5Andrés – D.ATLien EP (NDATL Muzik 021)


Direkt der erste Beat von „Ensolardo (Sunny)“, dem Eröffnungstune der neuen Andrés-EP, katapultiert uns in die Kölner Kellerbar Stecken. Im Mai 2015 drehte Andrés dort eine Nacht lang Vinyl mit Spliffs als einziger Nahrung. Ein Ritt von House zu Latin und zurück. Die Körper ließen sich von seiner Unbeschwertheit beseelen und von seiner fesselnden Kunst zum Schweben bringen. Was er dort als DJ erzeugte, bannt er hier auf Vinyl. Auch der zweite Track der „Latin Side“ der EP wird von seiner singulären Stellung bestimmt, der einzige houseaffine Cuban-Percussionist Detroits zu sein. Auf der „Northwest Side“ lebt Andrés seinen bassgewaltigen Disco- und Soul-Signature Sound aus. Packende Chords und sein sensationelles Gespür für magische Loops erzeugen einen wärmenden Soultrance. Für
Moodymann Fans gibt es noch eine Version von „Come 2 Me“, deren Groove Erinnerungen
an einen Mittwochabend in der Detroiter Bar Motor City Wine wachruft, an dem sich Andrés
– wie jede Woche – mit Scott Grooves und Ian Fink die Finger wund trommelte. Michael Leuffen

4Ripperton presents Headless Ghost – Breakthrough EP (Drumpoet Community)


Auf ESP Institutes ist Ripperton zu Jahresbeginn als Ambient-Producer in Erscheinung
getreten, die Breakthrough EP unter seinem House-Alias Headless Ghost markiert die
Rückkehr zum Dancefloor. Ihr Titel ist natürlich ein Witz. Schließlich hatte sich der
Schweizer Producer bereits Mitte der Nullerjahre etabliert. Durchbruch wohin also? Ripperton muss niemandem mehr etwas beweisen. Entsprechend unverkrampft klingen seine sechs neuen Tracks, die in ihrer Verschiedenartigkeit ein Panorama ergeben: In „Real Smile Fades“ verbreiten soulige Chords ein melancholisches Disco-House-Feel, „Abandon“ funktioniert dagegen wie eine Weiche, die in einem Set eine technoidere Passage anzukündigen und vorzubereiten vermag. „One Day OK, One Day Not“ beginnt zwar mit Live-Atmo zwischen Afterhour-Party und Pfingstkirchengottesdienst, hält sich aber diffusen Spiritualismus, wie er etwa bei Innervisions gepflegt wird, auf Distanz. Eher stellt Rave einen Subtext für diese Tracks dar. Bemerkenswert, auf wie unspektakuläre Weise es Ripperton gelingt, sich von den aktuellen Entwicklungen nicht beeindrucken zu lassen. Und nostalgisch klingt er dabei auch nicht, sondern überraschend gegenwärtig, zeitgemäß und welthaltig. Harry Schmidt

3Rrose – Beware of Shells (Eaux)


Nach der Lotus Eaters-Kollaboration mit Lucy veröffentlicht Rrose Beware of Shells auf
seinem Label Eaux. Man riskiert, die EP auf „Incisor“ und „Sister (Remix)“ zu reduzieren, weil diese Stücke so gut auf dem Dancefloor funktionieren. Aber damit täte man sich keinen Gefallen. Rrose lebt seine psychedelisch anmutenden Klangstrukturen und exzessiven Filterabenteuer auch in den anderen drei Stücken voll aus. Am besten lässt sich der Ansatz dieser EP mit den entrückten aber doch kontrollierten Soundscapes von Voices from the Lake oder dem subtilen Thrill von Porter Ricks vergleichen. Hier wird nicht nur der LFO moduliert, sondern auch der Geist der Zuhörer*innen. Andreas Cevatli

2Squallfront – Stormin’ EP (Ecke Records)


Spannendes Debüt auf dem jungen Berliner Ecke-Label: Das Duo Squallfront besteht aus
Xantrax und Johnny Counce, die beiden Tracks ihrer Stormin’ EP operieren an der
Schnittstelle von Electro, Rave und UK Bass. Den dort derzeit vorherrschenden dicht
gedrängten Sounds begegnen Squallfront mit dem unbeschwerten Twist, Techno- und schräge House-Topoi einzuwerfen. So werden sie „The Bells“ wohl nicht nur aus Provokation nach dem Klassiker von Jeff Mills benannt haben – der nervöse Breakbeat des dynamischen Duos hat eine enorme Suggestivkraft aufzuweisen. Statt einer Bassline nutzen sie eine verbeulte Fläche, die Detroit-Strings kommen aus dem Häcksler. Fast noch gelungener: der fragmentierte, sinister glimmende 8-Bit-Track „The Crack“ mit einem sarkastischen „Vogue“-Vocal, der Heimsuchung einer Orgel als Break und einem dem Spott preisgegebenen Techhouse-Pattern am Ende des Tracks. Ungemütlich und frisch. Harry Schmidt

1Wax – No. 60006 (Wax)


Nachdem René Pawlowitz mit The Higher für das britische Label XL-Recordings gerade erst einen weiteren, UK-Hardcore zitierenden Alias aus dem Hut gezaubert hat, erscheint mit Wax No. 60006 nun die erste Platte aus dieser Reihe seit 2012. Deren Tracks klangen schon immer deutlich dubbiger als Shed– oder Head High-Produktionen und nicht ganz so technoid und geradlinig wie die der EQD-Serie. Mit den neuen Tracks bleibt sich Pawlowitz treu, auch sie gewinnen mit jedem Loop an Tiefe, punkten mit charakteristisch wabernden Chords und bollern dabei wie aus dem letzten Kellerloch. Eine bestechend einfache Formschönheit ist immer noch Wax‘ größte Stärke: unbemüht und zugleich unwiderstehlich. Wie eine Flutwelle rollt die A-Seite an und schiebt dabei einen kräftigen Groove vor sich her. Die B-Nummer hingegen schwingt deutlich weicher und lädt zum Abtauchen ein, bis knackige Drums den Rhythmus übernehmen und den Track zielsicher nach Hause schaukeln.Leopold Hutter