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Robert Havemann über das AMT am Alexanderplatz: „Wir finden es nicht so toll, wenn man drei Stunden ansteht und dann nicht reinkommt”

Ein neuer Club am Berliner Alexanderplatz, der unter einem Späti gelegen ist – das kann man sich nicht so leicht vorstellen. GROOVE-Autor Paul Sauerbruch sprach exklusiv mit Robert Havemann, dem Gründer und Geschäftsführer des AMT. Im Interview erklärt Havemann unter anderem, wie er die Berliner Nacht ohne Schlangestehen und mit fairen Preisen zugänglicher machen will.

GROOVE: Das AMT soll in den nächsten Monaten eröffnen. Seit wann arbeitet ihr daran?

Robert: Mit diesem Unternehmen seit März 2025. Das Projekt war aber davor schon länger mit anderen Beteiligten geplant. Da gab es eine Restrukturierung, und wir haben die Prozesse nochmal von vorne anschieben müssen.

Der Club befindet sich in den S-Bahnbögen zwischen Cubix-Kino und Berolinahaus. Wie sehen die Räume aus?

Die S-Bahnbögen haben auch Keller, das erwartet man nicht unbedingt. Unter drei solcher S-Bahnbögen befindet sich unser Club. In einem Bogen betreiben wir den Späti, von dort führt eine Wendeltreppe hinunter in den Club. Wir haben diesen Ort durch Zufall gefunden und dachten sofort: Das ist ein sehr außergewöhnliches Objekt, perfekt für einen Club.

In den S-Bahn-Bögen des Alexanderplatz wurde ein Club erbaut (Foto: AMT Club)
In den S-Bahn-Bögen des Alexanderplatz ist ein Club entstanden (Foto: AMT Club)

Es soll alles ideal sein, man soll nichts besser machen können. So lange werden wir daran rumtüfteln.

Was habt ihr dort vorgefunden?

Das war Spielcasino, da waren abgehängte Decken drin und ein roter Teppich. Also ein bisschen weird, kein schickes Casino, sondern eher ein seltsames. Das musste alles rausgerissen werden. Das Ding war schon lange nicht mehr in Betrieb.

Klingt nach Arbeit.

Das war alles marode. Fast alle Leitungen mussten ersetzt werden, der Fahrstuhl musste komplett repariert werden. Das war schon sehr, sehr aufwendig. Da ist nichts da drin, was wir nicht mindestens einmal in der Hand hatten.

Der Club scheint richtig groß zu sein, er liegt unter drei S-Bahnbögen.

Er ist relativ groß, ja. Das Ding hat im Prinzip drei Räume. Oben ist die Garderobe, quasi hinter dem Spätkauf. Wenn man von hinten reinkommt, steht man gleich vor der Garderobe. Dann geht man runter und kommt unten in diese drei Bereiche, die alle gleich groß sind. Dabei soll es nicht gleich mit voller Kapazität losgehen, wir fahren Schritt für Schritt hoch.

Wie sieht das Profil des Clubs aus?

Wir haben extrem viel Wert auf den Sound gelegt, das ist für uns ein USP. Wir nutzen ein Kirsch-Audio-System haben im gesamten Club Raumakustik mit einer klassischen Absorber-Konfiguration verbaut. Das ist jetzt schon wirklich sehr, sehr fett und klingt sehr sauber. Wir bauen aber noch weiter dran, mit ​​Will Singh Wilson. Das ist der Tontechniker, der die Raumakustik im Open Ground in Wuppertal gemacht hat. Mit ihm arbeiten wir momentan ein revolutionäres und einzigartiges Konzept aus, das wir Stück für Stück umsetzen werden. Es soll alles ideal sein, man soll nichts besser machen können. So lange werden wir dran rumtüfteln.

Für besten Sound soll eine Kirsch-Anlage sorgen (Foto: AMT Club)
Für besten Sound soll eine Kirsch-Anlage sorgen (Foto: AMT Club)

Was für Musik stellt ihr euch vor? 

Wir machen am Wochenende auf jeden Fall ausschließlich elektronische Musik. Konkret sind wir da noch ganz offen, wir gucken uns das mit den jeweiligen Kollektiven an. Es ist durchaus jemand dabei, der Goa macht, auch wenn wir das nicht so oft machen werden. Wir legen uns da bewusst nicht fest, weil wir verschiedenen Communitys Raum geben möchten. Die sollen sich da ein bisschen austoben können. Unter der Woche ist es so, dass wir sehr viel offener sind, in dem Sinn, dass wir da ganz gerne disruptivere Sachen machen würden, ein Punkrock-Konzert etwa oder auch Klassik. Ich komme selbst eher aus der Klassik-Richtung und würde das gerne mal kombinieren.

Soll es dann am Wochenende einen Techno- und einen House-Floor geben?

Genau. Allerdings muss es sich nicht um diese beiden Musikrichtungen handeln. Die Floors haben unterschiedliche Charaktere, das hat mit der Raumaufteilung und der jeweiligen Licht- und Soundanlage zu tun. Entsprechend unterschiedlich wollen wir sie bespielen.

Das ist etwas, was schon lange in mir rumspukt, als Idee.

Was habt ihr bis zur Eröffnung noch zu tun?

