„Belgitek”: Illegales Festival in Belgien läuft aus dem Ruder

Sie kamen zu Tausenden, um auf dem ehemaligen Militärgelände Brustem zu feiern. Dass die Feier nicht angemeldet war, störte die Wenigsten. Was am 28. April als der Rave „Belgitek” begann, steigerte sich über das 1.-Mai-Wochenende zu einem illegalen Festival mit rund 10.000 Teilnehmer:innen. Laut der flämischen Nachrichtenagentur VRT kamen Raver:innen auch aus Belgiens Nachbarländern. Die Polizei erfasste die Personalien von Menschen aus den Niederlanden, Deutschland und Frankreich.

Das Gelände wurde von Polizei und Armee umgestellt, aber ein Zugriff erfolgte nicht.

Zeitweilig trat der Krisenstab der Provinz Limburg zusammen, weil es sich beim Ort des Geschehens um ein 400 Hektar großes Sperrgebiet handelt. Auf dem ehemaligen Militärgelände bei Sint-Truiden im Großraum Lüttich-Maastricht liegt ein Naturschutzgebiet, das zahlreichen Wildvögeln als Brutstätte dient.

Der festivalähnliche Rave löste sich Sonntagnacht mit dem Abbau der Musikanlagen auf. Die Situation blieb friedlich, allein die tausenden Autos der Partygänger:innen sorgten für Probleme auf den Straßen.

Vom illegalen Festival blieben medizinische Notfälle sowie Müll und Sachschäden, vor allem auf den umliegenden Privatgrundstücken und weniger im Naturschutzgebiet selbst. Es handelt sich um zertretene Ackerflächen, Beschädigungen durch parkende Autos und vor allem Verunreinigungen aufgrund fehlender sanitärer Einrichtungen. Neun Personen kollabierten unter Drogenkonsum und Alkoholeinfluss und wurden in umliegende Krankenhäuser gebracht. Ein Reh verstarb, laut Forstbetrieb wurde es vom Lärm aufgescheucht und überlebte eine Panikattacke nicht. Außerdem wird erwartet, dass die örtlichen Vögel in der Brutzeit gestört wurden.

Flyer kündigt den „Piraten-Rave” „Belgitek” als „kostenloses, selbstverwaltetes und offenes Fest” in Sint-Truiden an – Tausende folgten der Einladung (Foto: Valentin Distre)

Limburgs Provinzgouverneur Jos Landmeters verteidigte das Vorgehen der Sicherheitsbehörden. Bei zeitweise mehr als 10.000 Raver:innen habe eine friedliche Lösung bei den Einheiten von Polizei und Armee an erster Stelle gestanden.

Die Staatsanwaltschaft beginnt in den kommenden Wochen mit der juristischen Aufarbeitung. Vor Ort erfolgte bereits die Festnahme von neun Personen, zudem wurden 27 Führerscheine eingezogen und drei Fahrzeuge stillgelegt. Die Polizei verhängte auch 16 Verwaltungsstrafen wegen Drogenhandels.

Die Organisator:innen konnten bisher nicht ermittelt werden, sodass die Anzeigen wegen Versammlung ohne Genehmigung und Hausfriedensbruch gegen unbekannt laufen.

Zudem hat auch Flanderns Umweltministerin Zuhal Demir Anzeige erstattet und lässt eine Lärmstörung in der Brutzeit überprüfen. Auch die flämische Landesagentur für Natur und Wald hat ihrerseits aufgrund der Schäden an Flora und Fauna erstattet.

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