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Im Studio mit Shed: „Ich möchte es mal Rumpeln nennen”

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René Pawlowitz in seinem Studio in Friedrichshain-Kreuzberg (Foto: Studio Shed) René Pawlowitz produziert als Shed, aber auch unter den Pseudonymen Head High, EQD, STP, Wax, The Panamax Project, Sigg Gonzalez, War Easy Made, WK7, The Traveller und seit neuestem Hoover. Meistens macht er elementaren Techno, gelegentlich in knusprig-patinierter Dub-Variante, nicht selten auch in der minimalen Spielart. Dann und wann kommen Vocal-Samples und Quint-Akkorde ins Spiel – dann ist es House. Nicht selten arbeitet Pawlowitz aber auch mit gebrochenen Beats, oft mit nebulösen Texturen und Pads, die fast immer mit Kruschel und Lo-Fi-Artefakten daher kommen, dann ist es vielleicht Drum’n’Bass oder sogar Dubstep, und wenn er es besonders abstrakt anlegt, dann auch IDM. Aber stilistische Klassifizierungen sind sowieso das Letzte, woran der ausgesprochen produktive Musiker im Studio denkt – ihm geht es einzig und allein um seine Musik, wie unser Technikredakteur Numinos im Gespräch erfahren konnte. Wir treffen Pawlowitz in seinem Berliner Homestudio. Hier, in Friedrichshain-Kreuzberg, hat er sich in einer Ecke mit freiem Blick nach draußen einen komfortablen Arbeitsplatz eingerichtet. Zwei mächtige Basetraps in Verbindung mit an der Wand befestigten Diffusoren, ebenso wie die Orientierung der Lautsprecher diagonal zu den Wänden, lassen erkennen, dass dieser Arbeitsplatz mit akustischem Sachverstand eingerichtet wurde. Tageslicht ist Pawlowitz wichtig – denn er ist laut eigenem Bekunden ein Tagarbeiter. Ebenfalls offensichtlich ist, dass Pawlowitz anscheinend den Sound von Genelec-Lautsprechern mag, denn auf seinem Arbeitstisch findet sich ein Paar 8020B, dahinter dann die etwas größeren 8040A. Pawlowitz ist – wie sich im Gespräch noch deutlich zeigen wird – ein absoluter Pragmatiker und frei von High-End-Gläubigkeit oder Equipment-Fetischismus. Entsprechend erinnert er sich an den Kauf: „Mich hat da nicht interessiert, ob die jetzt neutral klingen oder nicht. Ich habe sowieso nix mit dieser ganzen Gear-Obsession zu tun. Ich war damals im Sound & Drumland (heute Justmusic) zum Probehören, und die hatten einfach den sattesten Sound – fertig.” „Das ist alles Quark” Ganz ähnlich verhält es sich mit der eigentlichen Musik-Hardware, denn über die Jahre hat Pawlowitz seinen früheren Equipment-Park so weit zusammengeschrumpft, dass seine Arbeitsumgebung heute nur noch aus zwei großen Displays, einem Channel- und Monitor-Controller sowie einem Einspiel-Keyboard besteht. Er ist ein „Laptop-Producer”, wie man neuzeitlich sagt, und räsoniert in seiner charmant-rauen Art, dass es über die Jahre immer weniger „Kram” geworden ist: „Keine Keyboards, die von außen so tun, als ob sie analog wären, keine Soundkarten mit was weiß ich wie vielen Ausgängen oder externe Röhren-Equalizer und so ein Krempel – das ist alles Quark. Ich brauche das nicht – ich mache alles im Rechner.” Zwei Displays, zwei Monitore, zwei Controller – dazwischen entsteht Pawlowitz’ musikalischer Kosmos. Und auch, was die Software angeht, interessiert es den Mitte-Vierzig-jährigen Familienvater herzlich wenig, welche Plugins gerade hip und angesagt sind. Ihn kümmert ausschließlich die Musik und nicht die Software, gibt er zu Protokoll: „Ich kann da überhaupt nichts zu sagen: Ich habe eine DAW, die benutze ich seit 20 Jahren, und da ist alles drin. Ich bin einer der zehn letzten Cubase-User – und dann noch auf dem Mac. (lacht) Man wird ja auch so bombardiert mit dieser ganzen Werbung, wo die Plugins dann nur noch einen Appel und ein Ei kosten, und man fragt sich, was das eigentlich für ein virtueller Preis ist, den die sich da für diese ganze Software ausdenken. (genervt) Ach, ich kann’s dir nicht […]

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