5Bambounou – Whities 021 (Whities)


Post-Dubstep trifft afrikanisch beeinflusste Minimalsequenzen trifft funky Drumming, und als Topping schweben hin und wieder samtige Flächen über dem formidablen Opener „Temple“. „Tour“ ist ähnlich strukturiert, dimmt die Stimmung aber etwas herunter und weg von der Anfangseuphorie – obwohl der Track eigentlich in Dur ist. Aber wenn das Tape-Echo im letzten Drittel von der Leine gelassen wird, spielen Tongeschlecht und Grundstimmung ohnehin keine Rolle mehr. Im Club dürfte hier maximaler Stroboskop-Einsatz den Trip perfektionieren. „Seize Sept“ schließlich ist dezenter, weniger überwältigend, aber ebenfalls geschickt jonglierend mit Atmosphären und emotionsgeladenen Sounds. Chapeau! Mathias Schaffhäuser
  

4FIT Siegel & Kassem Mosse – Saboten (FIT Sound)


Seit Jahren ist Aaron „FIT“ Siegel ein wichtiger Bestandteil der Detroiter Szene. Er betreibt die Labels FIT Sound und Est. 83′ Records und war in seiner Funktion als Inhaber des Vertriebs FIT Distribution lange Zeit ein wichtiger Ansprechpartner für viele US-amerikanische Labels. Nun schließt der Detroiter die Firma, um sich auf die Labelarbeit und seine eigene Musik zu konzentrieren. Eine jahrelange Freundschaft verbindet ihn mit Gunnar Wendel alias Kassem Mosse, bereits 2012 nahmen die beiden in Detroit eine Platte für FXHE auf. Vier Jahre später war Wendel wieder bei Siegel in Detroit. Da entstand diese wirklich süchtig machende EP, die FIT Siegel nun endlich gemixt hat. „Saboten“ ist eine deepe Acid House-Jam Session. „West World“ möchte wohl ein Wild West-Szenario zeichnen, mit dem Harmonika-Thema weckt das Stück aber auch Dub Reggae-Assoziationen. Eine meditative Wirkung entfaltet „Cycle Blue“ mit seinen herab perlenden Klaviertönen. Drei Tracks, drei Volltreffer. Unfassbar gut sind sie, die Beats von Kassem Mosse. Holger Klein 
 

3Jonas Palzer – Human Scale (Lack.Rec)


Seit seinem Debüt schätzt man Jonas Palzer für seine so gefühlvollen wie stilsicheren Housetracks. Und auch Human Scale klingt so vielschichtig, wie man es von dem im Berliner Wedding beheimateten Produzenten und DJ erwartet. Die Tracks auf LACKRec. zeichnen sich durch eine Detailverliebtheit und Vielseitigkeit aus, zu der man raven oder einfach nur daliegen und kontemplieren kann. Die Platte beginnt mit euphorischen, treibenden Rhythmen in clubbiger House-Manier („Proximity”) und geht über zu dem dynamisch verspielten “Connecting Bites”, die mit jedem ihnen würdigen Dancefloor verschmelzen. Auf der B-Seite klingt dann alles etwas deeper und rauer, zuweilen hypnotisierend – dort trifft der Wedding ganz deutlich England. Und bei „Distance” wird Palzers bemerkenswertes Gespür für bunte, komplexe, aber dennoch leicht zugängliche Klangarrangements hörbar. Franziska Finkenstein 
 

2Mira Calix – Utopia (Warp)


Über zehn Jahre nach ihrem letzten Release auf Warp veröffentlicht die besser als Mira Calix bekannte Chantal Passamonte die Utopia EP. Stolpernde, zerstückelte Beats („Upper Ups“) sind hier die Protagonisten und werden von einzelnen Melodie- und Stimmfetzen begleitet. Calix schichtet die Fragmente aufeinander, ohne dass sie harmonisch zueinander finden. Resultat: sehr dichte Sound-Collagen („rightclick“). Die Platte versammelt vier Tracks, die als moderne Übertreibung von Passamontes ersten IDM-Releases Mitte der 90er gelten könnten: digitale, verkopfte Rhythmen treffen auf noch stärker reduzierte Melodien. Shahin Essam
 

 

1Shanti Celeste & Hodge – Soba Dance (Peach Discs)


Gemeinsam mit Hodge kehrt Shanti Celeste zurück auf´s eigene Label Peach Discs. Die Kollabo macht allein deshalb schon Lust, weil beide dem UK-Bassmusik-Umfeld entwachsen sind und schon länger im Techno- bzw. House-Territorium ihrer Kreativität freien Lauf lassen. So bilden sie auf dieser EP erwartungsgemäß eine ganze Reihe den Britischen Inseln typischerweise entspringende Sounds ab: die A-Seite wirkt zwar zunächst wie ein knackiges, zeitgenössisches Tech House-Tool, entpuppt sich nach dem Break dann aber doch als cleverer Peak Time-Anwärter, der dank liebevoll arrangierter Melodie noch länger nachwirkt. Ganz dem Geist der Rave-Vergangenheit geschuldet ist die B-Seite, mit einem von klassischen Breakbeats und einer tieffrequenten Bassline getragenen 4/4-Roller im Jungle-Gewand sowie dessen Schwesterstück, das sich mit butterweichen Pads und sphärischen Vocal-Fetzen bereits dem Sonnenaufgang entgegen sehnt. Leopold Hutter