In genau der Zeit hat Gudrun den Ocean Club ins Leben gerufen, eine Mischung aus Partyreihe, Radioshow und Musikprojekt. War das ein Ersatz für das Arbeiten in Bandkonstellationen?
Gut: Ja, ich wollte weg von der Band, das war durch für mich. 1991 gab es die letzte Matador-Platte, danach habe ich 1993 mit der Künstlerin Myra Davies eine Spoken-Word-Platte gemacht, das war für mich ein Solo-Befreiungsschlag, weil sie für die Texte zuständig war und ich allein für die Musik. 1996 erschien dann die Platte von Members Of The Ocean Club, da dachte ich an die Clubidee, aber übersetzt auf ein Album, ich mit unheimlich vielen Gästen. Und zur Record-Release-Party haben wir den Tresor dekoriert, war eine super Party, und danach hat uns Dimitri Hegemann gefragt, ob wir das nicht regelmäßig machen wollen. Da waren auch wieder viele Frauen dabei und wir haben in unterschiedlichen Städten gespielt, in Wien, in London, im Münchner Ultraschall. Und irgendwann bekamen Thomas Fehlmann und ich vom damaligen SFB das Angebot, beim seinerzeit neuen Radioeins eine Radioshow dazu zu machen. Und in dem Jahr, 1997, habe ich auch Monika Records gegründet. Das war für mich so ein Wendepunkt, 1997 hat sich unheimlich viel verändert. Dieses Jahr wird auch wieder so ein Punkt, glaube ich.

Das Label Monika Enterprise, dein zweites neben Moabit, wo seit 1990 vor allem Malaria!, Matador und Verwandtes erschienen, war eine Zeit lang mit prägend für einen bestimmten Sound von Berlin. Die Musik von Contriva, Quarks oder Barbara Morgenstern stand irgendwie für die heimeligen, intimen, kuscheligen Altbau-Wohnzimmer, ein Gegengewicht zu all dem Beton, Gemotze und Techno da draußen.
Gut: Es gab da eine neue Szene, die aber fast keiner veröffentlichen wollte. Da habe ich das übernommen, neben natürlich so Labels wie Morr Music oder Shitkatapult. Mich haben auch diese HipHop-Acts genervt, die mir immer die Welt erklären wollten, Monika war dagegen ein bisschen „Leise ist das neue Laut“. Der Name ist übrigens in Angedenken an einen Goldfisch von mir, der Selbstmord begangen hat, indem er aus seinem Aquarium gesprungen ist.


Stream: Lucrecia Dalt + Werkstatt: Blindholes

Monika wird in diesem Jahr 20 Jahre alt und den Geburtstag feiert ihr mit der Compilation Monika Werkstatt, bei der auch Beate mitgemacht hat. Die Arbeit daran war wieder so ein soziales Ding, oder?
Gut: Die Werkstatt gab es schon in verschiedenen Locations, da ging es uns auch darum, dass Frauen, die Musik machen, über ihre Arbeit sprechen. Einfach sich darüber austauschen, woran sie gerade arbeiten und wie. Das Publikum, das es dabei auch gab, sollte merken, wie viel Arbeit in und hinter der Musik steckt. Und dann wurde auch zusammen musiziert, das sollte wieder etwas Freies sein, zurück zu Mania-D.-Zeiten, jeder spielt seine eigenen Sachen, spielt mit den anderen zusammen, und so entstehen auch neue Sachen. Heute ist ja jeder Solo-Artist, das kann auch schnell langweilen. Dadurch, dass wir einzeln und zusammen spielen, bringt das jedem unheimlich viel, man lernt voneinander und vernetzt sich untereinander neu. Für die neue Compilation haben wir uns dann vergangenes Jahr zwei Tage in der Uckermark getroffen, wo ich inzwischen die Hälfte meiner Zeit verbringe, und Sessions gemacht. Jeder hat daraus zwei Stücke mit nach Hause genommen und fertig produziert. Darüber haben wir auch viel gesprochen. Wenn ich schon kein Geld verdiene, dann mache ich wenigstens Sachen, die mich ein bisschen kicken.

Mania D., Malaria!, Matador, Moabit, Monika, sogar Members Of The Ocean Club – lauter Projekte, die mit „M“ beginnen. Wieso immer dieser Buchstabe?
Gut: Na, weil wir so viele Projekte hatten, mussten wir irgendwas finden, was das alles verbindet.
Bartel: Ich hatte mal klasse esoterische Begründungen dafür. Zum Beispiel, dass die Lebenslinien in der Hand ja auch ein „M“ ergeben. Wir haben uns ja immer irgendwas ausgedacht.