Live Nation Entertainment hat im Kartellverfahren um die angebliche Monopolbildung im Live-Sektor eine vorläufige Einigung mit dem US-Justizministerium erzielt. Das Unternehmen muss demnach eine Schadensersatzsumme in Höhe von 200 Millionen US-Dollar zahlen.
Die Fusion von Ticketmaster und Live Nation Entertainment im Jahr 2010 verband Ticketverkauf und die Durchführung von Konzertveranstaltungen unter einem Konzern, wodurch es dem Unternehmen möglich wurde, den Markt zu dominieren und die Konkurrenz zu verdrängen. Live Nation wurde in der Vergangenheit immer wieder vorgeworfen, mit illegalen Praktiken eine Monopolstellung in der Live-Musikbranche zu erzwingen.
Die Einreichung der Klage seitens der US-Regierung und 40 weiteren Einzelstaaten erfolgte bereits im Mai 2024. Der Jury-Prozess startete Anfang März dieses Jahres in New York und sollte ursprünglich mehrere Wochen dauern. Der Vergleich muss noch von einem US-Bundesrichter abgesegnet werden, bevor er in Kraft tritt.
„Seit Jahren erzielt Live Nation enorme Gewinne, indem das Unternehmen sein illegales Monopol ausnutzt und die Kosten für Shows erhöht”, so New Yorks Generalstaatsanwältin Letitia James. „Meine Behörde hat eine überparteiliche Gruppe von Generalstaatsanwälten angeführt, die Live Nation verklagt hat, weil das Unternehmen Fans, Veranstaltungsorte und Künstler ausnutzt. Wir sind entschlossen, Live Nation zur Verantwortung zu ziehen.”
Die ursprüngliche Idee war es, den Konzern Live Nation Entertainment zu zerschlagen. Die nun erzielte Einigung soll zumindest die Kosten für Ticketkäufer:innen senken. Außerdem müsste Ticketmaster seine Plattform öffnen, indem es Exklusivverträge aufgibt, technische Schnittstellen teilt, faire Wettbewerbsbedingungen garantiert und Konkurrenten nicht mehr mit unlauteren Methoden vom Markt verdrängt. Des Weiteren müsste das Medienunternehmen 13 Amphitheater verkaufen, da diese ihm eine besonders starke Marktposition sicherten. Durch mehr Wettbewerb auf der Plattform, transparente Gebühren und eine freie Wahl der Venues sollen Ticketpreise für Fans sinken und die Marktmacht von Live Nation und Ticketmaster begrenzt werden.
Am erzielten Vergleich gibt es allerdings Kritik: „Der kürzlich angekündigte Vergleich mit dem US-Justizministerium geht nicht auf das Monopol ein, das im Zentrum dieses Falls steht, und würde Live Nation auf Kosten der Verbraucher begünstigen. Dem können wir nicht zustimmen”, so James. Mehr als 25 US-Bundesstaaten haben bereits angekündigt, den Vergleich nicht zu akzeptieren und den Kartellprozess möglicherweise in Einzelverfahren und ohne die Unterstützung der US-Bundesregierung fortzuführen.
Bei einem Kartellverfahren handelt es sich um ein rechtliches Verfahren gegen Unternehmen, die gegen das Kartell- oder Wettbewerbsrecht verstoßen haben. Dabei wird geprüft, ob Firmen den Markt unfair kontrollieren oder Konkurrenz verhindern.
Zuletzt veröffentlichten Live DMA und Reset! zwei Schaubilder, in denen die Eigentumsverhältnisse der europäischen Musikfestivals aufgeschlüsselt wurden. Diese befinden sich meist in der Hand einiger großer Player wie Superstruct Entertainment, CTS Eventim, der Anschutz Entertainment Group – oder eben Live Nation Entertainment. Die zunehmende Monopolisierung des Event-Betriebs hat für kleinere Unternehmen immer wieder verheerende Konsequenzen. Zuletzt hat die Berliner Konzertkasse KOKA36 den Betrieb eingestellt.







