Alte Münze: Kulturstätte möglicherweise als Wohnraum genutzt

Der künstlerische Leiter der Spreewerkstätten hat nach Recherchen des Tagesspiegel wahrscheinlich auf dem Gelände des Berliner Kulturorts Alte Münze gewohnt. Das gehe aus übereinstimmenden Beobachtungen von Augenzeugen hervor. Die Wohnnutzung ist laut dem zuständigen Verwalter Berliner Immobilienmanagement GmbH (BIM) nicht im Mietvertrag vorgesehen. Die Spreewerkstätten sind seit über zehn Jahren der privatwirtschaftliche Zwischennutzer des landeseigenen Areals und für die Untervermietung an Unternehmen oder Einzelpersonen zuständig.

Von diesem Vergaberecht hat die Partnerin des künstlerischen Leiters offenbar profitiert: Einzelne Areale wurden direkt an sie oder an das Transition Institute untervermietet, bei dem laut Handelsregister neben der Partnerin auch der künstlerische Leiter als Gesellschafter fungiert.

Im Fokus steht nun die landeseigene BIM, die das Areal verwaltet. Diese habe laut Recherche von der Vergabe an die Partnerin gewusst: „Die BIM muss darauf achten, dass eine Untervermietung an Angehörige nicht oder nur im Rahmen des Mietvertrags geschieht. Was nicht geht, ist, dass der Hauptmieter seine Buddys bedient und andere dann bekommen, was noch übrig bleibt”, so der ehemalige Finanzsenator Matthias Kollatz von der SPD.

Auch bei der illegalen Nutzung als Wohnstätte ist die BIM am Zug. Wegen des Verstoßes gegen den Mietvertrag kann hier eine Finanzstrafe, eine Abmahnung oder sogar eine Kündigung ausgesprochen werden – wenn sich die nicht vorgesehene Nutzung überhaupt nachweisen lässt.

Brisant ist dieser Vorgang vor dem Hintergrund der Entscheidung des schwarz-roten Senats über die weitere Nutzung des Areals: Im Gegensatz zu den Plänen der Vorgängerregierung, die ein senatsfinanziertes Kulturareal vorsahen, soll nun die Zwischennutzung durch die Spreewerkstätten durch einen langfristigen Mietvertrag verstetigt werden. Ursprünglich sollte der Vertrag ab Juli gelten, nun wird mit einem Beginn der Laufzeit ab Oktober gerechnet. Der Vertrag liegt dem zuständigen Hauptausschuss allerdings noch nicht vor und ist deshalb noch nicht unterzeichnet.

Neben der SPD kritisieren auch Grüne und Linke sowohl die nicht genehmigte Wohnnutzung als auch das Vorgehen bei der Vergabe des Mietvertrags und der einzelnen Areale. Vertreter der CDU sehen in den neuen Entwicklungen als Bagatelle.

Letztlich stehen sich hier zwei Konzepte von Kulturförderung gegenüber. Die Vorgängerregierung wollte einen dreistelligen Millionenbetrag in ein vom Senat durchfinanziertes Haus investieren – Beträge, die in Zeiten knapper Kassen unrealistisch erscheinen. Die aktuelle Koalition dagegen glaubt an das Engagement unabhängiger Akteure, die zunächst selbst in Vorleistung gehen und später mit vergleichsweise kleinen Summen gefördert werden. Nun zeigt sich allerdings, dass es offenbar an verbindlichen Vergabekriterien gemangelt hat. Es scheint nicht ganz klar zu sein, wo die Grenzen zwischen Kultur und (dem bei diesem Modell notwendigen) Kommerz liegen.

Transparenzhinweis: Die GROOVE war von Oktober 2023 bis März 2025 Mieterin in der Alten Münze.

News

Weiterlesen

Nach Anschlag auf CSD: Feier-Demo „Zug der Liebe” abgesagt

Nach dem Anschlag auf den Christopher Street Day unterstützt der Zug der Liebe nun die Kundgebung für den Erhalt des RAW-Geländes.

Nach Anschlag auf CSD: Feier-Demo „Zug der Liebe” abgesagt

Nach dem Anschlag auf den Christopher Street Day unterstützt der Zug der Liebe nun die Kundgebung für den Erhalt des RAW-Geländes.

