Stevie B-Zet: Vordenker des Sound of Frankfurt überraschend verstorben

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Stevie B-Zet ist am 27. Juli im Alter von 62 Jahren nach kurzer, heftiger Krankheit verstorben. Als Keyboarder, Komponist und Produzent hat Stevie B-Zet in der ersten Hälfte der Neunziger den Sound of Frankfurt auf Eye Q und Harthouse mitgestaltet, später war er als Pop-Producer und Soundtrack-Komponist tätig.

Steffen Britzke wurde am 31. August 1960 in Frankfurt geboren. Schon als Kind begann er Klavier zu spielen. Später studierte er Musikpädagogik. Als Student war er auch als Studiomusiker tätig, unter anderem für Gunther Mende, der Pop-Acts wie Jennifer Rush oder Gloria Gaynor produzierte. Mit diesen Jobs finanzierte er seine ersten Synthesizerkäufe, die elektronische Musik faszinierte ihn schon zu Beginn der Achtziger.  

Stevie B-Zet (Foto: Unbekannt)

Seine Mitstreiter Ralf Hildenbeutel und Matthias Hoffmann, die seine Karriere für Jahrzehnte mitbestimmen werden, lernt er 1987 in der Funkband Midnite Fun kennen. Die zehnköpfige Gruppe um das Gesangsduo Duval und Kathy Deans tourte deutschlandweit und ist auch deshalb legendär, weil von der Band keine einzige Aufnahme existiert.

Am Ende der Achtziger Jahre explodierten in Frankfurt Techno und House. Matthias Hoffmann gründete 1990 mit Heinz Roth und Sven Väth das Label Eye Q und lud Steffen Britzke und Ralf Hildenbeutel ein, mitzumachen, nachdem Hoffmann schon als Keyboarder an Väths Band OFF beteiligt war.

Stevie B-Zet (Foto: Unbekannt)

Nach der Auflösung von OFF gründete Väth 1990 mit Britzke und Hoffmann das Trio Mosaic, Aufsehen erregte 1991 ihr Hit „Dance Now”. „Steffen hatte eine klassische musikalische Ausbildung. Mit Sven war das dann ein Clash”, erinnert sich Ralf Hildenbeutel heute.

Britzke und Hildenbeutel wurden die zentralen Musiker im Kosmos von Eye Q und dem 1992 gegründeten Trance-Label Harthouse. Sie veröffentlichten unter ihren eigenen Namen, in verschiedenen Gruppenkonstellationen und halfen als Instrumentalisten und Produzenten bei anderen Künstler:innen aus.

Mit Matthias Hoffmann produzierte Britzke den Vocal-House- und Trance-Act Vernon und den Rapper Da Germ. Mit „No Fate”, das unter dem Alias Zyon erschien, sind Hoffmann, Britzke und Da Germ für einen der größten Trance-Hits des Eye-Q- und Harthouse-Kosmos verantwortlich.

Eye-Q- und Harthouse-Mitbetreiber Heinz Roth, Stevie B-Zet, Sven Väth (Foto: Unbekannt)

Während Hildenbeutel zwischen 1992 und 1998 drei Sven-Väth-Alben produzierte, bildete Britzke mit Väth das Duo Astral Pilot, ihr gemeinsames Album Electro Acupuncture erschien 1995.

Als „Klangwelten, in denen man sich verlieren kann, gepaart mit einer großen Liebe zu den musikalischen Details” charakterisiert Hildenbeutel die Musik von Stevie B-Zet in dieser Zeit. Seine herausragenden Arbeiten sind die beiden Alben Archaic Modulation (1993) und When I See … (1995).

1997 mussten Eye Q und Harthouse Insolvenz anmelden. Britzke, Hildenbeutel und Hoffmann stimmte das aber nicht traurig. Zumindest sieht das Hildenbeutel heute so. In ihren Augen hatte sich die Szene zu sehr in Richtung Eurodance und Schlumpftechno entwickelt. „Die Faszination war vorbei, alles war gesagt. Wir wollten uns umorientieren”, kommentiert er die Haltung der Drei in dieser Zeit.

Stevie B-Zet (Foto: Unbekannt)

Das Trio gründete das Studio Schallbau, das diverse Popacts bei Songwriting, Instrumentalisierung und Produktion ihrer Musik unterstützte, unter anderem Phil Collins‘ Sohn Simon Collins oder Yvonne Catterfeld. Britzke arbeitete besonders intensiv mit Sänger Laith Al-Deen zusammen. Von Britzkes Neunziger-Hit „Everlasting Pictures” mit der Stimme von Darlesia Cearcy nahm er eine deutschsprachige Version mit Laith Al-Deen auf, „Bilder von Dir”.

2007 ging die Schallbau-Zeit zu Ende, Hoffmann begann exklusiv mit Rocksänger Daniel Wirtz zu arbeiten, Britzke und Hildenbeutel wollten Soundtracks produzieren.

Das kam nicht von ungefähr: Britzke hatte schon 1996 mit Sven Väth den Soundtrack zum Erotikthriller Der Kalte Finger produziert. Mit Hildenbeutel produzierte er unter anderem die Musik zu den Kinofilmen Vincent Will Meer oder Burg Schreckenstein, allein für Um Die 50, Anna Und Ihr Untermieter und bis kurz vor seinem Tod für verschiedene Folgen von Soko Köln. 

Sein Trance-Erbe wird heute von jüngeren Techno-Generationen gelebt: 2020 spielten Eris Drew & Octa Octo seinen Track „Everlasting Pictures – Right Through Infinty” in ihrem fabric-Mix, Anfang 2023 veröffentlichte Adam Beyer einen Remix von „No Fate”.

Steffen Britzke lebte bis zuletzt in Langen, dem Frankfurter Vorort, aus dem auch seine Familie stammte. Er hinterlässt einen 23-jährigen Sohn aus erster Ehe und seine Ehefrau.

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