Bei besonderen Anlässen handeln wir die Platten der Woche als Roundtable ab. Mit dieser Runde verabschieden wir uns von unserer Praktikantin Luzie Seidel, die für uns in den letzten drei Monaten zahllose starke Track Premieren, News, Reviews und Features produziert hat. Luzie ist auch als Producerin und DJ tätig, ihre Mixe könnt ihr hier hören.

Brayan Valenzuela – Pink Dog (Cluster Node)

Brayan Valenzuela – You Are Not Perfect

Alexis: Da blutet das Trommelfell. 

Luzie: Im Club zündet der richtig

Alexis: Höhenlastiger, industrialaffiner Techno. 

Cristina: BALLEEEERT!

Luzie: Ich lieb’s.

Alexis: Ganze Sätze bitte. 

Cristina: Diese Musik verleitet nicht zu ganzen Sätzen, nur zu AUSRUFEN!!! 

Max: Jetzt verstehe ich deine Faszination für I Hate Models, Luzie.

Alexis: Auf der Schiene klingt vieles formelhaft und schon tausend mal gehört, Valenzuela gehört da durchaus zu den frischeren Acts. 

Max: Obwohl mir das noch weitaus stringenter und zielgerichteter konzipiert scheint als I Hate Models und auch nicht in halbgarem Acid ersäuft.

Cristina: Die Klänge zischen und rauschen ganz wunderbar metallisch, das gibt dem Punch etwas kantiges, interessantes. 

Luzie: Finde ich auch, ist nicht der Industrial-/Gabber-Einheitsbrei. 

Max: Maschinenmusik in seiner reinsten Form. Aber das Gekreische könnte er sich sparen.

Luzie: Exakt, das Ganze hat diesen nicen analogen Punch. 

Max: Oh, oh, gleich setzt’s was.

Cristina: Der Break löst sich gerade ganz angenehm in Regengeräuschen auf. 

Alexis: Die vielen Breaks klingen nach Hardstyle.

Max: Wie wahr!

Luzie: Ich finde da braucht es auch manchmal nicht viel. Fünf bis sechs gut ausgewählte und programmierte Elemente, dazu schön viel Kompression und Saturation und man hat ‘nen guten Clubbanger. 

Max: Also mit Snare fand ich’s jetzt etwas stampfiger, von der unguten Art. Kick reicht da voll und ganz. Stimmt, der ist unheimlich dicht komprimiert, oder?

Alexis: Ja, aber nur das Drumming, nicht der Noise.

Luzie: Auf der Master-Spur hat sich Brayan ausgetobt. 

Cristina: Und am Ende schön die Kick zum einfachen Mixen gelassen.

Brayan Valenzuela – Pink Dog

Max: Der nächste klingt ja zunächst mal nicht fundamental anders, haha.

Alexis: Hier steigt er mit einer dicken Dystopian-Style Soundscape ein.

Luzie: Der wummst erstmal nicht ganz so sehr, das gibt den anderen Elementen ein bisschen mehr Raum.

Alexis: Dann holt die Drum-Keule raus. 

Cristina: Wieder so ein unnachgiebiges Brett. Kann es sein, dass es hier noch einen Ticken peitschender und stumpfer ist? Auf’n Donnerstagnachmittag nicht so ganz meine Mood, aber Sonntagmorgen um 6 durchaus vorstellbar. 

Max: Und, der absolute Trick 17: Unverständliches Murmeln im Hintergrund.

Luzie: Haha, ja. So ein verzerrtes Vocal macht es nochmal mehr Industrial.

Alexis: Das ist kein Gemurmel, sondern das Kreischen verlorener Seelen. 

Cristina: Die Seelen, die sich Woche für Woche im Club verlieren.

Luzie: Sehr philosophisch, wer hätte es bei dem Track gedacht. 

Ben: Triolen auf Brechtrommeln geben immerhin die warme Atmosphäre einer verlassenen Industriebrachengasse wieder.

