Foto: Saw-lin Services (Richie Hawtin); mit Ergänzungen von Kristoffer Cornils

Was wird im Club gespielt? Diese Frage interessiert nicht allein Fans der Szene, sondern auch die ProduzentInnen der Musik. Sofern diese nämlich bei der GEMA gemeldet sind, könnten sie finanziell davon profitieren, dass ihre Musik im Club gespielt wird. Die Verwertungsgesellschaft erhebt deshalb Daten über den Sound der Nacht und erntet nicht selten Spott und Häme für ihre Methoden. Richie Hawtin verspricht unter dem Motto Get Played Get Paid das Ganze zu vereinfachen. Und was sagt nun die GEMA dazu?

Die GEMA war schon immer Streitthema. Von Kunstschaffenden, Musikkonsumenten und Clubbetreibern teils kritisch beäugt, erstreckt sich der Einfluss der Verwertungsgesellschaft auch auf den Clubbetrieb. Clubs zahlen an die GEMA Lizenzgebühren, welche an die Urheber der Musik ausgezahlt werden sollen. Marc Grittke ist „Abteilungsleiter Zentraler Eingang“ bei der GEMA und kümmert sich um die Musikinformationen von Fernsehen, Funk und Musikveranstaltungen. „Was wird gespielt?“, lautet seine zentrale Leitfrage.

„Leute beschweren sich, dass umverteilt wird. Aber man lässt uns nicht in die Clubs!“

Dazu gehört auch das sogenannte Clubmonitoring, ein weiterer Zankapfel in der Debatte um die GEMA. Eine der größten Kritikpunkte lautet, dass Underground-Clubs aus dem Monitoringraster fallen und die Tantiemen an große Künstler gehen würden, die bei Major Labels unter Vertrag stehen. Der Grund? Es würden mehr Mainstream-Discos ausgewertet als Clubs. Die ProduzentInnen von Techno und House würden so von der Ausschüttung nichts zu sehen bekommen, während eine Helene Fischer atemlos dem nächsten Batzen Geld entgegenfiebern könne, lautet das Credo.

Dem Monitoringverfahren eilt der Ruf angeblich mangelnder Transparenz voraus. Die Aufzeichnungsboxen, die in Clubs angebracht werden und dort die gespielte Musik mitschneiden, werden oftmals auch als „Blackboxes“ bezeichnet. Grittke findet den Begriff sehr unglücklich: „Blackbox suggeriert ja, dass da etwas ist, das total intransparent ist.“ Er kritisiert auch das Verhalten der ClubbetreiberInnen. „Die Leute beschweren sich einerseits, dass umverteilt wird. Aber man lässt uns dann nicht in die Clubs! (…) Ich glaube, wenn man Post von der GEMA bekommt, ist man not so amused. Ich glaube, da landet auch viel im Papierkorb. Man verbindet damit auch immer, dass von der GEMA eine Rechnung kommt.“ Der Großteil der Clubs zahlt lieber einen Pauschalbetrag an die GEMA. Grittke dementiert die Behauptung, dass es sich beim Gros der in Underground-Clubs gespielten Musik um GEMA-freie Tracks handle – ein zentrales Argument in den Protesten gegen die pauschalen Erhöhungen des GEMA-Beitrags für Clubs im Jahr 2013.

Wie funktioniert Clubmonitoring?

Das Clubmonitoring ersetzte erst vor drei Jahren ein Verfahren namens Media Control. Im Shazam-Zeitalter klingt der Prozess von Media Contral nahezu archaisch: Musikspezialisten wurden damit beauftragt, sich die Mitschnitte aus den Clubs anzuhören und die Songtitel aufzuschreiben. Heute werden Monitoringboxen bei Clubnächten angebracht, um eine Stunde pro Nacht und Tanzfläche aufzunehmen. Dabei arbeitet die GEMA mit dem französichen Unternehmen YACAST zusammen. Die Songtitel, die dabei über ein Shazam nicht unähnliches System erfasst werden können, werden dann nachidentifiziert. „Da sitzen viele DJs und Elektroaffine, die sich dann wirklich manuell darum kümmern, um das ‚Delta“ (gemeint ist die Differenz zwischen identifizierten und nicht identifizierten Tracks, Anm. d. Red.) nachzurecherchieren. Das ist aktuell noch der Status Quo. Wir als GEMA sind ja auch recht deutsch und verlangen ein Identifizierungsergebnis von 95%. Im letzten Jahr hatten wir 97%.“

