Zwei Clubs namens ROSA: Als hätten wir unser Fahrrad abgestellt, und es kommt jemand anderes, setzt sich drauf und fährt weiter”

„Eine kurze Suche über eine Suchmaschine hätte gereicht”, heißt es in der Stellungnahme des ROSA Greifswald vom 6. August. Gewünscht hätten die Betreiber des aktuell geschlossenen Clubs aus Mecklenburg-Vorpommern sich diese Maßnahme vom Berliner Club ROSA, der im September im ehemaligen Mensch Meier zu öffnen gedenkt – unter dem gleichen Namen.

Hinter dem angehenden „queerfreundlichen Community- und Kink-Club”, wie es in einer Pressemitteilung heißt, stecken die Betreiber des HIVE Festivals von der 121 Studio GmbH, die auch die benachbarte Hardtechno-Venue DSTRKT betreibt: Die sexpositiven Veranstalter-Ambitionen eines Immobilienunternehmers und eines Hardtechno-Acts und unabhängiger Clubbetrieb in Greifswald laufen synonym.

Murat Demirkaya, der Betreiber der Greifswalder ROSA, will das nicht hinnehmen, insbesondere nicht, weil er und sein Team trotz Closing im Januar perspektivisch nun doch weitermachen können. Im Interview spricht er darüber, wie er vom Doppelgängerclub erfuhr, wie eine potenzielle juristische Auseinandersetzung ausgehen könnte und wie Mitarbeiter des Berliner ROSA in den Kommentarspalten des Greifswalder Clubs gegen diesen schießen.

Dem angehenden ROSA in Berlin haben wir einen Fragenkatalog geschickt, der bis dato nicht beantwortet wurde. In einem Telefonat ließ man verlautbaren, dass man sich weniger auf den Namen, sondern auf die Vorbereitungen zur Eröffnung konzentrieren wolle.

GROOVE: Was ist derzeit der Stand im Namensstreit?

Murat Demirkaya: Wir haben eine E-Mail geschrieben, uns auf Instagram gemeldet und eine Frist gesetzt, in einem ganz kollegialen Ton. Darauf kam nichts zurück, dann habe ich ein Einschreiben aufgesetzt. Daraufhin hat mir eine Mitarbeiterin des ROSA in Berlin geschrieben, dass ihr Chef bis zum 30. August im Urlaub sei. Als ich fragte, wie ihr Chef heißt, kam keine Antwort. Die Frist, die wir gesetzt haben, ist jetzt abgelaufen. Wir haben zuerst keine Antwort bezüglich der Sachfrage bekommen.

Der Betreiber der ROSA Greifswald, Murat Demirkaya (Foto: Murat Demirkaya)
Der Betreiber der ROSA Greifswald, Murat Demirkaya (Foto: Murat Demirkaya)

Was ist dann passiert?

Am vergangenen Freitag hat sich jemand vom HIVE Festival direkt unter unserem Beitrag geäußert, in einer unglaublich arroganten und ignoranten Form: Dass wir uns um unsere ROSA kümmern sollten und es nicht geschafft haben, den Betrieb am Laufen zu halten. Dass wir seine Kultur verhindern würden. Diesen Kommentar hat er wieder gelöscht, ich habe aber einen Screenshot.

Der Mitbegründer des HIVE Festivals äußert sich in der Kommentarspalte der ROSA Greifswald (Screenshot: Murat Demirkaya)
Der Mitbegründer des HIVE Festivals äußert sich in der Kommentarspalte der ROSA Greifswald (Screenshot: Murat Demirkaya)

Was folgt nun daraus?

Mittlerweile haben wir uns mit einem Fachanwalt für Markenrecht in Verbindung gesetzt. Er sieht die Lage als kompliziert an und würde uns von einer juristischen Auseinandersetzung abraten, weil der Ausgang ungewiss ist. Wir müssten nachweisen, dass es zu einer tatsächlichen Verwechslung kommen könnte, weil wir in Greifswald und die in Berlin sitzen. Das ist für uns sehr bitter. Durch die ganzen Social-Media-Aktivitäten des Mitgründers des HIVE ist klar, dass sie wissen, dass es uns gibt. Sie rücken vom Namen trotzdem nicht ab. Ihre Instagram-Seite haben sie mittlerweile auf privat gestellt, nachdem sie zuvor nur die Kommentarfunktion abgestellt hatten. Man kann öffentlich nichts mehr einsehen. Wir haben uns nun an Meta gewendet und geschrieben, dass die den gleichen Namen wie wir haben und wir möchten, dass die Seite gesperrt wird. Wir haben mit derselben Bitte auch an Resident Advisor gemailt. Die haben eigene Richtlinien, und wir hoffen, dass sie uns folgen. Ansonsten sind uns die Hände gebunden. Wir finden das unter aller Kanone, so geht man unter Kollegen nicht miteinander um.

Du denkst, sie wussten von Anfang an, dass es eine ROSA in Greifswald gibt?

Das macht es so schmerzhaft: Ich kann mir nicht vorstellen, dass die erstens nicht wussten, dass es uns gibt, und zweitens, dass sie den Namen vorher nicht gegoogelt haben.

Das würde man von einem professionell agierenden Unternehmen erwarten.

Das ist das Erste, was du machst. Du hast einen Namen im Kopf, dann googelst du den. Wenn dann der ROSA Club Greifswald auftaucht, fällt es mir schwer zu glauben, dass das ein Versehen ist. Diese fehlende Wertschätzung für unsere Arbeit tut besonders weh. Dass einfach so darüber hinweggegangen wird.

Ihr sagt auch, dass es kein Zufall sein kann, weil sich Logos und CI ähneln.

Absolut. Diese Kleinschrift, dieser Block an Buchstaben. Es haben uns DJs und Gäste angeschrieben und gefragt, ob wir das in Berlin sind. Ob wir weitermachen. So haben wir das überhaupt erst mitbekommen.

Der Fall wird auch dadurch pikanter, dass ihr als Club weitermacht. Eigentlich hattet ihr eure Schließung für Ende Januar verkündet.

Ja. Die bauen damit auf unserer Arbeit auf. Das ist so, als wenn wir unser Fahrrad abgestellt hätten, und es kommt jemand anderes, setzt sich drauf und fährt weiter. Ich würde denen einen Vertrauensvorschuss geben, aber ich kann mir wirklich nicht vorstellen, dass sie nicht wussten, dass es uns gibt.

Wie geht’s nun weiter?

Deren Eröffnung steht Anfang September an. Das ist schon bald. Ich kann mir schwer vorstellen, dass der Chef bis zum 30. August im Urlaub ist, wenn sie Anfang September eröffnen. Das klingt, als wollten sie Zeit schinden.

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