Alexis: Den Charme entwickelt Valenzuela durch die unerwarteten, überraschenden Breaks und den Hardstyle-/ Gabber-Subtext im Groove. 

Ben: Kommt demnächst eigentlich ein neuer Blade-Film?

Max: Also das mit den verlorenen Seelen killt mich. 😀 Komme mir vor wie in der Oberstufe, als ich Sachen in Gedichte interpretiert habe, die einfach nicht da waren.

Cristina: Heute Morgen erst den Trailer zum Rescore von Blade von Kilbourne gesehen! Herrlich, Blade plus Gabber. 

Ben: Grandiose Tanzszene würde das ausmachen, Technogoth trifft Vampirslasher. Der Soundtrack stimmt.

Max: Blade ist der Musterbeleg für die Gleichung Scheiße + Zeit = Kult.

Ben: Hast du jetzt gesagt.

Max: Haha, ich lieb’s ja auch.

Alexis: Und die ausgetüftelte, sehr digitale Produktion, die für das Genre untypisch ist. Wie er die Räume der einzelnen Sounds trennt und einzelne Elemente herauslöst, erinnert an Ancient Methods.

Luzie: Auch Trick 17: Break einbauen, dann knallt die Kick danach noch mehr.

Cristina: Na klar, ergänzt von DJs, die Trick Nummer 1 inflationär verwenden: Filter für noch mehr Breaks.

Brayan Valenzuela – No More Games

Ben: Vermisse weißes Rauschen.

Alexis: Ist doch drin. 

Ben: Dezent aber. Mehr so 2005er-Style bitte.

Max: Die Stimme konkretisiert sich ja langsam, oder täusche ich mich? Verbinde das alles jetzt unwiderruflich mit Blade.

Cristina: Ich höre wieder die verlorenen Seelen quietschen, dazu säuselt Gollum. Das ist mir ehrlich gesagt zu platt. Den veränderten Rhythmus der Kick gerade finde ich jedoch super, bringt etwas Hüftschwung rein. 

Luzie: Die Hihats und Snare find ich wiederum super, schön crunchy abgemischt.

Ben: Die Ahnung von Gitarre wirkt paradox.

Luzie: Inspiriert von Metal wie es scheint. 

Cristina: Sind das etwa tiefe Streicher im Hintergrund?

Ben: Der Clash zwischen verhaltenem Gitarrensample und Brachialdrums ist zu groß.

Alexis: Die Nummer gefällt mir am Besten, mit dem Godzilla-style „Vocal-„Sample bringt er eine humorvolle Note mit rein.   

Max: Haha, Godzilla. Sehr schöne Assoziation. Im Engtanz mit Wesley Snipes.

Alexis: Das stimmt, das veränderte Timing der Kick ist super.  

Ben: Ha, erinnert sich wer noch an den Metal-Track auf Ed Banger?

Alexis: Stimmt auch, eine Metalnote ist drin. 

Cristina: Mir gefällt der Track auch. Er schillert irgendwie mit den Elementen und wie sie arrangiert sind, obwohl er eine sehr schwärzliche Atmosphäre ausstrahlt. 

Alexis: Mein Verdict über Bryan Valenzuela: Der Mann hat seine Hausaufgaben gemacht. Jetzt noch zwei Remixe.

Brayan Valenzuela – No More Games (VSK Remix)

Max: Polternde Bassgewalt.

Luzie: Au ja, endlich ein paar gebrochene Rhythmen.

Ben: Einstieg nimmt mich mit.

Alexis: Das klingt analoger, verwaschener. Wärmer, aber nicht so agil. 

Cristina: Ist euch mal aufgefallen wie genial sein Vorname ist? Einfach Brian in Lautschrift quasi. 

Max: Hahaha, das sind Finessen.

Ben: Könnte aber auch sein, dass er Spanier ist. Da ist der Name geläufig, glaub ich.

Cristina: In Bogota geboren. Also spanischsprachig. 

Luzie: Mir gefällt die progressive Dynamik des Tracks sehr. Durch die synkopierten Rhythmen ein bisschen interessanter.  

