5ASOK – Better Dead Than Alien (M>O>S)


ASOKs Platten sind meist eine bunte Mischung seiner eigenen, über mehrere Dekaden angesammelten Erfahrungen als Plattensammler und Promoter in Großbritannien. Da hört man seine Vergangenheit als Drum & Bass-Fan („Find a Way“), als Anhänger von soullastigem Detroit-House (“Many Locations”) und als zeitgemäßer Vertreter kantig-kosmischen Electro-Funks holländischer Spielarten (“Better Dead Than Alien”). Zudem wandert er spielerisch tänzelnd auf dem schmalen Grat zwischen kühl-strukturierter Techno-Ästhetik und wohlig-groovender Herzenswärme (“Baal”). Mit dieser Formel aus Textur, Haptik, Gefühl und Technik trifft der mittlerweile auf Labels wie Mistress, Crème Organization oder eben M>O>S beheimatete Stu Robinson ins Herz vieler Raver gleichen Schlags. Die Tracks lassen sich in fast jedem Set mit einer solchen Gelassenheit und dennoch so wirksam einsetzen, dass einmal mehr die Leichtigkeit wahrer Genialität deutlich wird. Leopold Hutter

4Betonkust & Palmbomen II – Parallel B (Dekmantel)


Betonkust & Palmbomen II haben so einiges richtig gemacht: In der Dekmantel-Crew gehört das Duo mittlerweile zum inneren Zirkel, ist in allerlei Projekte wie Compilations und Langspieler verwickelt und auch Teil des für seine exzellenten Line-ups berüchtigten Festivals. Zu rechnen war damit kaum: Reduzierter Roland-Electro wie aus der holländischen Pampa klingt immerhin nicht gerade nach einem Rezept, auf das Labels wie Pinkman, Dekmantel oder 1080p bedingungslos anspringen. Doch schon die ersten EPs Center Parcs und Hotel Breukelen zeigten die beiden als leichtfüßige Erneuerer des Vergangenen, das sie auch auf Parallel B in einen (post)modernen Kontext übersetzen. Pralle New Beats, analoge Oszillation, Plastiksynthesizer mit Schmackes: Samplewise kann diesen Sound in Zeiten von Ableton und VSTi-Plugins wie Sylenth fast jeder erzeugen. Ihn aber derart konsistent und melodisch verschärft in Tracks zu arrangieren, wie es etwa bei „Bart’s Jam“ oder dem sanft dampfenden „Rejected Demo Tape“ gelingt, ist eine andere Liga, ein anderer Sport, für den Werkzeuge allein nicht ausreichen. Nils Schlechtriemen

3FFT – in-side (Super Hexagon)


Was wir über FFT wissen: Männlich, britisch, heißt mit bürgerlichem Namen Josh Thompson und hat gerade auf dem in Leeds ansässigen Label Super Hexagon seine zweite Platte veröffentlicht. Und die ist sensationell gut. Thompson gelingt es, sehr komplexe, oft reichlich abstrakte und zuweilen extrem künstliche Musik zu machen, die auch für Leute spannend ist, die keine Vollnerds mit einem Fokus auf experimentelle Musik sind. Die Tracks von FFT haben zum Heulen schöne Hooks und überraschen sogleich wieder mit unerwarteten, zerhackstückelten Wendungen. Ab und zu mag man an Richard D. James oder Alva Noto denken, aber hey, die sechs Stücke auf in-side üben sich ganz sicher nicht in Heldenverehrung. FFT-Tracks sind schnell, es passiert irre viel. Geerdet wird das Geschehen immer wieder von Bässen, tonnenschwer, gerne mit einer Reggae-DNA. Der Track „ohld“ bringt gar eine völlig losgelöste Jazz-Funk-Bassline ins Spiel, an der Flying Lotus seine Freude haben dürfte. Die Beats, wenn es denn welche gibt, sind ein Widerhall von klassischem Electro und nicht zuletzt von Drum’n’Bass. Holger Klein

2Diverse – Voitax Director’s Cut 01 (Voitax)


Director’s Cut ist eine neue Serie des Berliner Labels Voitax mit alten und neuen Künstlern. Eine Nähe zu Electro ist bei der ersten Ausgabe in der einen oder anderen Form stets festzustellen. Sei es mit metallisch flirrenden Arpeggien, wie Nezugang Umwelt sie in seinem Track in unheilvoller Weise verdichtet, sei es mit straff trockenem Beat wie der von Labelveteran Rory St. John oder in vornehm reduzierter Zurückhaltung, wie sie der – in der Familie wiederum neue – Talker zu leicht industriehallenartigem Hintergrundlärm zelebriert. Swarm Intelligence schließlich, der schon am längsten bei Voitax dazugehört, verleiht seinem hallbetonten Techno mit Jungle-Akzenten eine wunderbar kaputte Größe. Tim Caspar Böhme

1The Maghreban – Islands EP (Zoot)


Ayman Rostom macht schon seit Ewigkeiten Musik, unter dem Namen The Maghreban gilt er aber als so etwas wie ein Newcomer in Sachen House. Der in der Grafschaft Surrey aufgewachsene, heute in London lebende Sampling-Enthusiast hat bereits 1995 seine ersten Drum’n’Bass-Platten veröffentlicht. Doch bald fand der heute 42-Jährige Hip Hop-Jams spannender als Raves. Seitdem hat Ayman Rostom unter dem Pseudonym Doctor Zygote unzählige Beats und Instrumentals produziert. Inzwischen ist er Teil des UK Hip Hop-Duos Strange U, das mit knochentrockenen Raps und Beats zu punkten weiß. House-Musik fand er eigentlich immer total läppisch, erst vor einigen Jahren änderte er seine Meinung. Heute macht er als The Maghreban Tracks, die anders und zumeist frischer sind als das meiste, was sonst Woche für Woche erscheint. Auch die vier Tracks dieser EP schöpfen wieder aus obskuren Sample-Quellen. „Effendi“ pumpt einen bassigen Offbeat mit karibisch wirkenden Obertönen, „Rocky & Bullwinkle“ samplet Reggae, „Switched On“ belässt es bei einem heftigen Beat und ein paar Geräuschen, und am Ende widersetzt sich auch „Finagling“ mit nervösen Afrobeats jedem gängigen House-Schema. Holger Klein