Studio 54: ARTE zeigt Doku über legendären New Yorker Club

Der Dokumentarfilm blickt auf Aufstieg und Fall des legendären Nachtclubs Studio 54 und die Disco-Kultur der 1970er-Jahre.

Aphex Twin: Vinyl-Reissue von „Drukqs” angekündigt

25 Jahre nach dem Release wird „Drukqs“ erstmals auf Vinyl neu aufgelegt. Warp Records veröffentlicht zudem CD- und Kassetten-Versionen.

Humboldthain: Berliner Club sagt nach CSD–Anschlag Demo ab 

Rave the Planet reagiert mit einem Statement, in Hamburg wird das Sicherheitskonzept für den CSD am kommenden Wochenende überarbeitet.

Kavinsky: Französischer DJ und Producer verstorben

Kavinsky wurde tot in seiner Pariser Wohnung aufgefunden. Unseren Nachruf über den „Nightcall”-Producer lest ihr hier.

Nico Stojan: Bar25-Resident und Ouïe-Mitbetreiber verstorben

Mit seinem in Jazz und Soul verwurzelten House-Sound war Nico Stojan einer der einflussreichen DJs der Bar25, später gründete er Ouïe.

Nach Anschlag auf den Berliner CSD: Community und Stadt trauert

Der Anschlag auf den Berliner CSD erschüttert die Hauptstadt. Während Berlin der Opfer gedenkt, wirft der Fall Fragen auf.

16 Jahre nach der Loveparade-Katastrophe: Duisburg erinnert an die 21 Todesopfer

Erstmals richtet die Stadt die offizielle Gedenkfeier selbst aus – nachdem sich die langjährige Opferstiftung Ende 2025 aufgelöst hat.

„KitKatClub – Kinks of Berlin”: Kinostart für Doku über Berlins Fetischclub steht fest

Regisseur Fussenegger begleitet Stammgäste des Berliner Clubs und erzählt von Freiheit, Identität und den Menschen hinter der Fassade.
Performer tragen Fässer im legendären Studio 54 in New York

Studio 54: ARTE zeigt Doku über legendären New Yorker Club

Der Dokumentarfilm blickt auf Aufstieg und Fall des legendären Nachtclubs Studio 54 und die Disco-Kultur der 1970er-Jahre.

Aphex Twin: Vinyl-Reissue von „Drukqs” angekündigt

25 Jahre nach dem Release wird „Drukqs“ erstmals auf Vinyl neu aufgelegt. Warp Records veröffentlicht zudem CD- und Kassetten-Versionen.
Der Humboldthain-Club ruft zur Spende auf (Foto: Humboldthain)

Humboldthain: Berliner Club sagt nach CSD–Anschlag Demo ab 

Rave the Planet reagiert mit einem Statement, in Hamburg wird das Sicherheitskonzept für den CSD am kommenden Wochenende überarbeitet.
Kavinsky by Press

Kavinsky: Französischer DJ und Producer verstorben

Kavinsky wurde tot in seiner Pariser Wohnung aufgefunden. Unseren Nachruf über den „Nightcall”-Producer lest ihr hier.

Nico Stojan: Bar25-Resident und Ouïe-Mitbetreiber verstorben

Mit seinem in Jazz und Soul verwurzelten House-Sound war Nico Stojan einer der einflussreichen DJs der Bar25, später gründete er Ouïe.

Nach Anschlag auf den Berliner CSD: Community und Stadt trauert

Der Anschlag auf den Berliner CSD erschüttert die Hauptstadt. Während Berlin der Opfer gedenkt, wirft der Fall Fragen auf.
Die offizielle Gedenkstätte für das Loveparade-Unglück liegt am ehemaligen Güterbahnhof in Duisburg an der Mauer der Rampe am Karl-Lehr-Tunnel. Am 24. Juli 2010 starben dort 21 Menschen, über 500 wurden verletzt (Foto: Konni Wk/ Google)

16 Jahre nach der Loveparade-Katastrophe: Duisburg erinnert an die 21 Todesopfer

Erstmals richtet die Stadt die offizielle Gedenkfeier selbst aus – nachdem sich die langjährige Opferstiftung Ende 2025 aufgelöst hat.

„KitKatClub – Kinks of Berlin”: Kinostart für Doku über Berlins Fetischclub steht fest

Regisseur Fussenegger begleitet Stammgäste des Berliner Clubs und erzählt von Freiheit, Identität und den Menschen hinter der Fassade.