5. Erol Alkan – Spectrum/Silver Echoes (Phantasy Sound)

Organische Drums läuten Erol Alkans erste Veröffentlichung seit Jahren auf seinem Label Phantasy Sound ein. Nach dem unkonventionellen Beginn und einem ausgiebigen Übergang übernimmt schließlich eine monoton stampfende Kick, die in bester Simian Mobile Disco-Manier eine Symbiose mit marginal variierenden Synths eingeht. So baut sich die Spannung sukzessive auf, um sich erst in den letzten zwei Minuten komplett zu entladen. Alkan wählt hier einen anderen Zugang als noch beim konsequent durchgroovenden „A Hold On Love“ von 2013. Auch „Silver Echoes“ punktet mit einem durchdachten Spannungsbogen, den eine kratzige, ausgewaschene Akkordfolge dominiert, heizt die Stimmung aber weniger auf und bildet so einen willkommenen Kontrapunkt. (Maximilian Fritz)

4. Ricardo Villalobos – Silent EP (Pressure Traxx)


Beim „909 Track“ auf Pressure Traxx führt uns Ricardo Villalobos an der Nase herum: Zum einen tut er so, als würde er mit dem knarzigen Acidtrack und den düsteren Electroklängen gleich zwei Trendsounds aufnehmen. Und wie der Titel des Stücks ankündigt verzichtet er auch auf seine Signature Bassdrum, die schwachbrüstige Vermona aus der DDR, und ersetzt sie durch den Industriestandard des Techno, die Roland TR-909. Düster und apokalyptisch klingt der Track aber ebenso wenig wie er Technostandards bedient. Der metallische Funk des tollen, dicht verwobenen Groove setzt sich über die Schwere der Sounds hinweg, er erzeugt den upliftenden Zug, der Villalobos´ Musik einzigartig macht. Mit dem psychedelischen Stimmengewirr und den Glitch-Basslines, die unter den Grooves wegtauchen und den Crowd den Boden unter den Füßen wegziehen, ist „Wispa“ typischer für den doppelbödigen, psychedelischen House der Perlon-Clique. Jemand erzählt verzückt von der Schönheit der Flora und Fauna, eine wabernde gespenstische Stimme rebelliert gegen dieses glücksbesoffene Hippietum. (Alexis Waltz)

3. Pearson Sound – Rubble (Pearson Sound)


Spätestens mit den so aufkratzten wie augenzwinkernden Sounds von „XLB“ schaffte David Kennedy alias Pearson Sound 2016 den endgültigen Durchbruch als Producer. Das Hessle-Audio-Mitglied kehrt nun mit drei Tracks auf sein selbstbetiteltes Label zurück. Eine stringente Grundidee zeichnet sich dabei aber nur andeutungsweise ab: Zwar erklingen unstete, markante Breaks sowohl auf dem wuchtigen „Rubble“ als auch auf „Earwig“. Dort erweitert Kennedy seine basslastigen, abwartenden Beats aber um Acid-Lines und verwässert so seinen typischen UK Sound. Gänzlich andere Motive verfolgt das grandiose „Our Spirits Soar“. Dessen wohlige Chords garantieren in Verbindung mit hochgepitchten Sprachsamples ein euphorisches Ende jedes Sets. (Maximilian Fritz)

2. Krystal Klear – Neutron Dance (Remixes) (Running Back)


Kaum ein Clubgänger dürfte dieses Jahr an den – gelinde gesagt – markanten Disco-Synths aus Krystal Klears „Neutron Dance“ vorbeigekommen sein, ob er nun wollte oder nicht. Das Erfolgsgeheimnis hinter der Hymne: Poppiger Retro-Kitsch zieht immer, vor allem wenn er catchy und gut produziert ist. Running Back-Chef Gerd Janson kam jetzt auf die findige Idee, prominente Remixer um sich zu scharen und so noch mehr Potenzial aus dem Track zu kitzeln. Fango bewies sein Können in dieser Disziplin schon für Red Axes’ ähnlich prominentes „Sun My Sweet Sun“ und verzichtet als einziger auf das ikonische Motiv, geizt dafür aber nicht mit Cowbells. Paul Woolford investiert im „Jolly Roger Rework“ seine Energie hingegen in ein ewiges Build-Up, das er nach viereinhalb Minuten mit dem Drop in sichere Fahrwasser lenkt. Mano Le Tough fokussiert sich auf raumgreifende Vocals, die von der Spielart seines drahtigen Electro House abweichen. Janson selbst verdichtet den Hi-NRG-Charakter des Originals nochmals. Damit entfernt er sich am wenigsten von Original und frischt den Hit doch am nachhaltigsten auf. (Maximilian Fritz)

1. DJ Lag – Stampit (Goon Club Allstars 009)


„Dieser Sound war überhaupt nie dazu gedacht, Durban zu verlassen.“, sagt Andile-T von den Rudeboyz in der GROOVE-Geschichte über Gqom, dem ersten durch und durch elektronischen Clubsound aus Afrika. Die Gleichgültigkeit gegenüber ihren Erfolgschancen auf dem globalen Musikmarkt macht die Produktionen aus Durban in Südafrika zu einer so unwahrscheinlichen wie interessanten Entwicklung in der elektronischen Musik. Die pechschwarzen Tunes von DJ Lag, die der in London lebende Italiener Nan Kolè für sein Label Goon Club Allstars auf Vinyl presst, erinnern an Grime, Trap oder Footwork, obwohl diese Stile in Durban unbekannt sind. Bei „3Step Culo“ widerholt eine Stimme immer wieder das Wort „Whoop“, bei „Let´s Do This“ läuft ein aufpeitschendes 80s Riffs zu einem in sich zusammenfallenden Groove ins Leere. Bei „Drumming“ verbindet Lag eben dieses mit den metallisch gefilterten Stimmen, die die Gqom Producer so lieben. Gegen diese Tracks wirkt der nihilistische Techno von Monoloc oder Setoac Mass harmlos. Diesen Stücken feahlt (wie Gqom überhaupt) der Bass, der in der elektronischen Tanzmusik normalerweise zumindest für einen Rest von Körperlichkeit und Wärme sorgt. Der Bass ist sonst der Versuch, in einer unbehaglichen Welt für einen Moment Behaglichkeit zu erzeugen. Die Tracks sind anders: sie bauen Druck auf, aber sie streben keine Auflösung der Spannung an. Zäh und schwergängig wälzen sie sich weiter. Hoffnung gibt es keine, aufgekratzte Unbestimmtheit dieser Musik ist dennoch unwiderstehlich. (Alexis Waltz)

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