Alexis: Jetzt hören wir ja den Remix von VSK. Er kommt aus Rom, ein Mitstreiter von Giorgio Gigli. 

Ben: Bisheriger Favorit der Scheibe.

Cristina: Stimme aber Alexis zu, dass der Track weniger agil klingt. Es ist ein uniformer, konsistener Strom. Hypnotischer als die Originalversion. 

Luzie: Same Ben. 

Alexis: Schön die Basskeule, krass, aber nicht inhuman. 

Max: Espectacular. Im Drumming hebt sich’s von den Originalen ab, in der Grundstimmung aber absolut nicht.

Cristina: Das Drumming ist wunderbar. Hüfte shaken statt Buffalos stampfen. 

Alexis: In der Grundstimmung geht es hier um Technopower, nicht um Industrialpain. Finde ich auch, eine richtig schöne Nummer. 

Ben: Die Sache mit Blade hats mir aber versaut, mein Hirn sucht hektisch nach Filmsequenzen, die zum Track passen – immerhin passt die Zugkraft des Tracks zur inneren Hektik. Oh, das mit den Buffallos mochte ich. Eh mystisch, wie man damit agil stampfen kann.

Brayan Valenzuela – Pink Dog (Kaylah Remix)

Max: Das ist absolutes Stahlgewitter.

Alexis: Genau, jetzt nochmal prasselnder Digitaltechno der britischen Schule. 

Max: Haha, was wohl die anderen Menschen in diesem Haus so denken.

Cristina: Das ist mir too much. Als wären alle Knöpfe auf einmal gedrückt worden, sodass letztendlich kein Knopf irgendwas bewirkt. 

Luzie: Ich finde die EP fängt im Großen und Ganzen eine Stimmung ein und unterscheidet sich da eher im Arrangement. Ja der Track gefällt mir auch am wenigsten. Zwar brachial, aber stumpf.

Cristina: Alexis, warum britische Schule? 

Alexis: Weil es ein Brite ist und weil es an sowas wie Setaoc Mass erinnert oder Cleric.

Ben: Mir fällt gerade erst auf, dass der vorherige Track keine Stimmsamples hatte, hier ist wieder undeutbares Gemurmel.

Luzie: Der Break lässt im Club alle Trommelfälle platzen.

Client_03 – Hope Repeater (Astrophonica)

Client_03 – Home Repeater 

Luzie: Das ist ein Alias von Fracture. 

Alexis: Und wer ist Fracture?

Luzie: Fracture ist ein Produzent/DJ aus London, der eigentlich eher Juke, Jungle und UK-Stuff auflegt und produced.

Max: Aha, danke sehr. Client_03 ist nämlich ein eher, na ja, beliebiger Name.

Luzie: Btw, der läuft auf 150-155 Bpm, das habe ich mal recherchiert.

Cristina: Sagt mir zu. Geht richtig hektisch nach vorne, wirkt aber trotzdem straight, gerade weil er so nach vorne geht. 

Max: War das Husten gerade im Track?

Ben: Die Electronote taugt schon mal mehr, fühle mich gleich entspannter, auch wenns wahrscheinlich schneller ist als die Tracks davor.

Alexis: Er hat einen Release für Metalheadz produziert, ist also credibiler Drum & Bass-Head

Max: Extrem hyperaktiv, imstande, einen kompletten Floor zu mobilisieren. Würde ich jederzeit hören wollen.

Cristina: In Halftime ein Track für die Kopfnicker in der Ecke aka das Musikjournalist*innen-Klischee.

Ben: Die Interlude war etwas seltsam aber, wirkte fast wie unsauberes Mixing.

Luzie: Der Track hat eine super nice Energie.

Ben: Die Bassline ist extrem nice. Das junglemäßige Vocal-Echo auch.

Alexis: Interessanter Mix aus Breakbeat-Styles, dabei ungewöhnlich zurückhaltend und Groove-fixiert. 

Luzie: Ich mag auch, dass der Tune schneller ist als der gängige Electrotrack. Geht schon in Richtung DJ Stingray von der Geschwindigkeit her.

