Gudrun Gut & Beate Bartel

Zeitgeschichten

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Wie habt ihr euch kennengelernt?
Gut: Man ist sich damals immer irgendwie über den Weg gelaufen.
Bartel: Ich hatte Gudrun schon vorher gesehen. Aber so richtig miteinander gesprochen haben wir irgendwann wohl im SO36. Als Idee hatte es die Band schon lange vorher gegeben. Der Name kommt von meiner damaligen Nachbarin, die hatte den als Spitznamen auf der Arbeit verpasst bekommen, weil sie ein Arzt als manisch-depressiv diagnostiziert hatte. Da hatten wir zu Hause schon auf Kassetten zum Privatvergnügen Musik aufgenommen. Als wir später unseren ersten Proberaum hatten, waren nebenan so Altrocker, die schon seit Ewigkeiten geübt haben ohne einen Auftritt. Und wir hatten 1979 gefühlte drei Tage nach dem Einzug unseren ersten Gig. Wie die geguckt haben!

Wart ihr damals etwas Besonderes als Frauen, die Musik gemacht haben?
Gut: Nö, da gab es viele. Wir waren jung, das Leben ging los. Es herrschte Aufbruchsstimmung, Frauenemanzipation, es gab viele politische Diskussionen, wer jetzt den Abwasch macht und so. Die Geschlechterrollen haben sich aufgelöst, die Jungs haben sich auch geschminkt und sahen aus wie Mädchen. Für mich war damals klar: „Ab jetzt ist alles gleich.“ Aber dass die Frau – bis heute – in der Musikindustrie keine gleichberechtigte Rolle hat, das war mir damals nicht klar.

Eure Bandbesetzungen waren dabei immer ziemlich frei fließend.
Gut: Immer. Mania D. sollte zum Beispiel mal 1979 zur Eröffnung des Büros von Martin Kippenberger spielen. Da waren die aber gar nicht da, darum haben ein paar Leute und ich schnell eine andere Band gegründet, die hieß erst Summe über Zukunft und später dann Liebesgier. Alle waren miteinander vernetzt und haben sich gegenseitig unterstützt. Das war der Anfang der Independent-Infrastruktur. Schon das Wort „Szene“, das gab es in dem Sinn vorher gar nicht.

Mania D

Einer der Treffpunkte dieser Szene war der Laden Eisengrau, den du ab 1978 mit Bettina Köster und später Blixa Bargeld in Berlin-Schöneberg betrieben hast. Wie war es dort?
Gut: Das war ein freier Laden, in dem erst Bettina Köster und später Blixa zugleich lebte, für Klamotten und dann auch Tapes und Fanzines und so. Es gab damals einfach keine Läden für solche Sachen. Es gab nur Karstadt und meist ist man zum Einkaufen nach London gefahren. Wir haben dann Berliner Designer verkauft, alles Freunde und Bekannte. Und ich hab mir eine Strickmaschine gekauft und ganz tolle Pullover gemacht, ganz schlicht in Schwarz und Grau. Die müsste man noch mal rausbringen, die wären heute auch noch cool. Dann hatten wir im Eisengrau einen Flipper und der war die Attraktion. Man konnte da abhängen.

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