Foto: Nils Eisfeld

Am vergangenen Freitag gab der Dresdener TBA Club auf seiner Facebookseite bekannt, am 07. Juli zu schließen. Nach rund dreieinhalb Jahren verschwindet somit ein Club aus der Dresdener Szene, der Raum für die Entwicklung lokaler DJs und verschiedene Partykonzepte geboten hatte: So fanden hier die ersten Partys der queeren Veranstaltungsreihe XXY_ statt; ein siebenköpfiger Stamm an DJs wie Casio oder Coline hatte eine Residency inne.

Am kommenden Freitag, den 05. Juli, beginnt die letzte Party unter dem Bahnhof Dresden-Neustadt. Dann wird standesgemäß bis Sonntagmorgen gefeiert. Wir haben Christoph Töpfer, Besitzer und Geschäftsführer des Clubs, einige Fragen zur Schließung gestellt.

Wie sehen die Umstände aus, die zur Schließung Eures Clubs geführt haben? 

Wir haben schon immer recht hohe Fixkosten aus unseren Einnahmen zu finanzieren. Wie viele Projekte dieser Art, ist das TBA nur mit hoher Selbstausbeutung und viel Idealismus möglich gewesen, dafür gab es einen hohen Zuspruch der elektronischen Musikszene. 
2015, als wir das TBA eröffneten, war auch ein Jahr, in dem viele Refugees in Dresden ankamen. Das stellte für uns eine besondere Herausforderung dar. So besonders die zentrale Lage ist, so sehr forderte uns das Aufeinandertreffen der Refugees und unserer freizügigen Feierkultur. Wir mussten deswegen viel Kraft und Personal in die Tür- und Awarenessarbeit stecken. Nicht alle unserer anfänglichen Gäste haben diese antirassistische Türpolitik mittragen wollen und kehrten uns den Rücken. Das TBA, mit seiner magischen Lage unter einem der größten Bahnhöfe in Dresden und nicht irgendwo auf der grünen Wiese oder in einem Gewerbegebiet, war oft auch Brennpunkt sozialer Auseinandersetzungen. Die Spannungen brandeten an unsere Clubtür. Wir mussten damit umgehen, ohne unsere eigenen politischen Überzeugungen aufzugeben. Letztendlich haben wir jeden Sommer wieder gespürt, dass ein Club ohne Außengelände nur schwierig gegen verlockende Alternativen bestehen kann. 

Die schon immer angespannte Gemengelage haben besondere Ereignisse völlig aus dem Gleichgewicht gebracht: Nachzahlungen von Stromkosten in exorbitanter Höhe durch über Jahre nicht abgelesene Stromzähler beispielsweise haben unsere Kalkulation empfindlich gestört. Hinzu kamen Feueralarme nicht nachvollziehbaren technischen Ursprungs, deren Kosten uns in voller Höhe getroffen und dafür gesorgt haben, dass wir bereits seit Anfang des Jahres keinen Nebel mehr einsetzen durften. Darunter hat natürlich unsere Attraktivität gelitten. 

„Die zentrale Lage bot die Möglichkeit, einen halböffentlichen Ort zu schaffen, der Schnittstelle für verschiedene Szenen und Menschen aller Couleur ist.“

Fast überall haben Clubs mit steigenden Immobilienpreisen zu kämpfen. Hat dieses Thema bei Euch eine Rolle gespielt? 

Prinzipiell nicht, obwohl es eine jährliche leichte Mieterhöhung gab. Dies war allerdings in die Kalkulation in Form eines zehnjährigen Mietvertrages eingerechnet. Die hohe Miete stand jedoch von Anfang an der dafür prominenten Lage gegenüber. 

Was wolltet ihr mit dem TBA realisieren? Aus was für einer Gemengelage ist der Club entstanden? 

Bevor wir das TBA eröffnet haben, betrieben wir viele Jahre den Club Sabotage. Dort waren wir sowohl was Gästekapazität, Booking und Lautstärke anging, stark eingeschränkt. Auf der Suche nach einem neuen Standort bot sich im Herbst 2015 die Gelegenheit unter dem Neustädter Bahnhof das TBA nach unserer Vorstellung aufzubauen. Die zentrale Lage bot die Möglichkeit, einen halböffentlichen Ort zu schaffen, der Schnittstelle für verschiedene Szenen und Menschen aller Couleur ist. Als solcher wurde dieser Ort rege genutzt. Er diente vielen Netzwerken und Crews als Versammlungsort für offene Plena, Solipartys, kulturelle Experimente und zum interkulturellen Austausch. Nachwuchsförderung und Diversität in Veranstaltungskonzepten und Line-Ups sind ebenso wichtig wie Awareness. Wir haben einen Ort und eine Institution erschaffen, wo sich Politik und Weltbild mit dem gemeinsamen Feiern verknüpfen. Das TBA war und ist mehr als wichtig als Dreh- und Angelpunkt und Anlaufstelle in Dresden. Das zeigen die Reaktionen, Solidaritätsbekundungen und Bestürzung zur Schließung unseres Clubs mehr als deutlich. 