Alexis: Ja, interessant. Zwischen Drum & Bass und Electro ist Schnittmenge ja sonst eher klein.  

Ben: Hier kommt sie dennoch zusammen.

Luzie: Exakt.

Client_03 – Interest Reset

Cristina: The Spaceship departs. 

Ben: Das Ende wäre das auch nochmal ´ne geile Interlude gewesen, hörte sich fast nach invertierten Drums an.

Max: Sehe ich in einem Helena Hauff-Set.

Luzie: Hier ist die Bassline definitiv mein liebstes Element.

Ben: Yass.

Luzie: HH ❤

Cristina: Da passiert aber mit diesen 8-bit-mäßigen-Bleeps und der Acid-Melodie auch extrem viel im Melodiebereich. Kann ich mir sehr, sehr gut zum Dancen vorstellen. 

Ben: Schön bleepy die Bassline. Bin großer Fan der EP bislang.

Max: Die ist in der Tat perfekt gelungen, fühle mich mit dem Tempo in Sachen Electro doch wohler.

Alexis: Diese Nummer ist etwas klassischer Gehalten, und ja, sie zehrt von der tollen Bassline, die die nervösen, flackernden Sounds erdet. 

Max: Mein Liebling bislang.

Ben: Sehe mich definitiv am Rand der Tanzfläche Nackenmuskeln stählen.

Cristina: Der sophistizierte Kopfnicker.

Ben: Kann auch schweißtreibend sein.

Luzie: Die Bassline verändert sich auch stetig. Mal etwas mehr Resonanz, Mal etwas weniger Decay. 

Ben: Und ist tricky, dazu nicht die Füße zu bewegen.

Client_03 – Suspect Dispenser

Cristina: Yeah, dieser ganze Hall hinter den Elementen gibt einem das Gefühl, als würde man auf dem Track fliegen.

Max: Jetzt, hier: Geisterbahn-Electro. Spooky und etwas verrucht.

Luzie: An Geisterbahn dachte ich auch gerade.

Alexis: Ein deeper Electro Groove mit starken Frühachtziger- und Kraftwerk-Anleihen. 

Ben: Hab versucht, die unheilvolle Atmo irgendwie einzuordnen, danke. Das Gezuckel der Drums hat was vom frühen Anthony Rother.

Alexis: Ich finde, es hat auch etwas optimistisches, zukunftsfrohes. 

Max: Ja, wirkt für mich aber nicht so zwanghaft in die Zukunft gewandt.

Luzie: Ja? Für mich hat es eher einen dystopischen Anklang.

Client_03 – 1nce Again

Max: Haha, it’s on, Alexis. Wusste nicht, dass man Einsen immer noch in Namen einbaut. Was sagt LUZ1E dazu?

Luzie: True, das ist schon so 2015. 

Max: Der ist jedenfalls der Verhaltenste und damit wohl auch Konsistenteste.

Luzie: Ja, ich finde die Drums nehmen sich hier im Gegensatz zu den anderen Tracks sehr zurück.

Alexis: Auch eine schöne Nummer, kein erfrickeltes Klötzchengeschiebe im Sequencer, sondern eine Komposition aus einem Guss. 

Cristina: Verhalten geht aber auch irgendwie mit weniger Alleinstellungsmerkmalen einher. Finde, das ist ein bisschen toolig. 

Max: Wirklich eine bärenstarke EP, meine Meinung.

Alexis: Ja verhalten, weil die Hook wie eine zweite Bassline klingt.

Max: Ja, aber ein Tool darf ja durchaus mal dabei sein.

Cristina: Stimmt. Aber wenn ich mir Tools zu Hause oder so wie hier aufmerksam anhöre, wird’s laaangweilig. 

Luzie: Tools sind auch super wichtig, im Clubkontext zumindest. Für zu Hause vielleicht eher weniger. Auch wenn ich das beim Putzen gerne mache.

Client_03 – Prosperity Stream Divider

Alexis: Minimaltechno kann er auch. 

