Foto: Presse (Joey Anderson), Interview: Lakuti

Mit zwei LPs für Dekmantel und einer Reihe von EPs auf seinem eigenen Label Inimeg sowie anderen Imprints gehört Joey Anderson zu einem der geschäftigsten Produzenten der gesamten House-Szene. Ein Eigenbrötler ist er dennoch nicht, sondern Teil einer eingeschweißten Clique um DJ Qu, Nicuri und David S., die unter dem Namen Exchange Place ihrer Liebe für all things house nachgehen. Nachdem sie ihn für eine ihrer Finest Friday-Nächte in der Panorama Bar am 30. März 2018 im Berghain eingeladen hat, die Lakuti gemeinsam mit Tama Sumo organisiert, hat sich die Uzuri-Betreiberin mit Anderson über seine Wurzeln in der Ostküste der USA, House-Dancing und die Exchange Place-Crew unterhalten.

 


 

Lass uns damit anfangen, wie du an der Ostküste aufgewachsen bist und die Kreativität im New Yorker Umfeld zu dieser Zeit. Wie war das als Youngster, von so viel toller Musik und der dazugehörigen Szene umgeben zu sein?
Es war Gesetz. Du musstest demgegenüber, was um dich herum war, loyal sein. Musik kam zuerst. Damit meine ich, dass du zuallererst die Musik kennen musstest, bevor du überhaupt den Mund öffnen durftest. Wenn du das begriffen hattest, konntest du dich samt deines ganzen Talents voll einbringen. Noch heute denke ich, dass die Kultur dieser Zeit das Interessanteste ist, was ich je gesehen habe. Zu der Zeit war Pete Rose der größte Baseball-Spieler, den du finden konntest, aber ich fand die Tänzer, die ich damals gesehen habe, wesentlich besser.

Zum Tanzen und insbesondere zum House-Dancing bist du mit 13 gekommen. Was hat dich an der Szene so gereizt?
Das ist ein bisschen so wie in Europa mit dem Ballett. Ich konnte die hohen Standards im Tanz erkennen und wertschätzen. Der einzige Unterschied war die Hautfarbe. Ich erinnere mich daran, wie überall Pappe ausgelegt war. Die Leute waren völlig hin und weg von dem, was ihnen die Kids aus der Innenstadt geboten haben. Es hat die Welt geschockt. Wenn ich jetzt durch die Welt reise, haut es mich immer um, Graffiti zu sehen. Das wurde hier geboren, fand hier seinen Ursprung, und wurde vom Rest der Welt später kopiert. Verrückt. Die Kunst des Tanzens hat mich zu dem gemacht, der ich heute bin.

Später bist du vom Tanzen zum Produzieren und Auflegen übergegangen – haben deine Erfahrungen als Tänzer deinen Zugang zum Musikmachen und DJing beeinflusst?
Es gibt einen Anfang und ein Ende. Das ist alles, was ich im Kopf habe. Im Mittelteil machst du deinen Kram.

Wie kamst du mit DJ Qu zusammen?
Qu und ich kennen uns noch aus der Zeit, als wir in Clubs getanzt haben. Wir haben nie auch nur ein Wort miteinander gewechselt. (lacht) Aber wir haben einander respektiert. So war die Kultur damals: Halt die Klappe und zeig, was du drauf hast. Qu ist eine friedfertige Person, von Natur aus bescheiden. Ohne ein großes Ding draus zu machen, sprach er von einem Zählsystem beim Auflegen. David S., Nicuri und ich saßen dann nur da und fragten uns ‚was zur Hölle labert der!?‘. Nachdem wir uns das Set angehört haben, das wir zusammen aufgenommen hatten, wussten wir aber Bescheid. Qu ist mein größter musikalischer Einfluss. Er hat mir alles auf sehr natürliche Art und Weise beigebracht. Ich habe nie danach gefragt, es ist einfach so gekommen. Exchange Plan begann, nachdem wir schon jahrelang miteinander auflegten, über Musik sprachen, Musik zueinander brachten, einander kritisierten. Fast wären wir an dem Punkt angekommen, wie eine einzelne Person zu spielen.

Was ist demnächst von dir an der Produktionsfront zu erwarten?
Mehr Tracks!

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