Foto: Presse (Aleksi Perälä)

Wie entsteht eigentlich ein Stück Musik? In dieser Rubrik lassen wir Produzenten die Entstehungsgeschichte zu einem ihrer Tracks erzählen. Aleksi Perälä über „GBLFT1740072“ vom Album Paradox auf Trip.

Im Februar 2013 wurde ich in die Colundi-Sequenz eingeführt und begann meine ersten Experimente damit. Die Colundi-Sequenz ist ein nichtlinearer Satz von 128 Frequenzen – ein uraltes Stimmsystem, das in keiner Weise mit der heute gebräuchlichen gleichstufig temperierten Stimmung verwandt ist. Es hat mich und die Art, wie ich Musik mache, komplett verändert. Ich werde nie wieder zur gleichstufigen Stimmung zurückkehren. Als ich mir im Februar 2016 die Dokumentarserie The Pyramid Code ansah, wurde meine Faszination für Pyramiden stärker als je zuvor, wahrscheinlich, weil ich mich musikalisch Colundi verschrieben hatte. Im März 2016 habe ich begonnen, die Proportionen der Klangheilkammern in der Großen Pyramide von Gizeh zu untersuchen. Es hat mich fasziniert, dass die Menschen im alten Ägypten sich der Heilkräfte von Klängen in einem Ausmaß bewusst waren, dass sie einander mit heiligen Vokalen begrüßt haben, um sich gegenseitig ein gutes Gefühl zu geben, oder dass sie Räume so dimensioniert haben, dass diese einen maximalen Heilungseffekt besitzen.

Man baut nicht so etwas wie die Große Pyramide von Gizeh und stattet sie dann irgendwie mit Räumen aus: Alles ist so gut durchdacht und mit derartiger Präzision gebaut. Das wollte ich selbst ausprobieren. Auf Grundlage der realen Ausmaße berechnete ich die Frequenzen der stehenden Wellen in den Innenräumen. Ich bemerkte, dass die meisten von ihnen präzise Colundi-Frequenzen waren. Es war toll, die Gewissheit zu bekommen, dass Colundi schon vor sehr langer Zeit gebräuchlich war. Besonders die Simulation der großen Galerie klang wirklich fantastisch, als ich die relevanten Sinuswellenformen der entsprechenden Colundi-Frequenzen im Studio generierte. Im nächsten Schritt begann ich, mit kleinen temporären Räumen zu experimentieren, um die Effekte der stehenden Wellen zu simulieren – bewegliche Wände erlaubten mir ein rasches Austesten. Sich in einer stehenden Welle zu befinden, fühlt sich faszinierend an, wie der gesamte Körper innerhalb der Welle in Schwingung gerät. Für die Ohren klingt es so, als ob man Geräusche unter Wasser hört. Ich bin so tief in die Pyramiden- und Colundi-Connection eingestiegen, dass ich monatelang keine Musik mit Beats mehr gemacht, sondern ausschließlich im Bereich der stehender Wellen gelebt und Drones produziert habe. Es fühlte sich so an, als ob ich in etwas Großes und Zeitloses involviert gewesen wäre. Ich liebe dieses Gefühl.

Ich bin mir immer wie Außenseiter vorgekommen – und das fühlte sich dagegen an wie nach Hause kommen. 2016 begann ich wieder Musik mit Beats zu machen. Dieser Track begann als Erweiterung der Große-Galerie-Simulation, wie eine Verbindung der Gegenwart mit dem alten Ägypten. Über die Komposition selbst habe ich nicht viel zu sagen, weil ich nicht das Gefühl habe, dass ich überhaupt für sie verantwortlich bin; Colundi hat sie erschaffen. Alles in diesem Track geht auf die Große-Galerie-Simulation zurück, der Sinus-Bass und die Sinuswellen-Bleeps geben ihm ein Rückgrat, das von der Percussion flankiert wird. Es ist wie flüssige Heilkraft. Ich meine immer, im Hintergrund Vocals zu hören, aber in Wirklichkeit sind es nur um eine Oktave nach oben transponierte Sinuswellen, die durch ein enormes Reverb laufen. Ich glaube nicht, dass der Sinn und Zweck der Großen Galerie bis jetzt sehr gut verstanden worden ist, aber ich liebe, wie sie sich anhört.

Mein ursprünglicher Große-Galerie-Simulations-Tune ist „UK74R1619180”, der sechste Track meines Albums Contact. „GBLFT1740072“ ist eine weiterentwickelte Version der gleichen Idee. Als ich ihn kürzlich live in Tel Aviv spielte, fühlte sich der Track anders an als jemals zuvor – weil ich den Großen Pyramiden geografisch noch nie näher gewesen bin als bei diesem Anlass, nehme ich an. Ich kann es wirklich kaum erwarten, eines Tages selbst dorthin zu reisen, es zu sehen, zu hören und zu fühlen!


Stream: Aleksi Perälä – GBLFT1740072

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