„Es kann gut sein, dass der Nimbus des Besonderen irgendwann auf dem Weg verloren gegangen ist.“

Wie würdet ihr Eure musikalische Ausrichtung beschreiben? Wer waren Eure Residents? 

Unser Kollektiv ist aus dem Sabotage-Netzwerk und damit aus Einflüssen verschiedener Szenen entstanden. Für das neue Projekt war aber schnell klar, dass das TBA von der Ästhetik und der grundsätzlichen Wahrnehmung her ein Technoclub sein soll, nach unseren Vorstellungen gestaltet und unter Einbeziehung der Verwurzelungen in die anderen Szenen. Letztendlich machte es auch die Erfordernis, die hohen Fixkosten zu finanzieren, notwendig, andere Musikstile zu bedienen. So gab es donnerstags und freitags technoiden Sound zu hören, samstags reichte die Spannweite von Psytrance über DnB hin zu Hardtekk. Hohe Qualität der Bookings und ein gutes Verhältnis zum Veranstalter auf sozialer und politischer Ebene standen da jedoch im Vordergrund. 

Die Resident-Crew des TBA Clubs. Foto: Felix Dunkel.
Die Resident-Crew des TBA Clubs. Foto: Felix Dunkel.

Unsere Flagschiffe waren die Klubnächte, an denen wir unsere Interpretation von Techno im Besonderen ausleben konnten. Eine wichtige Rolle spielen dabei auch unsere Residents. Denn Resident im TBA zu sein bedeutet zum einen, regelmäßig Veranstaltungen zu kuratieren und zu verantworten, zum anderen sind unsere Residents nie nur DJs, sondern Menschen, die sich mit ihrer politischen Einstellung und Herzblut dem Laden verbunden fühlen und sich engagieren. Nicht zuletzt verkörpern unsere Residents auch den Sound des TBA. 

Wart ihr mit der Resonanz der Dresdner Szene auf Euren Laden zufrieden? 

Unser langjähriges Wirken und unsere im Sabotage gewachsene Vernetzung hatten für einen überwältigenden Anfangsschwung gesorgt. Das TBA war in den ersten zwei Jahren sehr gut besucht. Um die hohen Fixkosten einzuspielen, setzen wir darauf, möglichst oft die Türen mit attraktiven Veranstaltungsformaten offenzuhalten. Obwohl natürlich unterschiedliche Zielgruppen bei der wöchentlichen Programmgestaltung angesprochen wurden, kann es gut sein, dass der Nimbus des Besonderen irgendwann auf diesem Weg verloren gegangen ist. Zudem schafft es – absolut nachvollziehbar – kein noch so talentierter Act, an sehr sonnigen Tagen viele Gäste in ein Kellergewölbe zu locken, wenn unter freiem Himmel eine kostenfreie Party als Alternative existiert. 

„Ein Club ist nicht nur eine Anlage, ein Tresen, ein Ort – er ist auch eine Idee, ein Netzwerk, ein Lebensgefühl und wir werden dafür sorgen, dass diese Dinge weiterleben werden.“

„Generell ist die behördliche Betrachtung und Behandlung von Clubs als gewöhnliche Wirtschaftsbetriebe absurd!“, schreibt ihr in Eurem Facebookpost, in dem ihr die Schließung bekannt gebt. Was wäre ein besserer Umgang von offizieller Seite mit einem Club? 

Weder wollten wir an Booking und Personal noch an uns wichtigen Konzepten wie einem Awarenessteam sparen. Mit besonderen Auflagen wie Auslöse für Sperrstundenausnahme, Gema, Künstlersozialkasse etc. konfrontiert, zielt das TBA jedoch mit seinem Programm auf eine Szene der Subkultur, die naturgemäß nicht so reich gesegnet ist mit materieller Potenz. Darüber alle anfallenden Posten zu refinanzieren ist sportlich. Es sollte nichts Unvorhergesehenes dazwischenkommen. Zugutekommen würden den Clubs Förderungsprogramme von offizieller Stelle. 

Wollt ihr in irgendeiner anderen Form weitermachen und wenn ja, wie? 

Ein Club ist nicht nur eine Anlage, ein Tresen, ein Ort – er ist auch eine Idee, ein Netzwerk, ein Lebensgefühl und wir werden dafür sorgen, dass diese Dinge weiterleben werden. Kurzfristig versuchen wir, Verbindlichkeiten mit Solipartys zu klären, langfristig sind die Residents mit viel Herzblut dabei und werden bei einer gemeinsamen Fortführung außerhalb der Grenzen des Clubs als Team aktiv sein.

TBA aus.trinken
5. – 7. Juli 2019

Mit von der Partie sind unter anderem:
Albrecht Wassersleben, Alec Troniq, Annette Ibing, Belka, CASIO, Ch1P, Coline, Fabian Leuchtmann, ErnstEdward, Joseph Disco, konnYshiva, Malte, Martin Saupe, Mila Stern, Mit B, Nautika, Nsphere, phillson, RAULITO WOLF, Spunky, Synapskin, Xynia, Zebra Centauri.