Luzie: Die EP ging von der Geschwindigkeit mit jedem Track ein bisschen runter, oder irre ich?

Ben: Habe Angst (positiv konnotiert).

Cristina: Hm, Stimmensample vor dem Break – laaaame. 

Max: Verrückt, das ist ja eine ganz andere Schublade. Doch nicht! Ein großangelegter Prank.

Cristina: Auch diesen feiert Max.

Max: Würde dir da eigentlich zustimmen, Cristina. Aber in dem Fall gefällt’s mir tatsächlich. 

Luzie: Der Drop kam grade sehr nice.

Ben: Bin unentschlossen. Hab mich über den Break gefreut, aber irgendwie nervt mich das Stimm-Sample. Jetzt wird´s wieder besser.

Luzie: Ja der Track würde auch wunderbar ohne das Vocal funktionieren.

Ben: Das 101 des frühen 2000er DnB herrlich auf Electro übertragen.

Cristina: Aber jetzt groovet er richtig. Electro-Groover, widerspricht sich das eigentlich?

Max: Wieso sollte es? Auch Roboter können grooven.

Alexis: Ne, zunächst kommt so ein Prolog, Blade Runner-Style, mit einer unheimlichen Stimme und einer unterdrückten Bassdrum. Dann im Drop ein 101% tighter Electro Groove mit einer wie immer virtuosen Bassline mit einer futuristischen Cybotron-Note und einer cheeky Stimme, die bloß das Wort „Noise“ wiederholt. Womit wir beim Motto der EP wären: „Fill the Space with Noise“

Cristina: In meinem Kopf ist ein Groove rund, während Electro spitze Kanten hat. Daher irgendwie ein Widerspruch. Aber hier nicht!

Alexis: Das ist halt sein Frühachtziger Credit.

J. Albert – Wake Me Up (Hypercolour)

J. Albert – Wake Me Up

Ben: Bräsiges Bassgeblubber.

Max: Der King der Alliterationen!

Alexis: Man kennt ihn von Trilogy Tapes, Opal, 1080p. Nach den ersten beiden Platten holt einen dieser Track runter.

Luzie: Das Ganze hat einen schönen geshuffelten Groove á la UK-Garage.

Cristina: Also J. Albert hatte ein paar geile Tracks, aber allzu oft skippe ich auch durch seine Promos und finde da nichts besonderes bei. 

Alexis: Nerdy, vertrackt. 

Max: So schöne Pads. Könnte auch eine Simo Cell auf Livity Sound sein.

Cristina: Hier stört mich, dass es stellenweise klingt, als würden zwei Tracks ausversehen nebeneinander laufen. 

Max: Findest du? Stimmt, jetzt hör ich’s auch.

Alexis: Beatdown Braindance mit einer German Minimal Note anno 2003.  

Luzie: Ja, der ist schon sehr wirr der Track.

Cristina: Was will dieser Track von mir? Wo sieht er sich selbst? 

Luzie: Kann ihn nicht wirklich einordnen, das gefällt mir. 

Ben: Ich bin mir immer noch unsicher, was ich vom Gewobbel halten soll. Ist mir etwas zu unstet.

Alexis: Die Bassline ist rhythmisch schrägt gesetzt, die reisst den Groove auseinander, erinnert an frühe Perlonplatten.

J. Albert – World War Me

Max: Das ist dann quasi so die Experimental-Platte, die Luzie uns auftischt. Fünf Ecken sternförmig abgefrühstückt? 

Luzie: Klaro von Allem etwas dabei.

Ben: Und hier wiederum find ich das komplett arythmische des Bass/Drumpatterns ziemlich geil – wenn auch sehr toolig.

Max: Ich kann auch mit der was anfangen. Weiß aber ebenfalls nicht, was ich groß dazu sagen soll.

Luzie: Ich finde die Platte bis jetzt super intelligent. Nichts für den Dancefloor meiner Meinung nach, aber das versucht die EP auch nicht zu sein. 

