Das bringt uns zur nächsten Frage. Der Gedanke, dass „alles Techno sein kann“, ist nicht allein das, was dich in erster Linie an House und Techno gereizt hat, sondern scheint auch die Voraussetzung für dein Auflegen zu sein. Wo ziehst du die Verbindungen zwischen den verschiedenen Stilen, Genres und Gefühlen deiner Platten?
Alles hängt emotional miteinander zusammen. Worauf ich glaube ich achte, sind körperliche Reaktionen. Wenn du etwas hörst, das für dich einem Genre angehört, eine Dub- oder Jazz-Platte etwa, könntest du dasselbe Gefühl einer Platte gegenüber haben, die im engeren Sinne Techno ist, oder Electro oder was auch immer. Und für mich ist das dann auf eine Art dasselbe.

Mit Blick auf deine letzten und kommenden Shows scheint es, als würdest du gerne B2B spielen.
Ich werde häufig angefragt. Ich mag es, alleine zu spielen, aber es kommt drauf an. Ich spiele nur mit guten FreundInnen B2B. Das macht mir am meisten Spaß, aber ich bemühe mich nicht unbedingt darum. Natürlich habe ich eine sehr enge Beziehung zu Objekt und wir machen ständig etwas zusammen. Und Leute wie Ben UFO und Shanti Celeste stehen mir einfach nahe.

Wenn du häufig angefragt wirst, scheint es aber etwas zu geben, das dich zu einem guten DJ-Partner macht.
Ich denke, das liegt daran, dass ich vielseitig bin. Ich mag es, zuzuhören. Es ist die Art, wie ich auflege – ich richte mich sehr nach der Crowd aus und dränge den Leuten nichts auf. Ich versuche, gemeinsame Lösungen zu finden. Ich denke, das macht mich als DJ-Partner ganz nützlich.

Wie gehst du diese Sets an? Bereitest du dich anders darauf vor als auf deine Solo-Sets?
Ich bereite mich eigentlich gar nicht auf DJ-Sets vor. Ich höre Musik, wenn ich im Studio bin, ich höre ständig neue und alte Musik. Ich bin jeden Tag und mein ganzes Leben über ständig mit Musik in Berührung und ich schätze mal, dass das allein meine Vorbereitung ausmacht.

Wo du das Studio erwähnst – wie gestaltet sich dein Arbeitsprozess, folgst du bestimmten Routinen?
Meine Routine ist mir auf mit Blick aufs Ganze sehr wichtig: Ich bin von zehn Uhr morgens bis sieben Uhr abends da. Ich benutze beschissenes Equipment, das mir seit Ewigkeiten gehört, weil mich Gear nicht wirklich interessiert. Das wichtigste ist mir, dass ich meine Ideen auf die einfachste Art ausdrücken kann. Dafür ist es wichtig, auf Gear zurückzugreifen zu können, das ich schon lange besitze. Ich habe mir den ganzen Kram angeschafft, als ich ziemlich pleite war. Und wenn ich damals gute Musik damit machen konnte, warum sollte ich heute etwas dran ändern? Nur, weil ich es mir leisten könnte? Das ist für mich kein ausreichender Grund, um etwas an meiner Arbeitsweise zu ändern.

Welches Equipment benutzt du denn?
Darüber rede ich nie. (lacht) Mein einziger Tipp: Finde etwas, das du dir leisten kannst, zerbrich dir nicht den Kopf über die Klangqualität und lern, damit umzugehen. Und wenn du es gelernt hast und dir dann denkst: „Eigentlich mag ich den Sound überhaupt nicht“, dann verkauf’s und probier etwas anderes aus. Aber diese Beziehung ist wichtig. Denn was tust du sonst? Du stehst nur auf Gear. Und das ist etwas fundamental anderes, als tatsächlich Musik zu machen. Das ist ein Zweck für sich selbst. Es gibt viele, die darauf abfahren und den Kram zu ihrem Fetisch machen. Aber für mich hat das nichts mit Kreativität zu tun. Sondern mit Konsumdenken.

Erlebst du manchmal kreative Blockaden?
Ich denke, genau deswegen beschränke ich mich nicht auf Musik. Denn wenn ich nicht in der Stimmung bin und in einem Bereich überhaupt nicht vorwärts komme, widme ich mich etwas anderem. Und wenn ich zurückkomme, sehen die Dinge meistens anders aus. Ich könnte mir sagen, dass ich diese Woche mit Lesen verbringe und mir anschaue, was die anderen so machen. Oder da ich nun so viele reise, kann ich viele Ausstellungen besuchen und noch ganz andere Dinge in den Städten tun, die ich besuche. Alles scheint sich stetig zu verändern, ständig kommt ein neuer Impuls dazu. Ich habe mich nie blockiert gefühlt, nein. Glücklicherweise. Toi, toi, toi!