5Bell Towers – I’m Moving To Berlin (Cocktail d’Amore)


Melbourne, London, Berlin heißen die Stationen, über die sich der australische Producer Rohan Bruce Bell-Towers bislang seinen Weg auf die Dancefloors der Clubwelt bahnte. Mit einer guten Handvoll EPs für Public Possession hat er sich ein Renommee für freshe House-Tunes erworben, die drei Disco-House-Hybriden seines Debüts auf der Berliner Party- und Label-Institution Cocktail d’Amore knüpfen aber eher wieder an die beim Münchner Imprint erschienenen Büro Hahn Edits und seine Anfänge auf Internasjonal an. Als designierter Hit steuert der Titeltrack den New Beat der späten Achtziger an, lediglich das „I gave it all for Cocktail d’Amore“-ID-Vocal wirkt lässlich. Nicht ganz dessen zwingende Spannung erreicht „Sexual Intruder Alert“. Gelungen dagegen wieder der Cosmic-Build-Up-Track „Approach & Identify“, der mit züngelnder Percussion und Rest-Acid Lust auf mehr macht. Harry Schmidt

4Eva Geist – Urban Monogamy (Hivern Discs)


Das Tempo um die 100 Beats in der Minute ist nicht einfach zu handhaben: zu langsam zum Tanzen, für den Liegestuhl zu schnell. Eva Geist hat hier Handhabe. „Green Healing Highness“ setzt Delays auf Becken und Snare, lässt Bässe quaken. Schon setzen diese speziellen Synthies ein: Passagen hinein in einen Zustand des Träumens im Wachsein. Reiseleiter ist eine hie und da Akzente setzende Gitarre, die nach Michael Rother klingt und Kraut pflanzt. Der Titeltrack schließlich verschachtelt die einzelnen Tonspuren mittels Effekten zu einem Grauen Würfel. Darin spuckt es, darin sprechsingt die Berliner Produzentin, und es reden Keyboard-Pflanzen. Velvet Seasons & The Hearts of Gold nehmen ihren Remix leicht und sorgen nur in der Rhythmus-Ebene für ein bisschen Kontinuität. Großes Beschwörungsdrama in Downbeat, New Wave, Kraut und Kubismus. Christoph Braun

3Man Power – Vista (Four Thirty Two)


Ob Geoff Kirkwood alias Man Power wohl ein glücklicher Mensch ist? Seine Musik vermittelt jedenfalls eine ganz spezielle positive Grundbefindlichkeit – bestes Beispiel dafür ist der Opener auf dieser EP: „Outrider“ wird dominiert von einem Synthbass, der mit etwas mehr Sägezahn auch einem DAF-Stück gut gestanden hätte, schleicht sich mit einigen kurzen Flächenauftritten dann an einen Pianoteil heran, um von da an alle Elemente einem organischen und zunehmend euphorisierenden Fluss zu überlassen. Leichtigkeit wäre das falsche Wort für die Ausstrahlung des Tracks, eher „souveräne Erdung“. Ähnlich funktionieren alle drei Originale auf Vista – der Bass spielt die Hauptrolle, flankiert von griffigen Co-Elementen wie dem klassischen Jungle-Breakbeat im Titelstück, den Roman Flügel in seinem Remix exponierter herausstellt und den Track durch geschicktes Aufpimpen weiterer Originalelemente zu einem zuerst ungewohnt bollerigen, dann aber umso vielschichtigeren Mix erblühen lässt. Mathias Schaffhäuser

2Mix Mup – Clear Drive (Trilogy Tapes)


Lorenz Lindner veröffentlichte in seiner über 20-jährigen Karriere bereits unter verschiedensten Pseudonymen: Als Molto widmet sich der Leipziger atmosphärischem Ambient abseits der Tanzfläche, mit MM/KM fasst er gemeinsam mit Kassem Mosse eine experimentellere musikalische Vision ins Auge. Die EP Clear Drive erscheint hingegen unter Lindners gebräuchlichstem Alias Mix Mup bei den Londonern von Trilogy Tapes. Während das Titelstück ohne Anlaufzeit im makellosem House-Gewand daherkommt, besteht „Flair 2“ quasi aus einem konstanten Spannungsaufbau, der sich eher als Analog-Jam denn als fertiger Track anfühlt. „Pa Toppen“ schiebt sich irgendwo zwischen diese beiden Pole und überzeugt mit seinem engmaschig gewobenen Beatgerüst, dem stets etwas erfrischend Rohes innewohnt, vollends. Als sedierende Zugabe schließt „Clear Dub“ die EP ab und verliert sich in kühlen Synthflächen. Maximilian Fritz

1Random XS – Give Your Body (Delsin)


Als Random XS irgendwo in den Niederlanden das fast 13-minütige Acid-Ungeheuer „Give Your Body“ aufnahmen, erlebten 303-Sounds gerade ein erstes kleines Revival. Im Jahr 1991, als DJ Zero One und Frank de Groodt an dem Track bastelten, war der Blick zurück auf die Acid-Welle von 1988 bereits ein nostalgischer, man wähnte sich in der Techno-Zukunft. Doch Random XS hatten mit ihrer 303 keine Patina im Sinn. Ein stoischer 909-Beat mit magischen Handclaps bildet das Fundament, eine 303-Bassline fräst sich böse mäandernd ihren Weg durch den Track, dazwischen taucht das verzerrte Vocalsample, “Give your body to me”, immer wieder auf und ab. Anfang 1992 brachte das Label Djax-Up-Beats diese Platte dann in die Läden. Sie sollte stilprägend werden. Am Ende war sie auch zeitloser als andere Neo Acid-Hits jener Saison, etwa von Hardfloor oder auf Plus 8. Die Rückseite dieser schönen Delsin-Wiederveröffentlichung enthält noch zwei Remixe. Die Delta Funktionen-Version stellt den Track auf ein Electro-Fundament, der Lost Trax-Remix wiederum klingt wie ein kleiner, schmutziger Chicago-Track. Holger Klein