Foto: Presse (BOBBIE*)

„Auf die Residents kann man sich verlassen, persönlich und inhaltlich. Sie kennen den Club, die Gäste, die Anlage, und sie sind ein Grundpfeiler der musikalischen Identität eines Clubs, also ebenso wichtig wie die Architektur, der Raumklang oder die Gestaltung“, sagte einst Nick Höppner in der Groove. Mit unserem monatlichen Resident Podcast wollen wir ihnen den gebührenden Respekt zukommen lassen.

“Joa, hab’ halt jetzt Urlaub… und einen neuen Job”, kommentiert BOBBIE* die Frage danach, wie sich die derzeitige Lage auf sie auswirkt. Als Resident der aktuell geschlossenen Hamburger Institution PAL darf sie trotz (hoffentlich nur temporären) Querausstieg aus der Szene sowieso allemal auftreten: Sie ist seit Anfang an, das heißt seit dem Jahr 2014 dabei, und hat unter anderem die Reihe Highly Recommended kuratiert. Und Mixe sind sowieso drin. So auch ihr Beitrag zum Groove Resident Podcast, der ab Anfang 2021 übrigens zur monatlichen Institution wird. Denn wie sagt doch BOBBIE* auch ganz richtig im Interview: “Die Szene muss sich sichtbar machen und zeigen, dass ein allgemeines Berufsverbot nicht gleichbedeutend ist mit einem Stillstand in Kreativität.”


Du bist sein Anfangstagen Resident im PAL. Wie kam es dazu?
Als das PAL aufmachte, habe ich in Hamburg bereits einen fortlaufenden Abend mit dem Namen KNOCK KNOCK veranstaltet. Die Partys fanden an wechselnden Orten wie dem Golem oder bei den Kraniche bei den Elbbrücken statt. Beides Clubs, die es in Hamburg leider nicht mehr gibt. Ich denke, dadurch war ich in der Hamburger Clubszene sichtbar und das Team vom PAL kam direkt auf mich zu.

Wie lief dein erstes DJ-Set dort?
Mein erstes Set war ein Abend vor dem offiziellen Opening des Clubs. Daran erinnere ich mich gut, denn es war brechend voll. Zwei Floors, Carl Craig war der Headliner. Ich war schon ziemlich aufgeregt und hatte das Gefühl, das im Hamburger Nachtleben eine neue Dimension entsteht. Denn viel Spielraum für internationale Bookings gab es bis zu dem Zeitpunkt in Hamburg kaum. Ich habe das als große Bereicherung für unsere Stadt empfunden. An das Set selber habe ich keine Erinnerungen, aber war bestimmt mega!

Was hast du im Laufe deiner Residency im PAL gelernt?
Mit CDJs auflegen. Vor meiner Residency im PAL war ich tatsächlich Vinyl-Only-DJ. Außerdem hab ich Warm-Up Sets lieben gelernt. Wenn der Main Act erst um vier Uhr morgens anfängt, gab mir das oftmals genügend Zeit, um mich auf eine musikalische Reise zu gehen. Ich liebe es, einen Abend mit 100 bpm zu starten.

Wie bereitest du dich auf solche Sets vor, was macht ein gutes Warm-Up aus?
Ich packe quasi eine Vinyl- und digitale Plattentasche. Der Rest ist Intuition. Vier Stunden lassen viel Spielraum für Experimente und gerade am Anfang, wenn der Club noch leer ist und sich langsam füllt, kann man doch eigentlich machen, was man will. Natürlich immer ausgerichtet darauf, wo die Reise hinführen soll. Für einen Abend mit I-F packe ich anders als wenn Umwelt oder Black Merlin zu Gast sind.

Du bist nicht nur häufig im PAL zu sehen, sondern ebenso im Golden Pudel, wo du mit Levente die Reihe ACID TEARS veranstaltest. Worauf legt ihr bei der Programmierung der Events wert?
Levente und ich kennen uns schon sehr lange und legen seit zehn Jahren zusammen auf. Mit ACID TEARS zelebrieren wir unsere Freundschaft. Wir laden Freund*innen aus dem Bekanntenkreis ein oder musikalische Idole, die wir zu solchen machen wollen. Die Abende selber sind für uns super privat, da wir vorher ausgiebig für unsere Gäste kochen, sie bewirten und im Anschluss am liebsten die ganze Nacht mit ihnen zusammen auflegen. Pudel halt!

Was für Möglichkeiten siehst du für Fans, das PAL in dieser Zeit zu unterstützen?
Der Club hat aktuell ein eigenes Label gegründet und im Dezember das erste Release veröffentlicht. LAP Issue I zeigt einen Querschnitt dessen, was in Hamburg musikalisch geht und kommt meiner Meinung nach zu einem wichtigen Zeitpunkt. Die Szene muss sich sichtbar machen und zeigen, dass ein allgemeines Berufsverbot nicht gleichbedeutend ist mit einem Stillstand in Kreativität.

Die erste Compilation legt einen Fokus auf die eigenen Residents. Du bist bisher nicht wirklich als Produzentin in Erscheinung getreten. Hast du Interesse daran, das eines Tages noch zu tun?
Für mich gibt es Musiker*innen, deren Kunst sich darin ausdrückt, dass sie Musik produzieren. Aber auch künstlerische Performer*innen, die mit Hilfe von Musik eine Energie auf dem Dancefloor erzeugen. Das ist meine Kunst.

Wie sieht es mit Online-Mixen aus – was ist dir bei der Zusammenstellung von denen wichtig?
Das ist für mich immer ein Gefühl und die Suche nach der Musik, die dieses für mich gerade wiedergibt. Somit kann ich meistens bis kurz vor Entstehung nicht sagen, ob der Mix 100bpm oder 130bpm haben wird. Ich denke, es ist der jahrelangen Liebe zu langen DJ-Sets geschuldet, dass ich mich so vielen Genre und Tempi wohl fühle.

Last but not least: Was sind deine Pläne für die Zukunft?
Ich bin ja studierte Modedesignerin und seit Neustem Hundebesitzerin. Ich erkenne ganz klar eine Marktlücke für Highend Streetwear für Hunde! (lacht)

Stream: BOBBIE* – Groove Resident Podcast 13

01. NGLY – Meditation
02. Marlene Stark – Beruhig Dich Mehr
03. Gigi Galaxy – Twinge
04. Larionov – Never Forever
05. Im Kellar – Esclavo Castigado
06. Martin Matiske – Machinery
07. Mule Driver – Nothing Is the New Something
08. NOTAUSGANG – This is Where We Live In
09. Timothy J. Fairplay – Gold Cross
10. Octo Octa – River
11. Sepehr – Crown Jewel
12. Ilyes – I Met A Cosmic Girl
13. TC80 – Megalopolis
14. Corp – Robotik Dreamer
15. L.F.T. – Keine Angst
16. Mytron – Navigator
17. Younger Than Me – Substance Energy
18. Sorog – La Notte Nel Castello
19. The Exaltics & Heinrich Mueller – Microwave Photon

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