Cristina: „World War Me“, da scheint jemand einen Krieg gegen sich und seine verrückten Launen zu führen. Zumindest klingt dieses auf und ab innerhalb des Tracks danach. 

Alexis: Das ist jetzt die vertrackte, breaksperimentelle Schule, IDM, Westlondon, auch sowas wie Funkstörung. Die Leitfrage immer: Ist das schön ein Groove? Für die meisten eher nicht. 

Max: Ist „schön“ ein Freud’scher Versprecher?

Alexis: Hehe.

J.Albert – Paradolia

Max: Der klingt ja beinahe tanzbar.

Luzie: Definitiv geradliniger als die Vorgänger.

Cristina: Finde dieses Rauschige irgendwie sehr geil, so smooth. 

Max: Yes! Dub-Anleihen.

Luzie: Mir gefällt das leichte Delay auf der Snare.

Max: Ich stufe den Track von „angenehm“ zu „wunderschön“ hoch.

Ben: Die kurz auftauchenden Strings, die wieder vollkommen deppert neben dem Takt stehen, machen´s für mich.

Max: Stimmt, Luzie. Hier wird alles dafür getan, die Hörer*in gekonnt einzulullen.

Ben: Herrliches Teil.

Alexis: „Paradolia“ ist ein kleines bißchen konventioneller, punktet auf der nach oben offenen Experimentalitätsskala aber durch einen extremen Filter, der den Groove dumpf und wabernd klingen lässt. 

Max: Mega.

Ben: Oh, die Hihats sind aber auch stark.

Max: Hahaha. wie du dir immer diese Mini-Rezensionen aus den Windungen ziehst. Respekt.

Cristina: Alexis ist doch DIE Review-Maschine!

Luzie: Ja! Nicht schlecht Alexis! Die Chords finde ich wunderschön.

Max: Gibt’s eigentlich irgendwelche Einwände dagegen, dass das der schönste Track auf Erden ist? Selten so einhellige Meinungen gelesen.

J.Albert – Joy of Rebirth

Luzie: Der Track hat mich auf die EP aufmerksam gemacht. 

Max: Schon wieder so ätherisch, sehr schön.

Luzie: Eine deepe Jungle-Bass Melange.

Ben: Meine Augen fallen langsam zu, so beseelt bin ich von den letzten beiden Tracks.

Alexis: Der ist überraschend konventionell in dem Zusammenhang, eine sphärische Drum & Bass-Nummer der LTJ Bukem-Schule, aber dennoch in spröden, dubbigen, Trilogy Tapes-typischen Sounds gehalten. Eine echte Entdeckung, die Nummer.  

Cristina: Der Track wird dem Titel sogar gerecht. Wunderbar dreamy und trotzdem knackig in der Bassline. (fast wie ein Kinder-Pingui)

Luzie: Haha eine nice Metapher Cristina.

Max: EP 1 dann eher so der Maxi King. Aber ganz ohne Flachs: Eine sehr starke EP, die gerade ihr Ende findet.

Oscar Mulero – Opposite EP (Warm Up)  

Oscar Mulero – Transparent Ray

Luzie: Aufgewacht allesamt!

Ben: Der leicht bleepige Holzfäller.

Alexis: Nach diesen gewagten Stilmixen endlich die reine Leere. 

Cristina: Der bläst einem jede Gehirnzelle weg. 

Ben: Der Geist geht im toten Technomeer treiben.

Alexis: Kraftvoll und dynamisch zugleich, auch homogen und fließend. Die EPs in deiner Auswahl ergänzen sich auch gut. Man könnte vermuten, hier sei jemand DJ.

Ben: Dem stimm ich zu, ich finds dennoch etwas aus der Zeit gefallen. Mein vier Jahre jüngeres Ich hätte es sicher gemocht. So steh ich im Zwiespalt. Sauber gearbeitet, keine Frage.

Max: LUZ1E bringt sich um die Lorbeeren.

Alexis: Meisterlich, wie er den Klangstrom umformt, mal als Ganzes durch Effekte. Mal, indem er einzelne Elemente nach vorne holt.

