Zuerst erschienen in Groove 172 (April/Mai 2018).

Nach seinem Album Decay (2014) ließ Efdemin länger wenig von sich hören. Er war mit seinem neuesten Großwerk beschäftigt: Naïf, ein schnell gemixter DJ-Mix aus exklusiven Tracks, der sowohl seine DJ- als auch seine Producer-Facette zeigt. Zehn Tracks von ihm und seinen verschiedenen Projekten wie DIN mit Marcel Fengler sind nämlich auch dabei. Das Ergebnis gleicht einer Visitenkarte, hochwertig in sich abhebenden Buchstaben gedruckt, die gestochen scharf Efdemins dickflüssigen, kühlen Technosound symbolisiert. Diese Auswahl seiner Plattensammlung zeigt einige der eklektischen Einflüsse.

6. Depeche Mode – The Singles 81–85 (Mute, 1985)

Die hab ich damals im Hessischen Rundfunk bei der Hitparade International gewonnen. Wir haben die Hitparade per Postkarte gewählt, man konnte seine Lieblingslieder hinschicken und wir haben immer wieder Schallplatten gewonnen. Die haben wir uns dann aufgeteilt, mein Bruder und ich. Das war eigentlich mein erster Kontakt mit Sequencer-/Synthesizer-Musik und ich bin da total reingekippt. Elektronische Musik fängt da ein bisschen für mich an.

5. Love Inc. – Life’s A Gas (Force Inc, 1995)

Das ist eine Art musikhistorische Sampling-Bombe, die mich auf vielen Ebenen, was Techno angeht, sehr beeinflusst hat. Diese Platte im Speziellen, aber auch alles andere, was in der Zeit rauskam. Wolfgang Voigts Gas-Projekt, die Profan-Sachen, das fand ich alles großartig. Hat mich sehr beeindruckt und hatte immer eine interessante historische Ebene mit drin. Ich find bis heute eigentlich alles interessant, was er macht.

4. Pyrolator – Ausland (Ata Tak, 1981)

Diese Platte des von mir sehr verehrten Kurt Dahlke ist für mich eine ganz wichtige. Das ist etwa zur gleichen Zeit wie Depeche Mode rausgekommen. Wo man auf der einen Seite Hitparade hatte, hat man hier den totalen Wave-Underground, prä-Neue-Deutsche-Welle und extrem avantgardistischen MS-20-Collagen-Techno – Vor-Techno. Diese Platte und This Heat sind zwei, wo ich immer denke: Da ist Techno schon drin, ohne dass es erfunden worden ist.

3. This Heat – This Heat (Piano, 1979)

Da ist ein Stück drauf, „24-Track-Loop“, da haben This Heat Drums aufgenommen, die auf geschnittenen Tonbändern liefen, und dazu wieder gespielt – quasi das, was wir heute mit Ableton gewöhnt sind. Das ist nach wie vor sehr beeindruckend, auch akustisch eine sehr tolle Platte. Die drückt die Gitarrenwelt, die auch in mir drinsteckt, als jemand der in einem Postrock/Postpunk- Kontext großgeworden ist und dann in die elektronische Musik kam, ganz gut aus.

2. Stereolab – Emperor Tomato Ketchup (Elektra, 1996)

Dieses Stereolab-Album markiert eine Zeit, in der Loop-Konzepte, die aber noch mit Hand gespielt sind, mich sehr interessiert haben; Mitte der Neunziger, in Hamburg damals noch. Supertolle Platte, die ich auch damals mal irgendwo im Club gehört hab, von einem House-DJ gespielt. Da kommen dann so verschiedene Welten zusammen. Denn meine Idee von elektronischer Musik und Techno ist ja auch immer sehr informiert von vielen Quellen außerhalb dieser Welt.

1. Diverse – Zen, Goeika and Shomyo Chants (In Actual Buddhist …) (Lyrichord, 1963)

Mitschnitte von Shomyo-Gesängen aus japanisch-buddhistischen Tempeln. Ganz tolle Aufnahme, die ich von der Dokumentation her sehr interessant finde. Auch als Textur ist mir diese Musik und die ganze Shomyo-Kultur sehr ans Herz gewachsen, weil ich eine Zeit lang in Japan war und da auch immer wieder in bestimmte Tempel gegangen bin. Das repräsentiert das ein bisschen. Das ist eine der tollsten Aufnahmen dieser speziellen Form der Sutren-Rezitation.

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