da, aber seine Musik lebt weiter. Daher würde ich sagen, dass nichts verloren gegangen ist. Er lebt noch durch seine Kunst. Solange die Musik bleibt, bleibt auch er!

„Music says nothing, it simply shows – and that is the beauty of music. You don’t think whether music is true or untrue; that is irrelevant. You simply listen to it. You become overwhelmed by it, you are possessed by it. You fall in tune with it. You are transported to some other realm, to some other vision of reality. You are not in the mundane world. Music takes you to the higher peaks of life and existence. It simply takes your hand and leads you, very politely, very lovingly, into the mysterious” – Osho

Sam Valenti IV (Ghostly International)

Daso hatte einen ansteckenden Geist, der in seiner Musik widerhallte. Er besaß die rare Gabe, den Dancefloor mit seinen hymnischen Melodien auf unverkennbare Weise auf ein neues Niveau zu heben. So etwas kommt nur selten vor und ich fühle mich geehrt, dass ich wir mit ihm arbeiten durften.

Er wird schmerzlich vermisst. Sein Werk wird weiterleben.

Brendan Gregory (Chymera)

Chymera by Press

Der erste Daso-Track, den ich je hörte, war „Daybreak“. Ich erinnere mich, wie er im Plattenladen lief und ich mich sofort erkundigte, was das war. Bis heute ist das für mich mit das Beste, was er gemacht hat. Wir haben uns aber erst ein paar Jahre später getroffen, als wir 2011 beide im Kölner Artheater spielten. Über Pawas (Gupta) hatten wir gemeinsame Freunde, die damals dort lebten. Als erstes fiel mir auf, dass Daso einen einzigartigen und interessanten Humor hatte. Den Großteil des Abends konnte ich mich vor Lachen kaum halten. Außerdem weiß ich noch, dass mir sein Set an diesem Abend sehr gefallen hat, obwohl ihn ein Kerl dabei dauernd mit kleinen Papierkugeln bewarf. Verständlicherweise wurde Daso ziemlich wütend und begann, ihn anzuschreien. Trotzdem hat er gerockt. Danach wurden wir Freunde. Wir lebten ja beide in Berlin und sahen uns deswegen öfter. Wir haben auch mehrmals zusammen Musik gemacht, kriegten dabei aber leider nichts zustande, mit dem wir beide hundertprozentig zufrieden waren.Ich werde ihn immer als einzigartige Persönlichkeit in Erinnerung behalten. Er hatte nie Angst davor, für sich einzustehen oder die Dinge anzusprechen, die ihn nervten – online oder persönlich. Wir haben uns oftmals in ausgiebigen Sessions über Trends in der elektronischen Musik und andere Themen lustig gemacht. Ich erinnere mich daran, wie ich ihn ein paar Monate vor seinem Tod im Krankenhaus besucht habe. Er hatte noch immer nichts von seinem Glanz verloren. Dieser Glanz wurde uns allen nun genommen.

Richard Zepezauer

Richard Zepezauer

Wir hatten uns vor einigen Jahren in der noch jungen, damals oft recht leeren Bar 25 kennengelernt. Daso kam direkt auf mich zu und wir scherzten auf einer Wellenlänge derbe hin und her. Sein Humor war schön tabulos und sehr präzise. Wir waren bald wie Brüder. Eines Tages schickte er mir einen seiner Tracks. Der begeisterte mich so sehr, dass ich den Track Fred P zeigte. Fred verliebte sich auch sofort und wollte das Stück unbedingt gleich remixen. Wir brachten die Platte dann als 001 auf meinem damals frisch gegründeten Label n s y d e raus.
Ich freue mich sehr, dass Connaisseur Dasos erstes Album posthum veröffentlicht. Er hatte lange und mit sehr viel Liebe daran gearbeitet. Wir haben uns oft über das Album unterhalten und über einzelne Tracks debattiert.Daso war jemand, der, wenn er ergriffen wurde von einem Moment, einer Musik, einfach nicht an sich halten konnte und seinem überbordenden Gefühl Ausdruck verleihen musste. Da konnte ihn auch mal eine zart schwebende und zerbrechliche Ambient-Fläche in einer Art und Weise mitreißen, dass er dazu unerwartet kraftvoll anfing zu tanzen. OK, tanzen war jetzt vielleicht nicht unbedingt seine Stärke, aber diese offensichtlich tiefe Versunkenheit war rein und unverfälscht und kam sehr direkt aus seinem Innersten. Sein großes Gefühl und seine Intuition waren definitiv seine stärksten Verbündeten und machten ihn offen für Neues, besonders in seiner Musik. Daso dabei zuzugucken, wie ihn Musik völlig übermannte und mitriss, hat mir immer viel Freude bereitet. Er hielt nichts zurück, er gab immer Alles, man sah immer den ganzen Daso.
Die Welt hat einen glühenden Musiker verloren, der mit seinem unverfälschten Wesen große Gefühle in seine Musik gebracht hat, und ich vermisse ihn.