Oscar Mulero – Solarized

Max: Ich find’s extrem brachial, aber ziemlich gut. Klingt sehr satt und vielschichtig.

Luzie: Satt trifft es gut finde ich.

Ben: Bitte mehr mit den Reglern spielen, damit das warme Gefühl des Zentrums in uns aufkommt. Der hier sättigt ungemein.

Alexis: So brachial find ich es gar nicht, weil es sehr fein austariert ist. 

Ben: Die Synths haben was vom Rattern eines Zuges.

Cristina: Der Track füllt hier wirklich den gesaaamten Raum aus. Schon irgendwie cool. Aber auch sehr safer „Berghain-Techno“. 

Ben: Eben.

Cristina: Passenderweise hören wir den Track so laut wie keinen anderen Track zuvor. 

Luzie: Haha das stimmt und du sitzt auch noch ganz nah bei den Boxen.

Ben: Einer muss ja massiert werden.

Alexis: Klingt live gemischt, wie hier mal ein Zischen aufflackert und da eine Snare. Für Berghaintechno fehlt die Dettmannsche Schroffheit, die Klocksche Melancholie, die Fakische Breitseite, der Kobosilsche Punk.

Cristina: Und es gibt genug Leute, die das so halbgar kopieren und dann spielen, von dem sie denken, dass es dort hingehört. 

Max: Ich finde es trotz seiner morbid-ausladenden Ästhetik aber zu keiner Sekunde poserhaft.

Ben: Boah.

Alexis: Morbid finde ich das nicht, eher lebendig.

Oscar Mulero – Opposite

Ben: Der Titel passt zum urplötzlichen Ausplätschern des Vortracks.

Cristina: Klingt für mich hier einfach ziemlich nach Blaupause benutzt und abgepaust, x-mal gehört und nicht wirklich voneinander zu unterscheiden. Also, die ganze EP bis jetzt.

Alexis: Jetzt öffnet sich der Raum etwas und er montiert schmetternde Sounds gegen die Bassdrum. 

Ben: Mein Problem mit der EP ist, dass es allzu sehr nach Schema F des typischen Bergi-Sounds klingt, wenn auch hier die blechernen Snare-Echos n‘ ziemlich starkes Element sind, sie konterkarieren das Stakkato der Bassdrum. Es heißt ja nicht, dass diese Blaupause per se was schlechtes sei, nur, dass sie eben schon zur Genüge gehört und allseits bekannt ist.

Alexis: Das ist das Zen Moment: Es passiert etwas und es passiert nichts.  

Luzie: Grenzgängerisch ist die EP bis jetzt wahrlich nicht, das stimmt. Dennoch ein solider Groove, mehr braucht es manchmal nicht.

Alexis: Word.

Ben: Und zu diesem Sound galoppiere ich jetzt mal aus dem Raum.

Max: Gut, dem kann man sich natürlich immer vorbehaltlos anschließen. Der kleinste gemeinsame Techno-Nenner.

Cristina: Also, vom Klo aus klang das gerade schon viel geiler. So, direkt vor der Box, killt das Bassgewitter jedes andere Element. 

Luzie: Ja, im Sweet Spot sitzt du echt nicht, Cristina.

Max: Das sind natürlich auch Tipps, mit denen man arbeiten kann. Gute Tracks erkennt man schon auf der Toilette!

Oscar Mulero – Generator

Alexis: Jetzt nochmal eine Runde Breakbeat-Techno mit Surgeon Nod. Er ist nicht der Mann es Ideenfeuerwerks, aber wenn er welche hat, setzt er sie effektvoll ein. 

Max: Oha, wo kommt dieses insektoide Scheppern jetzt her?

Luzie: Das lockert den Beat ein bisschen auf, I like.

Luzie: Das Kredo hier ist Abfahrt.

Max: Vielleicht das Geheimnis: Solche Tracks vereinen Animier-Schreihälse und elitäre Raver auf dem Floor gleichermaßen.