Dieses Ergebnis indes hat seinen Preis: Der Identifizierungsprozess ist nicht nur in personeller, sondern auch finanzieller Sicht extrem aufwändig. Viele KünstlerInnen würden sich darüber beschweren, dass ein zu großer Teil der Lizenzeinnahmen ins Monitoring statt in ihre Taschen flößen. Zudem die von Grittke behauptete Weigerung vieler Underground-Clubs hinsichtlich des Monitorings im eigenen Haus die Schere zwischen Mainstream und Subkultur noch weiter klaffen lassen: Wenn der Techno-Schuppen nebenan sich dem Monitoring nicht unterzieht und die Top-50-Dorfdisco aber schon, lacht – metaphorisch gesprochen – mal wieder Helene Fischer als Letzte, denn das probenhafte Verfahren ist repräsentativ und nicht absolut: Was die sogenannten Blackboxes in einer Stunde mitschneiden, wird auf eine Nacht hochgerechnet und dann letztlich auf das musikalische Clubgeschehen Deutschlands als Ganzes. „Deswegen ist Get Plaid Get Paid ja auch interessant“, gibt Grittke freimütig zu. „Weil sie den Ansatz haben, es nahezu kostenfrei vom DJ-Pult den Verwertungsgesellschaften bereit zu stellen.“


Video:Get Played Get Paid (Promovideo)

Die von Richie Hawtin in Partnerschaft mit Pioneer DJ und der Association For Electronic Music angekündigte Initiative Get Played Get Paid soll in Verbindung mit Hawtins App RADR (welche gespielte Tracks direkt auf Twitter postet) und KUVO (ein ähnliches Programm von Pioneer DJ) die Metadaten von DJ-Sets sammeln und so in letzter Instanz für eine präzisere Auszahlung an Künstler sorgen: Das Monitoring wäre dann nicht mehr repräsentativ, sondern absolut und die Initiative würde in Echtzeit eine genaue Übersicht über die gespielten Tracks einer ganzen Nacht ermöglichen. So zumindest die Theorie.

Grittke nimmt das positiv auf und war selbst im Rahmen des Reeperbahnfestivals an einem Panel unter dem Namen Get Played Get Paid beteiligt. Dort sprach er unter der Moderation von Mobilee-Mitbetreiber Ralf Kollmann über Chancen für Bezahlung von MusikerInnen im Clubkontext. „Die Idee ist an sich total sexy“, meint Grittke. Doch äußert er ebenso Bedenken: KUVO gehöre Panasonic, eine Unterstützung würde Wettbewerber benachteiligen und gegebenenfalls das Monopol des Unternehmens stärken.

Tatsächlich könnte Get Played Get Paid so die Nachidentifikation im Stile der GEMA überflüssig machen, eine globale Lösung ist damit dennoch wohl kaum gegeben: RADR etwa ist an Traktor gebunden, die etwas offener konzipierte App KUVO funktioniert nach dem Shazam-Prinzip und wäre vermutlich wiederum auf RADR bei der Erkennung eines Gros der gespielten Musik angewiesen. Vinyl-DJs müssten nach diesem System also vermutlich manuell Tracklists erstellen.

In den nächsten fünf Jahren würden sich laut Grittke die Monitoring-Möglichkeiten der GEMA deutlich verbessern. Ein Schritt in die richtige Richtung ist die Initiative unter Hawtins Beteiligung wohl zumindest insofern, als dass damit eine erneute Diskussion um die Praxen der GEMA – ihrerseits die einzige deutsche Verwertungsgesellschaft – angestoßen wird.