Wir haben die Konzessionen, alle Erlaubnisse von staatlicher Seite, das Ding ist auch fertig gebaut. Wir warten nur noch auf die Deutsche Bahn, schließlich befinden sich unsere Räume in einer Brücke der Deutschen Bahn. Ansonsten sind wir bereit für die Eröffnung.

Im Tagesspiegel-Artikel war auch von queeren und sexpositiven Formaten die Rede.

Das machen wir noch relativ wenig. Ich kann aber schon sagen, dass die Fuck You Gender bei uns stattfinden wird. Wir haben auch einige queere Kollektive, die bei uns neue Partyreihen starten werden, auch weil wir keine Reihen haben wollen, die schon in zehn Clubs waren. Das soll relativ klar an diese Location angepasst sein. Wir suchen derzeit nach Veranstaltenden mit sexpositiven Formaten, die zu uns passen.

Abgeklebte Handykameras gehören im AMT zum Konzept – die Installationen erschließen sich nur beim persönlichen Besuch (Foto: AMT Club)
Abgeklebte Handykameras gehören im AMT zum Konzept – die Installationen erschließen sich nur beim persönlichen Besuch (Foto: AMT Club)

Berliner:innen kennen dich als Gastronom, etwa als Betreiber der Velvet Bar in Neukölln und als Macher des Wavepark Wellenwerks in Lichtenberg. Was reizt dich an der Clubkultur?

Das ist etwas, was schon lange in mir rumspukt, als Idee. Im Wellenwerk haben wir auch eine Zeit lang Partys gemacht, besonders während Corona. Da habe ich Blut geleckt, ich fand das geil. So habe ich die richtigen Kontakte geknüpft, und dann hat sich das ergeben. Dieses Ding wurde mir angeboten, dann dachte ich: Dann ist es jetzt eben Zeit für den Club. Junge Menschen würden sagen: Das hat sich manifestiert.

Das klingt alles nach einem enormen Aufwand. Wie finanziert ihr das Ganze?

Wir haben einen Investor an Bord, der ist auch Gesellschafter bei uns. Wir sind also selbstfinanziert.

Wann kann man mit Ankündigung, Instagram-Account und Promotion rechnen?

Wenn die Geschichte mit der Deutschen Bahn durch ist, werden wir sofort anfangen, den Veranstaltungskalender vollzumachen. Den Instagram-Account gibt es schon. Da werden wir natürlich entsprechend kommunizieren, wenn es losgeht. Außerdem kann man sich auf unserer Internetseite für den Newsletter anmelden.

Habt ihr eine No-Photo-Policy? Ist euer Anspruch, einen Underground-Club zu schaffen?

Definitiv.

Auch mit Selektion an der Tür?

Klar.

Wenn du ankommst, wird dir sofort gesagt, ob du reinkommst.

An dem Standort am Alexanderplatz mit Laufkundschaft kann das eine Herausforderung werden.

Besonders wenn du Queer-Partys machst, ist das schwierig. Wir brauchen auf jeden Fall eine sehr gute Selektion. Das machen wir auch in-house, wie die gesamte Tür. Wir haben keinen externen Dienstleister für die Sicherheit, das ist uns wichtig. Außerdem legen wir besonderen Wert auf das Thema Awareness. Hier arbeiten wir momentan gemeinsam mit Queer Mama ein auf unseren Klub abgestimmtes Konzept aus.

Der Club steht, nur noch die Genehmigung der Deutschen Bahn fehlt (Foto: AMT Club)
Der Club steht, nur noch die Genehmigung der Deutschen Bahn fehlt (Foto: AMT)

Auf welcher Seite der S-Bahn befindet sich die Schlange?

Das ist bei uns besonders, wir wollen das nicht so machen wie andere Clubs. Wir wollen keine physische Warteschlange haben, sondern eine digitale. Wenn du ankommst, wird dir sofort gesagt, ob du reinkommst. Wer reinkommt, bekommt einen QR-Code – dann wird man aufgerufen, wenn man dran ist.

Weil vor Ort nicht so viele Leute vor der Tür stehen dürfen?

Nein, das ist nicht das Problem. Wir finden das einfach nicht besonders cool, wenn man irgendwo drei Stunden ansteht und dann nicht reinkommt. Das wollen wir vermeiden. Wir bieten den Leuten die Möglichkeit, sich beim Burgermeister, der sich über dem Club befindet, einen Burger zu holen – oder ein Getränk bei unserem Späti.

Der Späti gehört auch zu euch.

Ja, das ist unser Späti. Er hat schon geöffnet, weil alle Genehmigungen durch sind. Der Späti ist ein finanzieller Puffer für uns. Dadurch können wir mit dem Club anders umgehen. Wir haben weniger als andere Veranstaltende den Druck, an einer bestimmten Zahl von Tagen sämtliche Kosten einspielen zu müssen. Auch personell sind wir flexibler.

Wie sieht euer Preisniveau bei Eintritt und Getränken aus?

Der Späti ermöglicht uns tatsächlich auch, in dem Bereich anders zu agieren. Wir bieten einen Longdrink mit hochwertigen Spirituosen für acht Euro an. Das hat wieder den Hintergrund, dass wir das freundlich machen wollen. Dass es einfach cool ist für die Leute. Dass die nicht hinkommen und 25 Euro Eintritt zahlen müssen. Wir wollen den Eintritt bei 15 Euro halten, maximal 20 Euro bei ausgewählten Veranstaltungen. Und eben ohne Schlange.

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