Florian Meindl

Florian Meindl by Press

Ich habe Daso kennengelernt, als ich 2005 nach Berlin gezogen bin. Ich kannte seine Musik schon vom Label MBF. Sie fiel durch zeitlos schöne Melodien und positive Energie auf und war ziemlich eigenständig – später haben viele Leute seinen Stil kopiert. Da mich immer interessiert hat, wer hinter der Musik steht, wollte ich ihn kennenlernen. Wie so oft im Leben passierte es dann ganz schnell, dass wir einander vorgestellt wurden und uns über Musik unterhielten! Dabei stellten wir fest, dass wir auch mal zusammen im Studio an gemeinsamer Musik arbeiten wollten, und so kamen ein paar Kollaborationen und weitere seiner Releases auf meinem Label FLASH Recordings heraus.Wir redeten eigentlich nicht viel, sondern machten einfach Musik und brachten uns Dinge bei. Er mir etwas über Melodien und Harmonien, ich ihm technische Sachen und Sounddesign. Daso konnte gut tagträumen und Dinge auf einer Art Gefühlsebene sehen, die mir meist verborgen blieben. Manchmal hörte er sich unfertige Tracks von mir an und erkannte sofort, an was es fehlte. Das war bemerkenswert.

Öona Dahl

Oeona Dahl by Press

Daso und ich haben uns vor vielen Jahren in den frühen Morgenstunden in einem dunklen Club in Berlin getroffen. Ich war ein Fan und der Freund, der uns vorstellte, wusste, dass wir uns gut verstehen würden. Ich habe gemerkt, dass es ihm schmeichelte, als ich deutlich machte, dass ich seine Produktionen kannte und schätzte.

Ein oder zwei Jahre später hatten wir wieder Kontakt, als ihm klar wurde, dass ich auch eine Platte auf All Day I Dream veröffentlichen würde. Er schrieb mir und bat mich um Rat in Bezug auf einige Tracks von ihm, an denen er gerade arbeitete, sein Album bei Connaisseur gehörte auch dazu. Ich erklärte ihm, dass ich seine Musik schon fast ein Jahrzehnt lang gehört hatte und dass sie mich begeisterte. Jemand, der meinen Sound beeinflusst hat, fragt mich nach Rat! Einer meiner absoluten Lieblingstracks ist Dasos „Meine“. Zart, aber mit intensiven Gefühlen. Ich stelle mir vor, dass Einhörner so singen wie dieser Synthesizer klingt. Seine Formel und sein Einsatz von Melodien beeinflussen unsere Musik und unsere Community bis heute.

Dieses Gefühl, wenn du jemanden zum ersten Mal triffst und meinst, ihn immer schon zu kennen – das war Daso. Er hatte ein Herz für seine Mitmenschen und war ein echter Künstler. Daran werde ich mich mein Leben lang erinnern. Seine Musik ist kosmisch. Sie wird ein Echo haben, solange ihr jemand zuhört. Hör auf nicht zu strahlen, Daso.

Claudia Schneider (Pearls Booking)

Claudia Schneider Pearls Booking

Am prägnantesten ist mir in Erinnerung, dass Daso mit mir seit 2008 über ein Album gesprochen hatte. Viele Ideen wurden verworfen, Labels gecheckt, für nicht gut befunden und mögliche Album-Deals abgelehnt. Das Thema schwebte in den vielen Jahren unserer Zusammenarbeit immer wieder im Raum, um dann letztendlich verworfen zu werden. Daso war ein spezieller Mensch. Alles musste 100% passen um irgendwie umgesetzt zu werden. Als sein Vater mir bei der Beerdigung sagte, dass Daso im Krankenhaus sein Album fertig produziert hat, wusste ich, dass dies eine ganz grosse Sache für ihn war – eine echte Herzensangelegenheit. Ich bin wirklich froh, dass sein Debütalbum jetzt auch erscheint. und hätte mir sehr gewünscht, dass Daso das hätte miterleben können.