Toni Moralez – Nawty Trax EP (Falling Apart)

Oscar Mulero – Transparent Ray

Max: War beim Hördurchgang mein Favorit.

Luzie: 069-Ghetto-Tech. 

Max: FFM Represent.

Luzie: Yeee!

Alexis: Ein klassischer Detroit Bass/ Ghetto-Tech-Release, digital umgesetzt. 

Max: Stehe extrem drauf, da gibt’s wenig dran zu rütteln.

Luzie: Cleanes Breakbeat-Gewitter mit deepen Momenten.

Cristina: Finde es ein kleines bisschen standard-mäßig, aber definitiv entspannt und dennoch geht’s ab. So Ghetto-Sound ist ja auch einfach angesagt gerade.

Alexis: Sitzt alles am rechten Fleck: die plastische Bassline, die punchigen 808-Drumsounds, das laszive Vocalschnipsel.

Toni Moralez – Her Neck Her Back (Only Touch Her If She Wants 2)

Cristina: Das kenne ich doch von einer Trackpremiere. Hat mir da schon Spaß gemacht. Macht immer noch Spaß. Shake da booty und so!

Luzie: Mag die Auswahl der Vocal-Samples und den moderne Spin.

Max: Lasziv ist das ja schon nicht mehr jetzt, die Message konkretisiert sich da schon extrem, haha.

Luzie: Im Club bounct der super, schon getestet.

Max: Sind halt auch traumhafte Hi-Hat-Gewitter, da tut sich immer was.

Luzie: Auch hier wieder ein verträumtes, deepes Pad. Steht schön im Kontrast zu den Vocals.

Alexis: Ja, mehr als lasziv. Aber im Gegensatz zu den Classics von DJ Assault oder DJ Godfather artikulieren jetzt auch Frauen ihre sexuellen Wünsche.

Toni Moralez – Milk Shake

Max: Oh, kann es ein passenderes Sample als Kelis für diesen Sound geben?

Cristina: Aaaaaah, geiler Track von Kelis. 

Max: Kommt so noch besser als im Original.

Alexis: Da gibt es gerade auch so ein Bootleg mit einer Minimal-Bearbeitung.

Luzie: Der Track macht es einem auch schwer ihn nicht zu sampeln. Die Bassline, die so nur ganz leicht untenrum groovt ist super. Nicht ganz so omnipräsent wie bei den anderen.

Toni Moralez – Work Me (feat. DJ Lil‘ N)

Cristina: Also ich glaube, ich brauche diese Platte, um sie bei der ein oder anderen Hausparty zu spielen. Die Beats plus Samples versteht einfach jeder 😀 

Luzie: Einem Track von Missy Elliott entnommen.

Alexis: Jetzt noch hartes Drum Workout mit schmetternden Snaredrums und einer Sirene.

Luzie: Ohh ja die Sirene fehlt noch! Clap-Gewitter darf auch nicht fehlen. 

Max: Mit „die versteht einfach jeder“ ist für mich tatsächlich alles gesagt. Viel Sex, viel Percussion, ein schön gewähltes Tempo und massig Bass.

Toni Moralez – Every time (I Close My Eyes)

Luzie: Hier haben wir die ein wenig gefühlvollere Seite, ein schöner Abschluss.

Alexis: Jetzt noch das New-Jersey-House-lastige, ruhige, leicht melancholische Finale mit einem reduzierten Groove, sparsamen Chords und einem emotionalen Vocal. In dem geht es aber ganz im Sinn der EP auch um Sex – und nicht etwa um Liebe.    

Max: New Jersey-Vibes aus FFM, sehr gekonnt.  Schließe mich an, die beste Auswahl seit Langem. Wenn nicht gar überhaupt. Schnurrr!

Cristina: Sind wir fertig? Insgesamt eine schöne und abwechslungsreiche Auswahl, bei der ich lediglich die Oscar-Mulero-EP eher dröge fand. 

Alexis: Ganz tolle Auswahl Luzie, krasse Sounds die sich, megagut ergänzen.