Dr. Motte mit Querdenker-Symbol (Foto: Screenshot, Twitter)

Das Loveparade-Revival Rave The Planet, das am Samstag durch Berlin zog, kann als Erfolg verbucht werden. Bis zum Abend lockten 18 Musik-Trucks bis zu 200.000 Menschen in die Berliner Innenstadt, wie die Berliner Polizei bekannt gab. Die Veranstalter:innen von Rave The Planet sprechen sogar von bis zu 400.000 Raver:innen. „Überwiegend störungsfrei” verlief der Umzug für die Polizei, es kam zu 35 kurzzeitigen Freiheitsbeschränkungen und 41 Ermittlungsverfahren. Für die Besucher:innen kam es allerdings „aufgrund der Tatsache, dass sich viele Teilnehmende an den Musiktrucks aufstauten, zu Gefahrensituationen. Es drohten Personen gegen die aufgestellten Bauzäune gedrückt zu werden”, heißt es weiter im Polizeibericht.

Für einen Eklat sorgte allerdings Dr. Motte selbst. Von seinem Truck hält er während des Umzugs plötzlich das Logo der Querdenker-Organisation Freedom Parade in die Menge. Seit 2020 organisiert die Freedom Parade um Captain Future Querdenken-Raves, verbreitet Verschwörungstheorien und agitiert gegen Corona-Maßnahmen. Am nächsten Tag behauptete Motte, er habe nicht gewusst, was er der Masse da zeigte.

https://twitter.com/NimaOgR/status/1546035345640378368

Der bekannte Querdenker-DJ Captain Future von der Freedom Parade veröffentlichte am Sonntag selbst einen Bericht der Parade. In einem Video winkt Motte von seinem Truck Captain Future zu, der mit „Nie wieder Lockdown!”-Schild über die Parade zog. Dieser meint, dass sein Kollege Dr. Motte sich nur aufgrund von Druck von außen distanzieren musste. 

https://twitter.com/opiumhum/status/1546444085363367936

Seit den Neunzigern fällt Dr. Motte immer wieder mit Äußerungen auf, die von Antisemitismus zu homophoben Kommentaren ein breites Spektrum von Diskriminierungen abdecken. Auf seiner Homepage hat er eine eigene Kategorie für Entschuldigungen eingerichtet.

1995 lässt er etwa die Leser:innen des Berliner Tagesspiegel wissen: „Dies ist mein Aufruf an alle Juden der Welt, sie sollen doch mal eine neue Platte auflegen. Und nicht immer nur rumheulen.” Zwei Jahre später teilt er der Süddeutschen Zeitung mit: „Ich bitte hiermit vielmals um Entschuldigung, falls es irgendjemand falsch verstanden hat. Es war absolut lieb gemeint.” Auf seiner Homepage erklärt er später: „Der Schrecken der Nazi-Diktatur sitzt tief und wir alle leiden mehr oder weniger noch immer darunter. Gerade auch die Generationen, die nach 1945 geboren wurden, die selbst unverschuldet diese schwere Erbschuld der Nazis zu tragen haben, und zwar auf allen Seiten.” 

Im Jahr 2009, bei seiner Rede auf der Fuckparade, erklärt Dr. Motte zuerst die Herkunft des Peace-Zeichens der Friedensbewegung als verunstaltete, umgedrehte „Mann-Rune”, die er aus einem „Nazibuch” kennt. Eine Minute später beschwert er sich bellend über die „Schwulenpolitik” Wowereits, damaliger Bürgermeister Berlins. Später entschuldigt er sich auf seiner Webseite.

Im Jahr 2015 wird Strafbefehl gegen Dr. Motte erlassen: Zwei Mitarbeiter:innen des Berliner Ordnungsamtes, die einen Falschparker aufnehmen, beschimpft er als „Blockwarte” und zeigt den Hitlergruß. Die Staatsanwaltschaft erlässt einen Strafbefehl um 15.000 Euro.

Nun ist Dr. Motte erneut damit beschäftigt, Entschuldigungen, Distanzierungen und Relativierungen auszusenden.

Vorheriger ArtikelRave The Planet: Alle mit allen, ist ja umsonst
Nächster ArtikelElysion: Sound-Symbiose im Festsaal Kreuzberg